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Greifswald Manager steigert Umsatz der Stadthalle
Vorpommern Greifswald Manager steigert Umsatz der Stadthalle
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00:00 17.10.2013
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Greifswald — Kommunalpolitiker hatten es seit Jahren gefordert. Im April trat er endlich seinen Dienst an: der Manager für die Greifswalder Stadthalle. Die Aufgabe von Sven Bioly (37) ist es, den Kaiser- und den Rubenowsaal zu vermarkten und für eine deutlich bessere Auslastung der Einrichtung zu sorgen. Über die Entwicklung, Erfolge und Herausforderungen sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Bioly.

OZ: Sie kümmern sich seit einem halben Jahr um die Vermarktung der Stadthalle. Was hat sich seitdem bewegt?

Sven Bioly: Der Umsatz wächst 2013 im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 50 Prozent. 2012 lag er bei 50 000 Euro, in diesem Jahr werden es mindestens 80 000 Euro sein. Das haben wir unter anderem durch ein verändertes Vermietkonzept erreicht. Die Grundmiete des Kaisersaals habe ich etwas reduziert. Sie lag vorher bei 1600 Euro, jetzt bei 1400 Euro. Dafür sind einige All-Inklusive-Leistungen rausgenommen worden, wie Garderobenpersonal und Beamer. Das sind Dinge, die manche nicht brauchen, aber mit im Paket hatten. In vielen Fällen hat sich die Pauschale für uns negativ ausgewirkt. Das Garderobenpersonal muss jetzt separat angemietet werden, was dazu führt, dass einige sich auch dafür entscheiden, das mit ehrenamtlichen Helfern zu machen.

OZ: Welche weiteren Veränderungen gibt es?

Bioly: Wir arbeiten sehr eng mit der Veranstaltungsfirma AEN und deren Personal zusammen. Dadurch können wir eine höhere Veranstaltungsdichte anbieten. Das Theaterpersonal könnte das nicht im gleichen Umfang leisten, weil es auch am Theater stark gebunden ist. Die Zusammenarbeit mit AEN wirkt sich sehr positiv aus. Was als nächstes folgen soll, sind eine Internetseite und eine Broschüre.

Da warten alle drauf. Das Problem war bisher, dass wir keine validen Zahlen für die Maximalkapazitäten haben. Dafür fehlt das endgültige Brandschutzachten. Ohne das Gutachten können wir keine Bestuhlungspläne erstellen lassen, mit denen ich an die Öffentlichkeit gehen kann. Mit der eigentlichen Vermarktung konnte ich also noch gar nicht so richtig beginnen. Die Internetseite und die Broschüre sind demnach ganz wichtige Projekte, damit wir dann richtig auf Akquisetour gehen können.

OZ: Warum gibt es denn knapp vier Jahre nach der Wiedereröffnung der Stadthalle noch kein Gutachten?

Bioly: Es gibt ein vorläufiges Gutachten und Sondergenehmigungen für Großveranstaltungen. Das endgültige Gutachten ist jetzt erst fertig geworden. Es liegt derzeit bei der Unteren Bauaufsicht. Da warten wir auf die Genehmigung. Spannend ist das zum Beispiel für die Nutzung des Foyers. Das können wir dann künftig zum Beispiel bei begleitenden Ausstellungen quadratmeterweise vermieten.

OZ: Es war im Gespräch, extra Preise für Vereine anzubieten, die unter denen für kommerzielle Anbieter liegen. Ist das weiterhin geplant?

Bioly: Nein. Wir haben das Problem erkannt und sind im Gespräch mit der Stadt. Meiner Überzeugung nach kann ich als Stadthallenmanager nicht darüber befinden, wer zu vergünstigten Preisen rein darf und wer nicht. Wenn es Verluste gibt, muss die Stadt diese tragen. Deshalb sollte sie entscheiden, wem Rabatte gewährt werden und wem nicht. Wenn Vereine sie grundsätzlich bekommen, hat man das Problem, dass vielleicht der eine oder andere kommerzielle Veranstalter auf die Idee kommt, sich als eingetragener Verein einzumieten. Die Grenze muss die Stadt ziehen.

OZ: Selbst bei einer Umsatzsteigerung auf 80 000 Euro fährt die Stadthalle weiterhin ein Minus ein. Sehen Sie eine Möglichkeit, grundsätzlich aus den roten Zahlen herauszukommen?

Bioly: Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, aber sehr sportlich. Eine Stadthalle läuft eigentlich nie im Plus, allein wegen der hohen Bewirtschaftungskosten. In Greifswald sind die Mitarbeiter des Theaters jedoch auch in der Stadthalle tätig. Durch diese Kombination könnte das eventuell mal klappen. Der Druck auf eine Stadthalle, kostengünstig zu vermieten, ist allerdings auch nicht ganz ohne, weil wir viele Mitkonkurrenten haben, insbesondere Kongresshotels. Um große Kongresse trotzdem in die Stadt zu holen, muss man Kompromisse eingehen. Auf der einen Seite soll eine Stadthalle wirtschaftlich laufen, auf der anderen Seite ist sie ein wirtschaftsfördernder Faktor. Da muss man auch sehen, was ein Kongress einer Stadt im Gesamten bringt. Wir hatten einen Kongress mit 350 Staatsrechtlern, die dann in der Mittagspause alle in die Innenstadt marschiert sind, um dort zu essen. Sie haben hier in Hotels gewohnt und am touristischen Rahmenprogramm teilgenommen. Wenn man nur die Mieteinnahmen allein durch die Stadthalle sehen würde, ließe sich sagen, dass sich das jetzt nicht so gerechnet hat über die drei Tage. Aber das Gesamtpaket stimmt.

OZ: Neues Vermietkonzept, höhere Veranstaltungsdichte, Internetseite, Broschüre — Welche Herausforderungen sehen Sie als nächstes?

Bioly: Es ist vielen noch nicht bekannt, dass Greifswald ein echt guter Tagungsstandort ist. Die Tagungen, die bei uns stattfinden, laufen super. Wir kriegen ein sehr positives Feedback. Wir müssen uns besser vermarkten. Daran möchte ich mitarbeiten. Alle tagungsrelevanten Einheiten in der Stadt müssen zusammenarbeiten. Das sind neben der Stadthalle Stiftungen, Bildungszentren, Universität, Hotels, Stadtmarketingverein.

Katharina Degrassi

17.10.2013
17.10.2013
17.10.2013