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Greifswald Mit dem Zeitreisemobil in die alte Heimat
Vorpommern Greifswald Mit dem Zeitreisemobil in die alte Heimat
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09:51 06.12.2019
Das Zeitreisemobil macht es möglich: Karl Gerth aus Lubmin besucht seine alte Heimat Lüneburg Quelle: Martina Rathke
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Lubmin

Karl Gerth schaut mit großer Dankbarkeit auf sein Leben. „Der liebe Gott war immer dabei“, sagt der 90-Jährige und schmunzelt. „In allen Lebenslagen.“ Nun begibt sich Karl Gerth, der ein Apartment im altersgerechten Wohnen in der Lubminer Hafenstrafe bewohnt, nochmals auf eine Reise. Und auch diesmal, davon ist er überzeugt, hält Gott die schützende Hand über ihn. Mit dem Zeitreisemobil, für das die OSTSEE-ZEITUNG in der diesjährigen Weihnachtsaktion Spenden sammelt, fährt der rüstige Senior heute nach Lüneburg, in seine alte Heimat.

Der Anlass dieser Fahrt ist traurig. Einer seiner Söhne verstarb Mitte November an Krebs. Doch seine Zuversicht überwiegt diesen traurigen Hintergrund. Karl Gerth will die Gelegenheit nutzen, zwei seiner drei anderen Söhne zu treffen. „Es wird wahrscheinlich meine letzte größere Reise werden“, sagt er. „Ich fahre offen und wissbegierig nach Lüneburg.“

Dieses Gottvertrauen, mit dem er die Fahrt antritt, begleitete den früheren Kaufmann durchs ganze Leben. In Altbewersdorf in Hinterpommern geboren, sollte er den Hof seiner Eltern übernehmen. Der Krieg brachte alle Lebensplanungen durcheinander. Die Familie verlässt den Hof. Das Kriegsende erlebt Gerth dann als 16-Jähriger. „Russische Soldaten haben mich am Bahnhof Kolberg abgefangen.“ Sein Ziel, die Insel Rügen, erreicht er damals nicht.

 1947 verlässt er Polen in Richtung Thüringen, von dort zieht er mit Zwillingsbruder und Onkel weiter nach Lüneburg, wo er als über 20-Jähriger eine Ausbildung zum Kaufmann beginnt und heimisch wird. Gerth macht Karriere, heiratet, bekommt vier Söhne und eine Tochter, macht sich selbstständig.1993 stirbt seine Frau. Auf einem Klassentreffen trifft er nach 47 Jahren Ilse wieder, die in Vorpommern wohnt. „Das war eine Fügung Gottes“, so der 90-Jährige rückblickend. Im Jahr 1995 heiratet der Wessi-Mann die Ossi-Frau. Das Paar erlebt bis zum Tod von Ilse fast 20 glückliche Ehejahre an der Ostseeküste.

Nun möchte der Senior, der dank Ilse in Vorpommern heimisch wurde, noch einmal seine alte Heimat besuchen. „Allein hätte ich mir die Reise nicht mehr zugetraut“, meint er. Im Kopf topfit, seien die Beine inzwischen „etwas wacklig“. Ein Pfleger des DRK-Seniorenhauses begleitet den Mann deshalb auf der Fahrt. Im Zeitreisemobil, das bereits viele andere Vorpommern in ihrer letzten Lebensphase an Sehnsuchtsorte brachte, steht ihm nicht nur ein bequemer Sitzplatz zur Verfügung, sondern auch eine Liegemöglichkeit. „Ich kann mich auch hinlegen, falls ich müde werde.“

Der 90-Jährige blickt auf ein spannendes und erfülltes Leben zurück. „Welch ein großes Geschenk, dieses Alter erreicht zu haben“ sagt er. Die Insel Rügen, die er als 16-Jähriger nicht mehr erreichte, hat Gerth heute jeden Tag im Blick, wenn er aus seinem Fenster schaut. „Ist das nicht wundervoll. Ich bin dankbar über jeden Tag.“

Wenn auch Sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase kennen, die unbedingt noch einmal an einen bestimmten Ort fahren wollen, sich das aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zutrauen oder sich das nicht mehr leisten können, dann melden Sie sich unter greifswald@ostsee-zeitung.de.

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