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Greifswald Köpfe und Parolen! Plakateflut vor der Wahl in Greifswald
Vorpommern Greifswald Köpfe und Parolen! Plakateflut vor der Wahl in Greifswald
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08:59 27.04.2019
Wahlkampfplakate an der Europakreuzung Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Die Ballung von Plakaten an Laternenpfählen und an Kreuzungen zeigt deutlich: Der Wahlkampf in Greifswald hat richtig Fahrt aufgenommen. Mit acht übereinander – fünf allein von der FDP – könnte der Kreisverkehr am Bahnhof der Spitzenreiter sein. Auch einzelne Kandidaten wie beispielsweise Gamal Khalil (CDU) haben gleich mehrere Plakate übereinander angebracht. Die Straßenränder dominieren Köpfe und Parolen. „Erwiesen ist, dass Textplakate eine deutlich schlechtere Wirkung als solche mit Bildern haben“, sagt der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller. Vor allem provokante, von der Norm abweichende Plakate können nach Meinung Müllers positive Effekte haben. „Sie sichern Aufmerksamkeit und sorgen für Berichterstattung“, so der Wissenschaftler. Aber solche Plakate gibt es 2019 bislang in Greifswald nicht.

Die Parteien besetzen weitgehend brav ihre Themen: Die CDU will die Schmierereien eindämmen, die SPD fordert bezahlbaren Wohnraum, die Linke will schnelles Internet, die Tierschutzpartei den Regenwald retten, die FDP sieht sich als „neue Generation Greifswald“ und die Grünen kämpfen für Radwege und Klimaschutz.

Bürgerliste und Alternative verzichten auf Plakate

Während diese Parteien bereits am Laternenpfahl um Stimmen buhlen, halten sich andere noch zurück. „Drei Wochen vor der Wahl reicht“, sagt der Chef der Kompetenz für Vorpommern, Frank Hardtke. „Vorher werden sowieso nur viele Plakate beschädigt. Die KfV werde sich auch in der Zahl selbst beschränken. „Wir setzten auf Köpfe, Text passt sowieso nicht viel drauf, für die Inhalte gibt es Flyer“, sagt Hardtke. Finanziert wird der Wahlkampf mit Spenden – wie bei fast allen Bewerbern. Die AfD hat 500 A1-Plakate und 6 Großplakate drucken lassen. Zu sehen sind sie aber erst zwei Wochen vor der Wahl. Warum? „Die Halbwertszeit unserer Plakate beträgt maximal 12 Stunden. Dann werden sie heruntergerissen“, sagt AfD-Mann Nikolaus Kramer.

Altgediente Lokalpolitiker wie Thomas Meyer oder Ludwig Spring werden die Greifswalder nicht von den Laternenpfählen anlächeln. „Wir lehnen das ab, unserer Meinung bringt das auch nichts“, sagt Fraktionschef Meyer. Er hätte sich zudem gewünscht, dass nur an bestimmten Plätzen plakatiert wird – so wie in Wolgast. Auch die Alternative Liste verzichtet auf eine Plakatierung. Eventuell werde man spontan auf andere Mitbewerber reagieren und dann zu ausgewählten Themen Plakate hängen, sagt AL-Sprecher Gregor Kochan. „In Zeiten der sozialen Medien sind Plakate nicht mehr so bedeutend.“

Geringere ParteienbindungPlakate werden wichtiger

Die Politikwissenschaft widerspricht. Wer Erfolg haben wolle, muss werben, egal ob es um den Verkauf von Schokoriegeln oder von Politik geht. Wahlplakate seien wichtige Mittel, wenn es um Mehrheiten in Parlamenten geht. „Sie haben vielfältige Effekte“, sagt der Politologe Müller. „Plakate weisen darauf hin, dass eine Wahl bevorsteht, dass man sich mit Themen und Kandidaten beschäftigen sollte.“ Außerdem sei das eine Möglichkeit, Themen zu besetzen. „Wenn die CDU Ernst Moritz Arndt, ein Begrüßungsgeld für Babys und Sachbeschädigungen thematisiert, möchte sie auch signalisieren, dass sie die richtige Partei ist, um die damit verbundenen Ziele umzusetzen.“ Zwar noch nicht systematisch untersucht, aber sehr wahrscheinlich sei, dass Wahlplakate wichtiger als früher sind, weil die Parteibindungen der Wähler nicht mehr so stark sind.

CDU-Geschäftsführer Christian Weller geht davon aus, dass die Wahlplakate Wirkung erzielen. „Genau wissen wir das natürlich nicht. Aber in Greifswald, wo viele Plakate hängen, ist die Wahlbeteiligung deutlich höher als in Wolgast.“ Was Weller ärgert, sind die Sachbeschädigungen an den Plakaten. „Ich habe noch kein Jahr erlebt, in dem nicht Plakate zerstört wurden.“ Nach dem SPD-Kandidaten Ibrahim Al Najjar wurden inzwischen auch die Christdemokraten Ziel von Plakatangriffen. „Die so etwas machen, haben für sich beschlossen, dass die Regeln der Gesellschaft nicht für sie gelten“, sagt Weller.

Die Einzelbewerberin Grit Wuschek, Sprecherin der Bürgerinitiative „Ernst Moritz Arndt bleibt“, konnte erst in dieser Woche plakatieren, weil die Genehmigung von der Stadt erst jetzt kam, wie sie sagt. Ohne die CDU hätte sie gar nicht gewusst, dass auch zugelassene Kandidaten Genehmigungen benötigen. Auf ihren Plakaten ist Wuschek auch mit dem Bürgerschaftsabgeordneten der Linken, Peter Multhauf zu sehen. Beide tragen ein Arndt-Banner.

Die Grünen sind mir rund 700 Plakaten in Stadt und Land präsent. „Es sind Leute für zwei Tage aus Berlin gekommen, um uns zu helfen“, so Geschäftsführer Christoph Oberst. Die Grünen mit ihrem Kommunalwahlmotto „Weil wir hier leben“ setzen auf Themenplakate mit eingängigen Bildern und Slogans wie „Damit der Landarzt nicht nur im Fernsehen kommt.“ Auch die Linke wirbt mit Sprüchen – und Köpfen.

Kopfplakate als Belohnung für Parteisoldaten

Der Politikwissenschaftler Müller ist überzeugt, dass die allgegenwärtigen Köpfe vor allem dazu beitragen, Politneulinge bekannter zu machen. Dafür sei die Kampagne der Greifswalder SPD ein gutes Beispiel. Zudem sei es für manche Parteisoldaten sicher gut, wenn sie ihre Gesichter quasi als Belohnung ihrer Arbeit in der Stadt sehen.

Die FDP hat rund 400 Plakate an Laternenmasten in der Stadt verteilt. „Während andere Parteien mit Personalausweisfotos werben, fassen wir unsere Kandidaten optisch weiter auf“, sagt FDP-Generalsekretär David Wulff. „Frische Farben, dazu eine kompakte Kernaussage – wir wollen als vorwärtsgewandt wahrgenommen werden.“ Ob Plakatwerbung wirklich Stimmen bringt? Daran zweifelt auch Wulff: „Plakatwerbung kostet auf jeden Fall viele Punkte, wenn man darauf verzichtet.“

Der Marketingexperte und Geschäftsführer vom Haus Neuer Medien, Marcel Glöden, sieht bei den Wahlplakaten noch Luft nach oben. „Im Marketing ist eine zündende, einprägsame Idee wichtig,.“ Als beispiel nennt er die legendäre 18-Prozent-Kampagne der FDP. Diese Kampagne habe den Liberalen viele Prozente gebracht. Die Parteien und Wählergruppen in Greifswald fahren nach Einschätzung Glödens eine eher altbewährte Werbe-Strategie: „Gesicht rauf auf die Plakate, Vertrauen schaffen, lächeln und dann die Botschaft verbreiten, mit uns wird alles besser.“

Martina Rathke und Eckhard Oberdörfer

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