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Greifswald Ernst und Anna überwanden religiöse Grenzen
Vorpommern Greifswald Ernst und Anna überwanden religiöse Grenzen
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12:08 04.03.2019
Das Stettiner Schloss auf einem Kupferstich im frühen 17. Jahrhundert. Quelle: Zeichnung: Matthäus Merian
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Pommern

Es war eine kurze Liebe. die Anna von Pommern und Ernst Herzog von Croy und Aerschot, Markgraf zu Havré, Graf zu Fonteney und Bayon, Herr zu Dammertin und Finstingen miteinander leben durften. Aber sie muss groß gewesen sein. Denn die 1590 in Barth geborene jüngste Tochter Herzog Bogislaw XIII. (1544 bis 1606) und ihr aus Lothringen stammender Mann überwanden einen Graben, der in damaliger Zeit außerordentlich groß war: Der 1588 geborene Ernst war katholisch und sie evangelisch. Ihr Eheschließung vor 400 Jahren am August 1619 war die letzte einer Angehörigen aus dem im Land am Meer seit Jahrhunderten herrschenden Greifengeschlechts. Ihr wie allen anderen Brüder kinderlos gebliebene Bruder Bogislaw XIV. starb 1637 als letzter männlicher Vertreter. An die „letzte Hochzeit im pommerschen Herzoghaus“ erinnerte der Vorsitzende der Historischen Kommission für Pommern Haik Thomas Porada in einem Vortrag im Pommerschen Landesmuseum.

Anna und Ernst hatten sich demnach am Witwensitz einer anderen Anna von Pommern (1554 bis 1626) in Grabow kennengelernt. Die Tochter Philipp I. hatte 1588 Ullrich III., Herzog von Mecklenburg, geheiratet, der 1603 gestorben war. Bevor geheiratet werden konnte, zogen die Herren der letzten Greifenherzöge umfangreiche Erkundigungen über Ernst von Croy ein. Die „widerwärtige Religion“ des Bewerbers, also der Katholizismus, spielte eine wichtige Rolle. Die Greifen-Brüder sorgten sich um das Seelenheil ihrer einzigen Schwester. Sie wollten aber, dass ihre Schwester glücklich wird, wie Porada deutlich machte. Dauerhafte Standhaftigkeit, das heißt das Festhalten am Luthertum würde ihr unsterblichen Ruhm bringen. Ernst von Croy musste indes auch ein standesgemäßer Bewerber sein, darum wurde sehr viel Mühe auf die Erstellung von dessen Stammbaum verwandt. Ahn war laut Hochzeitsbewerbung ein ungarischer König.

Ernst Bogislaw von Croy Quelle: HGW

Natürlich wurde groß, das heißt mit mehreren Hundert Gästen, gefeiert. Es war eine teure Angelegenheit. Ernst von Croy verschrieb Anna die Herrschaft Finstingen in Lothringen. Drei Monaten blieb das junge Paar in Pommern, im Oktober 1619 reiste es nach Finstingen. Anna und der schon kurz nach der Geburt im kaiserlichen Feldlager vor Oppenheim am 7. Oktober 1620 verstorbene Ernst bekamen am 26. August 1620 in Finstingen einen Sohn, der den Namen Ernst Bogislaw erhielt. Die Namenswahl betonte die pommersche Herkunft. Entsprechend Punkt 7 des ausgehandelten Ehevertrages mit Annas Brüdern hätte es Mutter und Kind freigestanden, ihre Religion zu wählen. Allerdings muss auch Ernst von Croy der Glaube wichtig gewesen sein. Er bestimmte in seinem Testament die katholische Erziehung seines Sohnes. Seine Mutter blieb standhaft und ging mit ihrem zweijährigen Sohn 1622 in die Heimat zurück und wohnte zunächst in der Stettiner Apotheke. Bogislaw XIV. verlieh ihr Stolp als Witwensitz, im Sommer wohnte sie in Schmolsin. 1631 bekam Anna von Croy Schloss Ludwigsburg. Sie verkaufte dieses Schloss 1650 an den in schwedischen General und Greifswalder Stadtkommandanten Burchard Müller von der Lühne.

Stammbuchblatt (aus dem des Herzogs Philipp II. von Pommern-Stettin) mit einer Wappenallegorie der Herzogin Anna von Pommern-Stettin, spätere Herzogin von Croy-Havré (1590–1660) Quelle: Hans Panzer

1656 musste Anna von Croy im Schwedisch-Polnischen Krieg Stolp verlassen. Sie lebte dann in Rügenwalde, hielt sich aber auch in Stettin und Greifswald auf. Beigesetzt wurde Anna von Croy in Stolp. Dort befindet sich auch die letzte Ruhestätte ihres Sohnes. Ernst Bogislaw von Croy ist in Pommern bis heute nicht zuletzt durch seine Stiftungen wie den Croyteppich, die monumentale Darstellung der Hochzeit Maria von Sachsen mit dem Pommernherzog Philipp I., und den Siegelring seines Onkels Bogislaw XIV. an die Universität Greifswald bekannt. Er hatte die Hochschule selbst besucht. Mit der Rostocker Bürgertochter Dorothea Levien hatte Ernst Bogislaw von Croy einen Sohn. „Als Reichsfürst ohne Territorium war er eine wenig attraktive Partie“, nannte Haik Porada einen Grund, warum Ernst Bogislaw von Croy nie heiratete. Der Vater sorgte sich um den illegitimen Sohn und erreichte, dass dieser von dem neuen Landesherren, dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, 1670 legitimiert wurde. Der Name Ernst von Croyengreiff verbindet väterliche und mütterliche Linie. Die Religion brachte Vater und Sohn auseinander. Nachdem Ernst von Croyengreiff auf einer Italienreise zum katholischen Glauben konvertierte, enterbte ihn Ernst Bogislaw von Croy 1681. Ernst von Croyengreiff starb 1700 als Priester in Rom. Ernst Bogislaw von Croy, in seiner Laufbahn zunächst evangelischer Bischof von Cammin, dann Statthalter des Großen Kurfürsten in Hinterpommern und zuletzt bis zu seinem Tode im Herzogtum Preußen mit Amtssitz im Königsberger Schloss, starb 1684. Der bekennende Protestant wurde wie seine 1660 verstorbene Mutter in der Stolper Schlosskirche beigesetzt.

Eckhard Oberdörfer

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