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Greifswald Kirche in Ludwigsburg bei Greifswald saniert
Vorpommern Greifswald Kirche in Ludwigsburg bei Greifswald saniert
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18:50 19.12.2018
Blick von der Empore in den Altarraum der Ludwigsburger Kapelle Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Ludwigsburg

Die Ludwigsburger Kapelle erstrahlt nach Abschluss der Restaurierung in neuem Glanz. 2014 wurde der erste Bauabschnitt in Angriff genommen. Ohne viele Förderer und auch privates Engagement wäre das nicht möglich gewesen. Als „Kirche der Sinne“ präsentiert sich nunmehr die 1708 als Fachwerkbau neu aufgeführte Schlosskapelle ihren Besuchern. Diese Jahreszahl kann man auf der neuen Wetterfahne lesen, und es gibt noch eine originale, in Stettin gegossene Glocke von 1709 aus der Erbauungszeit. Als Patron war der Gutsbesitzer Johann Jacob Heinrich Müller von der Lühne Bauherr. Ab 1810 besaß die Greifswalder Kaufmannsfamilie Weissenborn Ludwigsburg. Die von dieser 1865/66 veranlassten Veränderungen prägen das Innere. Aus dieser Zeit stammen beispielsweise die Fenster und das Gestühl. Die Kapelle ist seitdem verputzt, ihre Ausmalung entspricht der Fassung von 1936. Die Weissenborns stifteten auch die von dem Stettiner Barnim Grüneberg gebaute Orgel.

Ein Highlight für künftige Besucher werden zwei Gemälde sein. „Sie stammen von Friedrich August von Klinkowström (1778 bis 1835). „Das wurde durch Farbanalysen nachgewiesen“, berichtet der ehrenamtliche Küster Detlef Niemann. Das war vorher nicht klar, wurde nur vermutet. Friedrich August von Klinkowström, Freund von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, gehört zum Dreigestirn der vorpommerschen Maler der Romantik. Er war der Sohn des Ludwigsburger Gutsherrn und wurde in der Kapelle getauft. Nach dem ebenfalls von ihm stammenden Altargemälde in der Greifswalder Marienkirche seien die Bilder die zwei großformatigsten, die von dem Künstler erhalten blieben. Eines ist mit „Für Mutter“ signiert und zeigt eine Dorfansicht Ludwigsburgs. Das andere Bildnis zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Im nächsten Jahr werden die Gemälde wieder in Ludwigsburg zu sehen sein.

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An den bedeutenden Maler erinnert ferner ein Votivschiff, das der frühere Wiecker Pastor Gerhard Dallmann für Ludwigsburg baute. Die Galeasse heißt allerdings nicht Friedrich August, sondern Friedrike Augusta. Als Namen für Schiffe seien nun einmal die von Frauen üblich, kommentiert Niemann. Ludwigsburg ist eben auch ein Schifferort, so wurden von hier Zuckerrüben nach Anklam gebracht.

Detlef Niemann zeigt die zerschossene Turmspitze und das Stück Holz von 1866 Quelle: Eckhard Oberdörfer

Ein Prunkstück wie die Klinkowström-Gemälde ist ebenfalls der reich verzierte und nunmehr ebenfalls restaurierte achtarmige Leuchter mit Ritterfigur, den die Müller von der Lühnes stifteten. An die Errichtung der Kapelle erinnert auch ein Wappen der Familie im Chorraum.

Mit einer Legende hat die jüngere Forschung aufgeräumt. Bisher wurde der 1710 eingeweihte Kanzelaltar dem berühmten Stralsunder Barockbildhauer Elias Keßler (1685 bis 1730) zugeschrieben. Das stimme leider nicht, bedauert Niemann. Ein eindrucksvolles Kunstwerk ist es dennoch. Daneben steht der historische Beichtstuhl.

Der Evangelist Johannes im Chorraum Quelle: Eckhard Oberdörfer

Im Altarraum ist neben dem Altar auch der Evangelist Johannes zu sehen. Es ist allerdings nur ein gut gemachtes Plakat. Dass bei der der Renovierung gefundene Original aus der Bauzeit wurde wieder übertüncht. Vielleicht gar nicht so schlecht, meint Niemann. So muss sich niemand verrenken, um den Evangelisten zu sehen. An der Decke kann noch eine barocke Rankenmalerei bewundert werden.

Das Dach der Kapelle ist wieder mit Biberschwänzen gedeckt worden. Die zuvor verwendeten S-Pfannen stammten übrigens aus einer bundesrepublikanischen Schenkung zu DDR-Zeiten, die für die Greifswalder Marienkirche bestimmt und dort nicht benötigt wurden.

An die Vorgängerkirche erinnern am Eingang der Kirche noch zwei Grabplatten neben dem Eingang. Ein Abendmahlskelch stammt aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und wurde in Norditalien gefertigt, wie Anja Ullmann in ihrer Bachelorarbeit entdeckte. Möglicherweise hat ihn der bedeutendste pommersche Herzog aus dem Greifengeschlecht, Bogislaw X. (1454 bis 1523), von seiner Pilgerreise nach Jerusalem mitgebracht. Schloss Ludwigsburg, wurde für Sophia Hedwig, Frau seines Nachfahren Ernst Ludwig (1545 bis 1592), gebaut, die Kirche war Schlosskapelle. Zunächst hieß der Ort noch Darsim, wurde Ernst Ludwig zu Ehren in Ludwigsburg umbenannt. Vermutlich kam der Kelch dank des Greifengeschlechts nach Ludwigsburg. Für die Herzogswitwe wurde damals auch eine neue Kirche anstelle einer noch älteren gebaut.

Die von Pastor von Gerhard Dallmann gebaute Fiederika Augusta Quelle: Eckhard Oberdörfer

In der Kirche will Detlef Niemann künftig Schätze zeigen, die im Zuge der Bauarbeiten entdeckt wurden. So ein Stück Holz mit der Jahreszahl 1866, das aus der Zeit der neugotischen Umgestaltung stammt. Ferner wurden in altem Bauschutt mehrere Münzen aus den Jahren um 1700 gefunden. Nicht zuletzt erwies sich die Turmkugel als Fundgrube. Sowjetische Soldaten hatten sie 1945 als Zielscheibe benutzt. Die Schüsse haben es Spatzen ermöglicht, in ihr zu nisten. Unter dem Nistmaterial lag eine ebenfalls durch eine Kugel beschädigte Kassette. In ihr lagen zehn Kupfermünzen aus der Zeit des schwedischen Königs Adolf Friedrich (1710 bis 1771).

Eckhard Oberdörfer

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