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Greifswald Klub „Rosa“ in Greifswald verbietet Ungeimpften den Zutritt: „Wer das ablehnt, muss woanders feiern“
Vorpommern Greifswald

Klub „Rosa“ in Greifswald will keine Ungeimpften: „Müssen woanders feiern“

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19:27 24.08.2021
Murat Demirkaya (vorne) und Ernst Heil stehen vor dem DJ-Pult im Klub „Rosa“ in Greifswald. Ab Oktober haben Ungeimpfte hier keinen Zutritt mehr.
Murat Demirkaya (vorne) und Ernst Heil stehen vor dem DJ-Pult im Klub „Rosa“ in Greifswald. Ab Oktober haben Ungeimpfte hier keinen Zutritt mehr. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Feiergäste mit Impfung und von Corona genesene Personen werden ab dem 11. Oktober exklusiv Zugang zum Greifswalder Technoclub „Rosa“ und der Bar „Husch Eck“ haben. Ungeimpfte müssen ab diesem Tag draußen bleiben.

Die Maßnahme wollen Murat Demirkaya, Betreiber des „Rosa“ und Ernst Heil, Inhaber des „Husch Eck“, umsetzen, um sicheres Feiern zu ermöglichen und bisher Ungeimpfte zum Piks zu motivieren.

Schutz vor schwerer Erkrankung

Der 11. Oktober ist der Tag, an dem Corona-Schnelltests nicht mehr kostenlos sind. Das hatten Bund und Länder beschlossen, weil jedem Bürger bis dahin ein Impfangebot gemacht worden sei und eine Kostenübernahme durch den Steuerzahler nicht mehr zu rechtfertigen sei.

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen werde es wahrscheinlich Ansteckungen auch in seinem Klub geben, weil die Inzidenzen steigen und hundertprozentige Sicherheit nicht möglich sei, sagt Demirkaya. „Ich möchte als Betreiber aber nicht, dass Ungeimpfte sich infizieren und anschließend einen schweren Verlauf haben.“ In den vergangenen Wochen hatten sich Feiernde in Greifswald und Bad Doberan infiziert, trotz der geltenden Hygienemaßnahmen.

Rückkehr zu normalem Betrieb

Im „Rosa“ wird bereits jetzt von jedem Gast ein Schnelltest verlangt – egal ob geimpft oder nicht. So wird es auch bleiben. Denn eine geimpfte Person kann sich mit Corona infizieren und das Virus weitergeben. Ziel müsse sein, so Demirkaya, zu einem normalen Clubbetrieb zurückzukehren, was ohne flächendeckende Impfungen und damit weniger schweren Verläufen bei einer Infektion nicht möglich sei.

Die meisten seiner Gäste seien bereits geimpft, sagt der Clubinhaber. Die, die es noch nicht sind, hofft er durch seine Zugangsbeschränkung zu motivieren. Schließlich sei die Impfpriorisierung aufgehoben, Impfen ohne große Hürden sei möglich. „Und falls das jemand ablehnt, dann kommt derjenige eben nicht her und geht stattdessen in einen anderen Club.“ Während zwar private Veranstalter die 2G-Regelung umsetzen, fehlt bisher ein Gesetz oder eine Verordnung, Ungeimpften den Konzert-, Bar- oder Restaurantbesuch zu verbieten.

Auflagen schränken Clubbetrieb ein

So solle es auch bleiben, sagt Demirkaya. Die Verordnung von oben käme einem Zwang gleich, der auf einen Schlag Ungeimpfte von vielen Veranstaltungen und Teilen des gesellschaftlichen Lebens ausschließt. Demirkaya pocht dennoch auf sein Hausrecht, Beschränkungen einzuführen. Er gehe davon aus, dass es weiterhin Clubs und Bars geben wird, die Ungeimpften den Zutritt erlauben.

Wenn derzeit in den Räumen in der Bahnhofstraße sonnabends gefeiert wird, werden die Nachweise kontrolliert und Kontaktdaten der Gäste aufgenommen. Erst am 25. Juni durften Klubs in MV nach monatelangen Zwangsschließungen wieder öffnen. Nur die Hälfte der sonst üblichen 300 Menschen hat im „Rosa“ Zutritt und eine Abendkasse gibt es nicht, um Menschenansammlungen vor dem Eingang zu vermeiden.

Thema Impfen spaltet Gesellschaft

„Wir verzichten mit dem Vorverkauf sogar wissentlich auf Einnahmen, weil spontan niemand mehr reinkommt“, sagt Demirkaya, der sich derzeit jeden Tag auf Corona teste, um auf Nummer sicher zu gehen. Die Sorge vor einer Infektion begleite jede Partynacht. Bisher habe es aber noch keinen positiven Fall gegeben.

Die aktuelle Corona-Landesverordnung erlaubt den Zutritt zu Klubs nur, wenn Gäste entweder geimpft, genesen oder getestet sind. Zusätzlich wird das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung zwar dringend empfohlen, bleibt aber effektiv jedem Gast selbst überlassen.

Ernst Heil hat sich dem Entschluss von Demirkaya angeschlossen, weil er „safer clubbing“, also sicheres Feiern, stärken wolle. Seine Bar ist derzeit wegen Umbauarbeiten geschlossen, er wolle noch vor dem 11. Oktober wieder öffnen. „Das Thema Impfen spaltet die Gesellschaft und das finde ich schade“, sagt Heil. Als Barbetreiber wolle er, wie Demirkaya, nicht, dass Gäste nach einer Corona-Infektion womöglich ins Krankenhaus müssen. Die Impfung sei dagegen der beste Schutz.

Von Christopher Gottschalk