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Greifswald Machtkampf um Löschner
Vorpommern Greifswald Machtkampf um Löschner
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00:00 03.07.2014
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Greifswald

Nach dem überraschenden Beschluss des Theater- Aufsichtsrates, dem Intendanten Dirk Löschner zu kündigen, zeichnet sich ein offener Machtkampf zwischen den Gesellschaftern der Bühne und den Mitglieder des Aufsichtsrates ab.

Wie aus Gesellschafterkreisen auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG bestätigt wurde, sei die Entscheidung des Aufsichtsrates mit großem Befremden aufgenommen worden. Das letzte Wort über Löschners mögliche Abberufung zum 31. Juli 2015 hat die Gesellschafterversammlung, zu der die Oberbürgermeister der Hansestädte Greifswald und Stralsund, Arthur König und Alexander Badrow, sowie Vorpommern-Rügens Landrat Ralf Drescher (alle CDU) gehören. Das Votum des Aufsichtsrates habe lediglich einen empfehlenden Charakter, räumt ein Mitglied des Gremiums ein. „Es ist aber üblich, dass die Gesellschafter unseren Entscheidungen folgen. Wir sind die Fachleute.“

Sollten Badrow, König und Drescher zu Löschner halten, was dem Vernehmen nach der Fall ist, drohen Mitglieder des Aufsichtsrates mit Konsequenzen. „Dann müssen wir darüber nachdenken, unser Mandat niederzulegen, weil wir überflüssig sind“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Die entscheidende Sitzung der drei Gesellschafter ist am 18. Juli geplant. Sie hätte ursprünglich am Dienstag stattfinden sollen, war aber wegen des überraschenden Abberufungsbeschlusses verschoben worden.

Der Aufsichtsrat des Theaters hatte beschlossen, von einer Ausstiegsklausel aus Löschners Vertrag Gebrauch zu machen. Demnach kann die fünfjährige Amtszeit des Intendanten auf drei Jahre verkürzt werden, falls es große Kritik an seinem künstlerischen Kurs geben sollte. In der entsprechenden Sitzung des Aufsichtsrates ist Verschwiegenheit vereinbart worden, weshalb niemand der Beteiligten seinen Namen in der Zeitung lesen möchte.

Offizielle Gründe, die zu dem Kündigungsbeschluss geführt haben, wurden bislang nicht genannt. Nach Angaben von Mitgliedern des Aufsichtsrates seien zwar die Besucherzahlen weiter zu gering, zugleich sei jetzt zu Beginn der Ostseefestspiele aber nicht der Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen. Die ersten Vorstellungen der Abrafaxe in Greifswald und Stralsund waren schlecht besucht. Auch am Spielplan scheiden sich die Geister. Während einige Mitglieder daran nichts auszusetzen haben, bezeichnen andere Projekte wie den Lohengrin als zu aufwändig für ein Theater von dieser Größe. Damit sei der restliche Spielbetrieb lahmgelegt worden. Die Reaktionen der Zuschauer auf die Oper von Richard Wagner war jedoch zum Großteil sehr positiv.

Die Überraschung über die Entscheidung des Aufsichtsrates ist in Greifswald groß. Christian Wilke, Vorsitzender des Theatervereins Hebebühne, sieht den Schritt kritisch: „Wir brauchen ein festes Fundament, um gegen die Aktion der Landesregierung anzukommen.“

Gemeint sind die Pläne von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), in den kommenden Jahren über 100 Stellen einzusparen und das Theater Vorpommern mit dem in Ostmecklenburg fusionieren zu lassen.

„Die Landesregierung hat ein leichtes Spiel, wenn das Theater auf einmal ohne Intendanten dasteht“, sagt Wilke, der nicht versteht, warum Löschner so plötzlich gehen soll. „Sicherlich hatte er einen schweren Start, wenn man auf die Entlassungen zurückblickt. Aber gerade in den letzten Monaten hatte er einige sehr beachtete Inszenierungen, war also eher im Aufwind“, findet Wilke. „Die wirtschaftliche Situation kann ich nicht beurteilen“, ergänzt der Vereinschef. Er weist darauf hin, dass der Aufsichtsrat ausschließlich für die ökonomische Seite des Theaters zuständig sei.

Ähnlich fassungslos ist auch die Präsidentin der Bürgerschaft, Birgit Socher (Linke): „Ich weiß noch gar nichts. Wir sind vom Aufsichtsrat nicht informiert worden.“ Sie geht davon aus, dass das bald nachgeholt wird. „Es ist ein Stochern im Nebel. Aber es muss ja drastische Gründe gegeben haben“, sagt Socher.

CDU-Fraktionschef Axel Hochschild ist nun gespannt darauf, wie sich die Gesellschafter positionieren: „Wenn sie das auch so sehen, müssen wir das akzeptieren.“



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