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Greifswald Königsstuhl: Entscheid per Post
Vorpommern Greifswald Königsstuhl: Entscheid per Post
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00:00 19.07.2018
Dicht über dem Kreidefelsen soll die an einem Mast befestigte Aussichtsplattform hängen. Quelle: Foto: Schlaich/bergermann/partner
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Sassnitz

Wird eine Aussichtsplattform den bisherigen Zugang zum Königsstuhl ersetzen? Darüber werden die Sassnitzer in den kommenden Wochen entscheiden. Während einer Sondersitzung am Dienstagabend haben die Stadtvertreter den Weg für einen Bürgerentscheid frei gemacht. Eine Initiative um die Sassnitzer Norbert Dahms und Mirko Frost hatte zuvor im Zuge eines Bürgerbegehrens Unterschriften gesammelt. Den dabei geforderten Bürgerentscheid hatte die Stadtvertretung vor etwa vier Wochen noch abgelehnt: Viele Einwohner hätten ihre Unterschrift gegeben, ohne richtig informiert worden zu sein. Nach Rücksprache mit der Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises hatte Bürgermeister Frank Kracht jedoch Widerspruch gegen diesen Beschluss eingelegt. Bei der erneuten Abstimmung am Dienstag votierten zehn Stadtvertreter für den Entscheid, drei dagegen und drei enthielten sich.

Rund 8000 Sassnitzer stimmen bis Ende Oktober per Brief über die geplante Aussichtsplattform ab

„Sind Sie für folgenden Beschluss? Die Stadt Sassnitz errichtet keine schwebende Aussichtsplattform im Bereich des Königsstuhls (. . .) und beteiligt sich auch nicht an möglichen entsprechenden Vorhaben Dritter, insbesondere nicht durch Überlassung von Grundstücken.“ Diese, im Bürgerbegehren formulierte Frage können rund 8000 Sassnitzer Einwohner beantworten – und zwar per Post. Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Hafenstadt wird laut Beschluss der Stadtvertretung eine reine Briefabstimmung sein. Bis spätestens Ende Oktober soll alles über die Bühne gehen. Der genaue Termin wird erst noch festgelegt, und zwar durch einen fünfköpfigen „Abstimmungsausschuss“. In dem werden neben Fraktionsmitgliedern aus der Stadtvertretung auch Vertreter des Bürgerbegehrens sitzen.

Letztere hatten sich gegen die Plattform ausgesprochen. Die wurde von dem renommierten Büro Schlaich Bergermann und Partner entworfen, das auch schon für die preisgekrönte Fußgängerbrücke in den Sassnitzer Stadthafen verantwortlich zeichnet. Die Konstruktion am Königsstuhl soll im Prinzip ähnlich funktionieren: An einem Mast wird mit Stahlseilen eine langgezogene, ovale Plattform befestigt.

Die soll nur über einen Teil des berühmten Kreidefelsens ragen und diesen auch nicht berühren. Damit soll verhindert werden, dass das Wahrzeichen der Insel durch Hunderttausende von Besuchern weiter abgetragen wird. Die Erosion nagt bislang vor allem an der bestehenden Schmalstelle, über die der jetzige Zugang verläuft. Dieser kann nach Einschätzung von Experten nur noch etwa zehn Jahre aufrecht erhalten werden. Aus diesem Grund wird schon seit Jahren über eine Alternative zur jetzigen Treppe über das bronzezeitliche Königsgrab auf den Aussichtsfelsen nachgedacht.

Die offenbar von der Mehrheit der Stadtvertreter gewollte Plattform stelle „einen erheblichen Eingriff in die Ansicht der Kreideküste im Bereich des Königsstuhls dar“, kritisieren die Gegner des Vorhabens. Die „Natürlichkeit der Ansicht“ könnte das neue Bauwerk ebenso gefährden wie große Bäume, die in der Nähe gefällt werden müssten. Lediglich einer müsse weichen und der sei bereits geschädigt, argumentieren dagegen die Fachleute, die in dem vorgestellten Entwurf derzeit die einzige Chance sehen, den Königsstuhl auch weiterhin für die Gäste erlebbar zu machen. Zudem werde das Bauwerk an sich ein weiterer Anziehungspunkt und ein mögliches zusätzliches Wahrzeichen für die Stadt und den Nationalpark, halten die Befürworter dagegen.

Ob für oder gegen das Projekt – vor der Abstimmung sollte sich jeder genau mit der Fragestellung auseinandersetzen, rät der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung, Norbert Benedict. Die von den Initiatoren des Bürgerentscheids gewählte Formulierung sei seltsam, weil sie eine Verneinung enthalte. Wer mit Ja stimmt, spricht sich dafür aus, dass keine Plattform gebaut wird. Wer die neue Plattform will, muss also „Nein“ ankreuzen.

Das sei unter Umständen verwirrend, gesteht Torsten Seegert, einer der Initiatoren. Die Formulierung sei ein Ergebnis der juristischen Beratung im Vorfeld. Alle rechtlichen Anforderungen sollten erfüllt sein. Um bei den Bürgern für Klarheit zu sorgen, werde man vor der Abstimmung eventuell Vordrucke verteilen, auf denen erläutert wird, was ein Ja oder Nein auf dem Stimmzettel bedeuten.

Sorge um Erosion am Zugang zum Kreidefelsen

7 Millionen Euro soll die Aussichtsplattform am Königsstuhl nach derzeitigen Schätzungen kosten. Geplant ist eine Seilbrücke in Form eines ovalen Rings, die an einem Mast befestigt werden soll. Der, so die Kritiker, werde mit seinen 40 Metern Höhe die Bäume der Stubnitz überragen und den Anblick stören. Er werde noch weniger wahrgenommen als der höhere Funkmast, der sich in der Nähe befindet, halten die Befürworter dagegen.

Der Rundweg soll 90 Meter lang und 2,50 Meter breit sein. Im vorderen Bereich wird er auf 3,50 Meter verbreitert. Die Seilbrücke wird das bronzezeitliche Königsgrab und einen kleinen Teil des Königsstuhls überspannen. Der größte Teil des Felskegels wird frei bleiben.

Wegen der Erosion am Zugang zum Königsstuhl wurde 1993 eine neue Brücke gebaut. Deren Ausmaße lösten Proteste aus und führten dazu, dass das „Monster vom Königsstuhl“ wieder abgebaut wurde.

Maik Trettin

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