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Greifswald Land verdonnert Uni zum Sparen
Vorpommern Greifswald Land verdonnert Uni zum Sparen
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00:00 26.05.2017
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Greifswald

Das Land verdonnert die Greifswalder Universität zum Sparen. Ab dem nächsten Doppelhaushalt 2018/19 sollen hohe Rücklagen gebildet werden, fordert Schwerin. Es geht um 8,65 Millionen Euro, das sind mehr als 12,6 Prozent des Budgets, das das Land der Hochschule zur Verfügung. Rücklagen bilden heißt, Geld auf die hohe Kante zu legen. Damit kann später beispielsweise in Gebäude oder Ausstattungen investiert werden.

Die Uni reagiert empört. „Der Senat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald protestiert entschieden gegen die Pläne des Finanzministeriums, den Hochschulen massive Rücklagen aufzuerlegen und damit reglementierend in die Finanzplanung der Universität einzugreifen“, erklärt der Senat. Seit 2004 hat die Uni einen Globalhaushalt, aus dem sie ihre Ausgaben bestreitet.

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8,65 Millionen Euro entsprechen 112 Vollzeitbeschäftigten. „Das ist nur eine Beispielrechnung sagt Hochschulsprecher Jan Meßerschmidt. „Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, wie dieser Zuwachs der Rücklage zu bewältigen wäre, ohne handlungsunfähig zu werden.“ Lehre und Forschung würden gefährdet. Aktuell hat die Uni noch knapp 800 Vollzeitstellen. Die Unimedizin ist dabei nicht berücksichtigt.

„Dass die Universität handlungsunfähig wird, können wir nicht nachvollziehen“, sagt Henning Lipski, der Sprecher von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). „Es kann nicht sein, dass die Hochschulen immer mehr Geld ansparen und andererseits betonen, sie seien nicht ausreichend finanziert.“ Das sei kein Greifswalder Phänomen. Alle Hochschulen des Landes zusammen hätten 2016 insgesamt 18,6 Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt, mehr als das Doppelte als 2015. „In Greifswald waren es 2016 knapp fünf Millionen statt fast drei Millionen Euro 2015.“ Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität verfüge nun über Rückstellungen in Höhe von 12,3 Millionen Euro. Neu sei nur die verbindliche Festlegung des Rücklagenzuwachses um weitere knapp drei Millionen Euro auf nunmehr 8,68 Millionen. Die Haushaltsgespräche sind auch noch nicht abgeschlossen.

Währenddessen verliert die Uni weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit weitere Stellen. Die Hochschule muss gemäß gültiger Zielvereinbarung mit dem Land bis zum 30. Juni 2017 etwa 32 Stellen einsparen. Das entspricht 1,9 Millionen Euro. Die Grundlage der Einsparungen ist das Landespersonalkonzept von 2004. „In der Zielvereinbarung von 2006 wurde eine Verringerung um 190 Stellen bis 2017 vereinbart“, informiert Meßerschmidt. Vor 13 Jahren standen 955 Stellen im Plan. Den Löwenanteil der Kürzungen trug die Philosophische Fakultät, unter anderem wurden die Institute für Sportwissenschaften, Altertumswissenschaften und Ur-und Frühgeschichte geschlossen. Die Lehrerbildung in der mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde bis auf die in der Geographie eingestellt. Mathe wurde inzwischen wieder eingeführt.

Ende 2009 hatte die Uni noch 860 Stellen. Nach dem aktuellen Abbau verbleiben noch 765. „Die sind dann bis 2020 garantiert“, so Meßerschmidt. Entlassen wird niemand. Das heißt, der Abbau seit 2006 erfolgt durch Nicht-Wiederbesetzung, wenn der Amtsinhaber ausscheidet.

Der akademische Mittelbau soll verschlankt werden

Um die künftige Entwicklung zu steuern, hat der Senat ein „Personalentwicklungskonzept für den wissenschaftlichen Nachwuchs und das wissenschaftliche Personal“ beschlossen. Ein Kernpunkt ist der sogenannte akademische Mittelbau – die unbefristeten, nicht professoralen Mitarbeiter, die unter anderem für Kontinuität in der Lehre sorgten. Diese Stellen wurden nach der Wende stark abgebaut. Trotzdem: „An der Universität Greifswald ist der Anteil von haushaltsfinanzierten Dauerstellen über die Fakultäten hinweg im bundesweiten Vergleich hoch“, heißt es im Personalentwicklungskonzept.

An der Philosophischen Fakultät liegt der Anteil mit 55 von 77 Stellen am höchsten. Die Fakultät will das ändern. Unbefristete Stellen würden mit der Eintritt der Mitarbeiter in den Ruhestand nicht wieder besetzt. Stattdessen gebe es befristete Stellen. Senatorin Mascha Hansen meinte indes, dass man mit der Abschaffung von Dauerstellen in der Werbung um Studenten nicht punkten könnte. „Kiel und Flensburg werben mit mehr Dauerstellen“, sagte sie. Das verbessere die Planbarkeit.

Eckhard Oberdörfer