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Greifswald Löwenzahn-Kautschuk: Forschung reicht bis in Nazi-Zeit zurück
Vorpommern Greifswald Löwenzahn-Kautschuk: Forschung reicht bis in Nazi-Zeit zurück
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15:37 13.05.2019
Der russische Löwenzahn Quelle: Volker Penne
Anklam

 Der Ersatz von Natur-Importkautschuk aus Asien und Südamerika für die Reifenherstellung ist ein Traum, der eine lange Geschichte hat. Jetzt könnte er wahr werden. Ein Schwergewicht der Branche, die Firma Continental, investiert mit Unterstützung des Landes dafür Millionen in Vorpommern. Es geht um die praktische Umsetzung, denn das Unternehmen, das Fraunhofer-Institut und der Universität Münster forschen seit Jahren daran, aus russischem Löwenzahn Kautschuk zu gewinnen.

Sowjetunion war Vorbild

Heute wird unter anderem mit dem Schutz vor Brandrodung in den Erzeugerländern und der Verhinderung von Monokulturen für die Verwendung von Löwenzahn argumentiert. Die Politiker Nazideutschlands hatten andere Gründe. Sie benötigten dringend Grundstoffe für die Reifenherstellung. Und sie nutzten dabei Erfahrungen der UdSSR. „Dieser Löwenzahn (Taraxum kok-saghys) wurde bereits 1941 auf 67.000 Hektar in der Sowjetunion angebaut, und man gewann ca. 30 Prozent des in der Sowjetunion benötigten Naturkautschuks daraus“, informiert der Botaniker Henry Witt. In der UdSSR wurde nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die SU vorwiegend in der Ukraine weiter dieser Löwenzahn angebaut und die Wurzeln verarbeitet. Susanne Hein hat sich eingehend mit dieser Geschichte befasst. Der Löwenzahnanbau gehört demnach zu den Anstrengungen des NS-Regimes, die eroberten Gebiete für die Rohstoff- und Nahrungsmittelproduktion zu nutzen.

KZ Auschwitz war zentrale Forschungsstätte

Am Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung (heute Max-Planck-Institut) in Müncheberg begannen 1938 Forschungen zum Löwenzahnkautschuk. Das Saatgut kam aus der SU. Die sowjetischen Forschungserfolge galten den Deutschen als vorbildlich. Nach dem Einmarsch in die UdSSR wurden Saatgut und Bücher beschlagnahmt und man versuchte, der Experten habhaft zu werden. Im Raum Müncheberg wurde ebenfalls in größerem Stil Löwenzahn angebaut. Es liefen Versuche zur Züchtung und Verarbeitung. Wie wichtig Nazideutschland diese Forschung war, belegt schon der Fakt, dass SS-Chef Heinrich Himmler 1943 Sonderbeauftragter für Pflanzenkautschuk wurde. Die Wehrmacht litt stark unter Kautschukmangel. In der Folge entwickelte sich eine „kriegsmäßige Zusammenarbeit von Kaiser-Wilhelm-Institut und KZ“, wie Hein schreibt. Die zentrale Forschungsstätte zum Löwenzahnkautschuk wurde durch den SS-Obersturmbannführer Joachim Caesar in Rajsko, das zum KZ Auschwitz gehörte, eingerichtet. Er setzte dort „wissenschaftliche Zwangsarbeiter“, unter anderem Sowjetbürger ein. Sie waren hier vergleichsweise sicher. Laborleiterin war die Französin Claudette Bloch.

Aber letztlich hatte das Vorhaben trotz erheblichen Mitteleinsatzes, trotz Zwang und Sklavenarbeit beim Anbau keinen wirklichen Erfolg in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit. Die sowjetischen Bauern zeigten zudem wenig Neigung für den sehr aufwändigen Anbau des Löwenzahns. In der Marktwirtschaft wären die Preise damals ohnehin nicht konkurrenzfähig gewesen, so Hein.

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