Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Greifswald Greifswald: Paralympics-Siegerin Lindy Ave bei Rückkehr gefeiert
Vorpommern Greifswald

Lindy Ave nach Gold und Weltrekord bei Paralympics zurück in Greifswald

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 06.09.2021
Lindy Ave zeigt ihre Gold- und ihre Bronzemedaille von den Paralympischen Spielen 2021 im Greifswalder Volksstadion.
Lindy Ave zeigt ihre Gold- und ihre Bronzemedaille von den Paralympischen Spielen 2021 im Greifswalder Volksstadion. Quelle: Christopher Gottschalk
Anzeige
Greifswald

Lindy Ave kommt an diesem Montag nicht ins Volksstadion, um zu trainieren, sondern weil sie die Erfolge ihrer Trainingseinheiten feiert: Die 23-jährige Sprinterin hat in der vergangenen Woche bei den Paralympischen Spielen in Tokio unerwartet die Goldmedaille über 400 Meter geholt, obendrein den Weltrekord mit einer Fabelzeit von genau einer Minute gebrochen und dazu auf der 100-Meter-Distanz Bronze mit nach Hause gebracht.

Feierlicher Empfang in Greifswald

„Mit so vielen Leuten hatte ich gar nicht gerechnet. Das ist schon viel“, sagt Ave über den feierlichen Empfang. Kinder lassen sich von ihr Autogramme geben, auf Trinkflaschen oder, wenn die nicht zur Hand sind, einfach direkt auf den Arm. Ihre Medaillen werden bestaunt.

Lindy Ave jubelt nach dem Regenrennen in Tokio neben der Anzeige über ihren Weltrekord. Quelle: Marcus Brandt/dpa

Mit einem Lächeln nimmt die Paralympics-Siegerin Glückwünsche und Blumensträuße entgegen u. a. von Jürgen Baumann, Vorsitzender der Hochschulsportgemeinschaft Uni Greifswald (HSG), Lars Pickardt, Geschäftsführer des Verbandes für Behinderten- und Rehabilitationssport in MV und Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne).

Verletzung zwang Ave zur Pause

Dass sie mit Gold und Weltrekord nach Greifswald zurückkehrt, damit hatte kaum jemand gerechnet. Die Athletin trainiert bei der HSG-Abteilung „Leichtathletik inklusiv“ und hatte in den vergangenen Jahren Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften errungen, lief bei der WM 2017 in London auf Platz 2 über 200 Meter und gewann Bronze über 100 Meter. 2016 in Brasilien war sie zum ersten Mal bei den Paralympics dabei.

Doch eine Knieverletzung im Jahr 2019 zwang sie zu einer langen Pause. Wäre nicht die Corona-Pandemie dazwischengekommen, wegen der das Turnier um ein Jahr verschoben wurde, hätte Ave nicht teilnehmen können. Erst im Januar 2021 hätten sie und Trainerin Heike Kemmler-Westphal wieder intensiv mit dem Sport begonnen. „Sie ist später im Jahr gut in die Wettkämpfe gekommen und wir haben gesehen, dass sie wieder in Form ist“, sagt Kemmler-Westphal. Doch für die 400 Meter hätten sie kaum trainiert.

Nächstes Ziel: Paralympics 2024

Umso mehr freue sich die Trainerin für ihren Schützling. „Ich bin stolz auf sie. Sie hat sich von der Verletzung und den Rückschlägen nicht unterkriegen lassen“, sagt Kemmler-Westphal.

Ave tritt bei Wettkämpfen in der Klasse T-38 an, in der Sportlerinnen und Sportler mit Beeinträchtigungen der Koordination an den Start gehen. Die gebürtige Neubrandenburgerin hat von Geburt an eine Spastik, die bei ihr zu Dauerkrämpfen in der Muskulatur führen kann. Im Alter von sieben Jahren begann sie dennoch intensiv mit dem Sport. Zunächst begeisterte sie sich für das Schwimmen, ehe sie ihre Vorliebe für die Leichtathletik entdeckte.

Sie absolvierte in den vergangenen Jahren eine Ausbildung in Hauswirtschaftslehre im Berufsbildungswerk Greifswald und trainierte zugleich für ihre Wettkämpfe. Sie könne sich vorstellen, vom Dasein als Läuferin zu leben, doch das sei finanziell schwierig im Para-Bereich, sagt sie. „Ich arbeite aber auch sehr gerne“, sagt Ave. Was sie mit der Medaillenprämie in Höhe von 20 000 Euro anfängt, wisse sie derzeit noch nicht. „Schauen wir mal.“ Fest stünde bereits, dass sie bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris dabei sein will.

Auf dem Arm eines Mädchens ist die Unterschrift von Paralympics-Siegerin Lindy Ave zu sehen. Quelle: Christopher Gottschalk

Ave will in Greifswald bleiben

Wichtig sei es nun, ergänzt ihre Trainerin, einen Job zu finden, der ihr weiterhin das Training und die Teilnahme an Turnieren erlaube. „Ich möchte in Greifswald bleiben“, das stellt Lindy Ave klar.

Ihr Newsletter für Greifswald

Die wichtigsten News und Tipps der Woche aus Greifswald. Immer donnerstags gegen 18 Uhr in Ihrem E-Mailpostfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Bürgermeister Stefan Fassbinder sagte, er empfinde tiefen Respekt und große Hochachtung vor ihrer Leistung: „Sie ist damit nicht nur für das deutsche Team eine wichtige Leistungsträgerin, sondern auch für Greifswald eine außergewöhnliche Botschafterin, die mit sportlichen Erfolgen den guten Ruf Greifswalds als Stadt des Sports in die Welt hinaus getragen hat.“

* In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Lindy Ave Medaillenprämien in Höhe von 30.000 Euro erhält. Tatsächlich sind es 20.000 Euro. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

Von Christopher Gottschalk