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Greifswald Land: Mensa ist ein Denkmal
Vorpommern Greifswald Land: Mensa ist ein Denkmal
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00:00 14.08.2018
Die Mensa am Schießwall dient seit 1976 der Essenversorgung. FOTOS (3): ECKHARD OBERDÖRFER
Greifswald

Ritterschlag für die Mensa am Schießwall. Nach Einschätzung der Denkmalschützer des Landes ist sie ein wertvolles Denkmal und muss daher einen Schutzstatus erhalten.

Uni will den Schutzstatus für das Haus am Wall aber nicht / Stadt entscheidet mit Schwerin

„Die in städtebaulich exponierter Lage errichtete Greifswalder Mensa gehört zu den besonderen öffentlichen Einrichtungen aus der Zeit der DDR in der Hansestadt“, heißt es in der Einschätzung, die das Bildungsministerium zur Verfügung stellte. Neben dem städtebaulichen Wert besitze das Haus ortsgeschichtliche Bedeutung und sei für Mecklenburg-Vorpommern von regionalgeschichtlichem Wert.

Um den Schutzstatus zu erhalten, müsste die Stadt das vor über 40 Jahren eingeweihte Bauwerk in die Denkmalliste der Stadt eintragen. Aber so weit ist es noch nicht. Denn die Universität als Eigentümer des Hauses ist dagegen. „Wir halten die Unterschutzstellung des gesamten Gebäudes aus einer Reihe von Gründen für nicht gerechtfertigt“, sagt Hochschulsprecher Jan Meßerschmidt. „Unter anderem hat das Gebäudeinnere durch mehrfache Umbauten seinen historischen Aussagewert verloren.“ Das habe man der Unteren Denkmalbehörde, das ist die Stadt, mitgeteilt.

Die Stadtverwaltung befinde sich „derzeit gemeinsam mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV in einem laufenden Verfahren zur Entscheidung über eine Eintragung des Gebäudes in die Denkmalliste“, sagt Greifswalds Sprecherin Andrea Reimann. Mehr könne man erst nach Abschluss des laufenden Verwaltungsverfahrens sagen.

Ein Blick zurück: Die Mensa wurde 1974 bis 1976 gebaut. Die offizielle Einweihung erfolgte schon am 30. Dezember 1975. Das Grundkonzept stammt von dem 1937 geborenen Ulf Zimmermann, einem in der DDR mehrfach geehrten Architekten. Die von ihm konzipierte Mensa der TU Dresden von 1981 gilt als bemerkenswertes Beispiel der DDR-Moderne. Zu dem 2014 wegen des schlechten Zustandes geplanten Abriss kam es nach vielen Protesten nicht. Jetzt wird das Denkmal für 24 Millionen Euro durch den Freistaat Sachsen saniert und erhält sogar seine Bierstube mit historischem Interieur zurück.

Eine Bierstube gab es früher auch in Greifswald. Der Rostocker Architekt Ulrich Hammer (geboren 1930) erarbeitete mit seinem Kollektiv auf der Grundlage der Zimmermannschen Ideen den Entwurf für das Greifswalder Speisehaus. Die Ausstattung der Mensen wurde durch Kunst vervollständigt wie im Fall Greifswald unter anderem um das wohl einmalige, 22 Meter lange Wandbild „Studenten in der sozialistischen Gesellschaft“ des Kunstprofessors Wolfgang Frankenstein im Foyer.

Die Mensabauten, so das Landesamt, „gehören zu den besonderen Leistungen im Bauwesen des vergangenen deutschen Staates.“ Die Greifswalder Mensa hatte im 1970 eingeweihten Rostocker Speisehaus einen älteren Bruder, der aber als nicht so komfortabel galt. Auch hier war Ulrich Hammer der Architekt. „Im Jahre 2001 wurde der gut erhaltene Bau, dessen historischer Wert zu dieser Zeit noch nicht erkannt worden war, zugunsten des Neubaus einer Bibliothek abgerissen“, so die Landesdenkmalpflege zum Schicksal der Rostocker Mensa. In MV gebe es jetzt nur noch in Wismar einen Mensabau aus DDR-Zeiten.

Vor fünf Jahren hatte die Unikustodie übrigens zum Mitternachtsshopping Führungen durch die Mensa angeboten. „Von dem Flair der 1970er Jahre ist an dem Baudenkmal der DDR-Zeit heute noch Sehenswertes erhalten geblieben“, hieß es damals. Bei Führungen wurde unter anderem der normalerweise nicht zugängliche frühere Speisesaal der Rektoren und der Unileitung gezeigt. Der legendäre Studentenclub „Mensaclub“ und die Milchbar (jetzt Cafébar „ins Grüne“) seien über Jahrzente „der Szenetreff für die Greifswalder Studenten, aber auch für Professoren und Mitarbeiter ein beliebter Anlaufpunkt“

gewesen, hieß es.

Innovationshaus

Die Mensa am Schießwall ist zugunsten einer neuen Einrichtung aufgegeben worden. Essen wird künftig eine neue Mensa mit Cafeteria auf dem Campus Loefflerstraße anbieten. Die Mensa am Wall soll danach mit Unterstützung des Landes ein digitales Innovationszentrum werden. Partner ist die Witeno GmbH. Zu den Gesellschaftern dieser GmbH gehören Uni und Stadt.

Der Sanierungsstau in der Mensa ist groß. Letzte Schätzungen gehen von etwa zwölf Millionen Euro aus, die notwendig sind.

Eckhard Oberdörfer

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