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Greifswald Fit zwischen Noten und Paragrafen
Vorpommern Greifswald Fit zwischen Noten und Paragrafen
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Tobias Reinsch ist seit Januar Leiter des Greifswalder Rechtsamtes und seit 1997 Sänger der Greifswalder Band "Krach". Quelle: Christopher Gottschalk
Greifswald

 Gute Nachrichten für alle Musikfans: Es gibt die Band „Krach“ noch und es wird sie weiter geben. Die ist Greifswald seit 1997 ein Begriff und hat wieder neues Material auf Lager. Seit dem letzten Album sind einige Jahre vergangen. Kein Wunder, haben die Bandmitglieder andere Pflichten, kümmern sich um Familien und Beruf. So wie Sänger Tobias Reinsch. Statt Noten interpretiert er Paragrafen. Seit Januar leitet er das städtische Rechtsamt.

Ein Kind der Stadt Greifswald

Reinsch, 37, kräftiger Körperbau, der in seiner Vergangenheit Kickboxen und Mixed-Martial-Arts nachging, trägt Glatze, Anzug und ein freundliches Lächeln. In seinem Büro zwei große Bildschirme auf dem Schreibtisch, davor ein Konferenztisch mit Stühlen. Hier komme Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) häufiger mit einem Anliegen vorbei. Denn Reinschs Aufgabe ist es, mit seinem Team die Rechtsfragen in der Stadtverwaltung zu beantworten. Ein Beispiel: Die Bürgerschaft stimmte Mitte Januar einen Antrag zur Deckelung der Kita-Gebühren ab, das Abstimmungsergebnis wurde angezweifelt. Hier kommt Tobias Reinsch ins Spiel, klärt, wie es nun weitergehen kann. „Das ist mein täglich Brot“, sagt der ausgebildete Jurist, der vorher für die Universität als Justiziar und für die Universitätsmedizin als Konzerncontroller gearbeitet hat. Der erste Schritt auf dem Weg dahin war eine „Auszeit“ bei der Bundeswehr.

Tobias Reinsch singt auf einem Krach-Konzert in der Greifswalder Klosterruine Eldena Quelle: Henry Dramsch

Als Trommler bei der Bundeswehr

Mit dem Abitur in der Tasche trommelte er zwei Jahre lang beim Heeresmusikkorps in Neubrandenburg. „Das war manchmal wie ein Ferienlager für Erwachsene.“ Dann traf er seine im Rückblick beste berufliche Entscheidung: ein Jurastudium in seiner Heimatstadt Greifswald zu absolvieren. Einen Master im Gesundheitsmanagement machte er später auch. Währenddessen immer dabei: „Krach“, die siebenköpfige, einst als Schülerband gegründete Combo, die sich selbst als „kulturschaffender Freundeskreis“ versteht. Reinsch steht seit der Gründung mit seiner tiefen und kraftvollen Stimme am Mikrofon. Der selbstbetitelte Stil der Band ist „Offbeat Rock’n’Soul“, ein Mix aus Punk, Rock, Ska, Reggae, Latin, Funk und Soul. Die Songs für das neue Album seien bereits geschrieben, das Schlagzeug aufgenommen, fehlen nur noch ein paar Studiotermine mit allen sieben Bandmitgliedern. „Ich hoffe, dass wir Ende des Jahres das Album fertig haben“, blickt Reinsch voraus. Fünf „Krach“-Alben sind bisher erschienen, zudem ein Soundtrack zum Schauspiel-Musical „Der kleine Horrorladen“, das die Band im Greifswalder Theater 2010 aufführte. Das waren die großen Zeiten der Band, als sie auch über den Schritt in die Professionalität nachdachten. Dass es nie dazu kam, bereut Reinsch nicht. „Schließlich will man mit der Band gar nicht erwachsen sein“, sondern Spaß haben, lachen, aus dem Alltag treten.

Texte entstehen im Alltag

Das Rebellische aus den Anfangsjahren würde er heute wohl so nicht mehr schreiben. Das solle der jungen Generation vorenthalten bleiben. „Es wäre fatal, wenn man mit 40 Jahren noch das Gleiche schreibt“, macht er klar.

Sehen Sie hier einen Liveauftritt von „Krach“ (externer Link)

Ein Beispiel für neue Wege ist das Lied „Monster“, ein liebevoll gemeintes Stück über seine viereinhalbjährige Tochter. Ideen für Songs kämen im Alltag, wandern dann in ein Notizheft. Zuletzt ging es um Seifenblasen. Könne er mehr verraten? „Sie sind fragil, aber dennoch stabil. Sie strahlen bunt, sie erfreuen die Menschen, obwohl sie so simpel sind, sie tanzen im Wind, jeder kann sie selbst herstellen. Sie sind also vielfältig und trotzdem einfach.“

Zukunftswünsche: Gesundheit, Erfolg und Krach

Musik muss für Reinsch lustig sein oder einen sinnigen Hintergrund haben, wie beispielsweise Lieder von Udo Jürgens oder des Liedermachers Hans-Eckhardt Wenzel. Nur Herzschmerzlyrik – da verschließt Reinsch die Ohren. „Krach“ wird auf dem neuen Album andere Töne anschlagen. Und wie geht es danach für Reinsch weiter? Am besten so wie bisher. „Wenn ich und meine Familie gesund bleiben, die Band erhalten bleibt und es beruflich weiter gut läuft, bin ich zufrieden“, sagt er glücklich.

Mehr zum Thema: Alles erreicht, was sie kann – zumindest ohne Parteibuch: Ex-Rechtsamtsleiterin Sandra Schlegel im großen OZ-Interview.

Christopher Gottschalk

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