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Kultur Greifswalds Tierpark: der einzige in MV mit Vogelrettungsstation
Vorpommern Greifswald Kultur Greifswalds Tierpark: der einzige in MV mit Vogelrettungsstation
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15:42 16.08.2019
Tierpfleger und Ornithologe Frank Tetzlaff zusammen mit einem seltenen von ihm gesund gepflegten Wespenbussard Quelle: Carla Blecke
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Greifswald

„ Das ist ein seltener Wespenbussard“, erklärt Frank Tetzlaff, während er sich zu dem braunen Vogel hinunterbeugt und seinen Arm nach ihm ausstreckt. „Der ist ganz jung und aus dem Nest gefallen, weil er selbst noch nicht fliegen konnte“, so der Pfleger aus dem Greifswalder Tierpark, „Ich hoffe, ich kann ihn in zwei Wochen fliegen lassen.“

Die einzige Stelle, die noch Vögel aufnimmt

Seit über 30 Jahren betreut Tetzlaff nebenberuflich verletzte Vögel, 2016 errichtete er deshalb im Greifswalder Tierpark eine Rettungsstation. Doch die ist inzwischen überfüllt: Von Januar bis August seien schon mehr als 100 Tiere zu ihnen gebracht worden. „Wir sind leider der einzige Park oder Zoo in ganz Mecklenburg-Vorpommern, der noch verletzte Vögel aufnimmt“, so der Ornithologe und Tierpfleger. Das sei im letzten Jahr noch anders gewesen.

Die Folge: Tiere aus dem gesamten Bundesland würden zu ihm gebracht werden. „Wir haben jetzt schon mehr Vögel betreut als im gesamten letzten Jahr.“ Unter den Patienten waren mehr als 40 seltene Arten: „Von der Stockente bis zum Seeadler war alles dabei“, so Tetzlaff. „Wir hatten hier mehrere Störche, Wanderfalken, Fischadler und einen Rotmilan.“

30 000 Euro Fördermittel des Landes

Aufgrund der begrenzten Kapazitäten käme es vor, dass er Leute, die einen verletzten Kleinvogel gefunden haben, wieder abweisen müsse. „Manche der Vögel sind gar nicht verletzt, sondern machen nur einen hilflosen Eindruck, weil sie noch nicht fliegen können“, sagt der Vogelexperte. Zum anderen gebe es Populationen, die Vorrang in der Hilfsstation hätten, weil sie zu einer seltenen Art gehören. Er selbst rät Findern: „Am besten ist es, Kontakt zu Hilfsorganisationen oder uns aufzunehmen, wir geben dann am Telefon Tipps, was man machen soll.“

So sieht es in der Vogelrettungsstation aus. Mehr als 100 Vögel hat Tierpfleger Frank Tetzlaff dort 2019 schon behandelt.

Die Rettungsstation befindet sich abseits des regen Treibens im Tierpark. Mit Fördermitteln des Landes konnte eine alte Garage tiergerecht und mit Außengehegen umgebaut werden. „Wir haben vor drei Jahren vom Wirtschaftsministerium 30 000 Euro für das Projekt erhalten. Gekostet hat der Umbau letztendlich knapp 75 000 Euro.“ Die übrigen Gelder seien Ausgaben des Parks gewesen.

Zurück in die Wildnis

Trotz der teilweise wochenlangen Genesung legt Tetzlaff Wert darauf, dass die Jungtiere sich nicht an den Menschen gewöhnen: „Was aus der freien Wildbahn kommt, soll wieder in die Wildnis zurück.“ Das funktioniere nur, wenn die Tiere nicht zahm würden. Im Idealfall werde ein verletzter Vogel zeitnah ausgewildert. Manche Tiere erleiden allerdings so starke Verletzungen, dass ein Aussetzen nicht mehr möglich sei. „In einigen Fällen behalten wir die Tiere dann im Park, so zum Beispiel flugunfähige Störche.“ Selten käme jede Hilfe zu spät: „Vögel mit extrem starken Verletzungen müssen wir mit Bedauern schmerzfrei einschläfern, das wäre sonst Quälerei“, sagt der Tierpfleger.

Unterstützung bekommt er von ehrenamtlichen Helfern und dem Verein „Haus- und Wildtierrettung“. Neben Kosten für den Tierarzt, Futter und Reinigung nehme die Pflege vor allem viel Zeit in Anspruch. „Trotz meines Urlaubs war ich letzte Woche täglich hier“, so Tetzlaff. Es sei zwar aufwendig, aber dennoch sein Herzensprojekt.

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