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Greifswald Levenhagen: App bietet Wallfahrtsgeschichte für die Westentasche
Vorpommern Greifswald Levenhagen: App bietet Wallfahrtsgeschichte für die Westentasche
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08:20 23.06.2019
Geschichten rund um die Wallfahrtskapelle Levenhagen bietet ein neuer Audioguide. Vikar Friedemann Holmer präsentiert den digitalen Rundgang auf dem Smartphone. Quelle: Anne Ziebarth
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Levenhagen

Die vermutlich kleinste Kapelle Norddeutschlands liegt gut sichtbar an der Ortsdurchfahrt Levenhagen. Jetzt haben Einheimische und Touristen einen Grund mehr, dort einen kleinen Stopp einzulegen – Es muss ja nicht gleich eine Wallfahrt sein. Die protestantische Kirchgemeinde hat am Wochenende einen Audioguide gestartet, mit der sich die Geschichte der kleinen Kapelle und der benachbarten Kirche erleben lässt.

Audioguide bietet 22 Stationen zur Spurensuche

An 22 Stationen können sich Besucher mithilfe eines Smartphones oder Tablets interessante Geschichten über den besonderen Ort anhören, darunter auch Sagen, die sich um die alte Kapelle ranken. Die Ursprünge der Kirche reichen vermutlich bis ins 13. Jahrhundert zurück, die Wegekapelle stammt aus der Zeit um 1400. Zum Wallfahrtsort wurde die Kapelle durch eine überlieferte Marienerscheinung – ein Einwohner Levenhagens fühlte sich nicht würdig zum Abendmahl zu gehen, alles gute Zureden der Nachbarn half nichts – erst die Erscheinung der Mutter Maria konnte den Mann beruhigen. „Auch um den Bau der Kapelle rankt sich eine Sage, darin geht es unter anderem um den Teufel und drei Pferdejungen“, so Vikar Friedemann Holmer, von dem die Idee des digitalen Rundgangs stammt. „Diese Geschichte erfährt man an der nächsten Station des Audioguides, ich will ja nicht alles verraten.“ Nach der Fertigstellung der Kapelle wurden schnell die ersten Wunderheilungen bekannt, insbesondere Blinde und Lahme sollen nach einer Wallfahrt geheilt worden sein. Gläubige hinterließen ihre Weihgaben und Geschenke in einem dafür eingerichteten Fach.

Die Wallfahrtskapelle Levenhagen gilt als die kleinste Wegekapelle Norddeutschlands. Quelle: Anne Ziebarth

Levenhagen blieb Wallfahrtsort trotz Reformation

„Obwohl sich in der Reformation ja explizit gegen solche Praktiken ausgesprochen wurde, sind von der Kapelle bis ins 18. Jahrhundert Einnahmen bekannt“, erzählt der Vikar. Theologisch gesehen betrachtet er das Phänomen Wallfahrt zwar mit Distanz – handelt es sich dabei doch um ein ausgesprochen katholisches Phänomen. „Aber es gehört zu unserer Geschichte“, sagt er. „Ich denke nicht, dass Levenhagen künftig wieder Bedeutung als Wallfahrtsort bekommt. Besonders die Sagen sind aber schon sehr kurios und auch für Gäste interessant.“ Auch eine andere Wirkung wünscht er sich. „Vielleicht ist dieser Audiowalk ja auch eine Möglichkeit für Großeltern und Enkel gemeinsam auf Spurensuche zu gehen“, hofft er. „Und die Jüngeren könnten bei Fragen zur Bedienung des Smartphones auch gleich weiterhelfen.“

Einwohner des Ortes haben die Texte eingesprochen

Das Prinzip des Rundgangs mit digitaler Führung ist leicht zu verstehen, ein bisschen technisches Grundwissen bedarf es allerdings. Mithilfe einer App auf dem Smartphone (Siehe Infokasten) wählt man sich den Levenhäger Rundgang aus und kann an jeder Station mit dem Handy einen optischen Code, den sogenannten QR-Code abscannen. Das Handy präsentiert dann die passenden eingesprochenen Informationen und zusätzliches Bildmaterial. „Die Geschichten und Informationen wurden von Menschen aus Levenhagen eingesprochen, das macht es Besonders“, erklärt der Vikar. „Die Aufnahmen haben wir mithilfe eines Headsets aufgenommen.“ Das Experiment ist gelungen. Während einige Sagen durch die Seebär-gleichen Stimmen älterer Gemeindemitglieder gewinnen, vermittelt die Kinderstimme an der Station des Grabsteines von Beata Christina von Scheven ein Gänsehautgefühl. „Das ist auch die Station, die mich am meisten berührt“, so Friedemann Holmer. „Dort liegt die Tochter eines ehemaligen Pfarrers. Sie wurde nicht mal acht Jahre alt.“

Grabstein erzählt tragisches Schicksal

Die kleine Beata wurde blind geboren, auf dem Grabstein wird auch erwähnt, dass sie weder „gehen noch sprechen“ lernte. Sie starb am 2. März 1792 an „Auszehrung“. „Ausgerechnet die Tochter des Pastors an einer ehemaligen Wallfahrtskapelle, die für die Heilung von Blinden und Lahmen bekannt war, war selbst betroffen“, so Holmer. „Man kann sich vorstellen, was für ein schweres Los das für die Familie war.“ Ironie des Schicksals, harte Prüfung oder späte Strafe für den „Aberglauben“ des Ortes? – Der Fall dürfte jedenfalls für viel Gerede gesorgt haben. Die grundsätzliche Hoffnung des christlichen Glaubens jedenfalls wird eindrucksvoll auf der Rückseite des Grabsteines deutlich. Dort ist - nur bei bestimmten Lichtverhältnissen allerdings - zu entziffern: „Hier im Dunkel, dort im Licht, schau ich Gottes Angesicht.“

Audioguide Kapelle Levenhagen

Die kleine Wallfahrtskapelle in der Otrsmitte von Levenhagen ist durchgehend geöffnet, (Sommermonate), die Kirche ist täglich zwischen 9 und 17 Uhr offen. Um den Rundgang mit dem Smartphone zu erleben, lädt man sich aus dem App Store oder dem Google play Store die kostenfreie App „Digi Walk“ herunter und wählt dort „Erlebnis Wallfahrt Levenhagen“ aus. Dort kann man sich dann entweder ein technisches Erklärvideo ansehen oder direkt mit dem Rundgang starten. Die gesprochenen Inhalte der 22 Stationen lassen sich direkt anwählen, oder durch das scannen eines QR-Codes am jeweiligen Ort aktivieren. In der Kapelle besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich die Audioinhalte anzuhören, auch ohne Smartphone.

Anne Ziebarth

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