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Greifswald Mehr Kita-Personal: SPD kann nicht punkten
Vorpommern Greifswald Mehr Kita-Personal: SPD kann nicht punkten
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16:37 06.09.2019
Zahnbürsten und Zahnputzbecher mit den Vornamen der Kinder stehen in einer Kindertagesstätte auf einem Tisch. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Vorpommern-Greifswald

Das Ansinnen ist aller Ehren wert, doch die Umsetzung fraglich: Die SPD in Vorpommern-Greifswald will den Personalschlüssel in Kitas erhöhen, um die Betreuung der Kinder zu verbessern und gleichzeitig die Erzieher zu entlasten. Dieser Schlüssel beinhaltet im Gegensatz zum Betreuungsschlüssel auch Urlaubs- sowie Fehltage wegen Krankheit oder Fortbildung der Mitarbeiter. Doch ein entsprechender Beschlussvorschlag, der dem Kreistag am kommenden Montag zur Entscheidung vorliegt, ist praktisch schon vor der Sitzung durchgefallen. Sowohl der Jugendhilfeausschuss als auch der Finanzausschuss des Parlaments erteilten der Vorlage eine deutliche Absage. Das Papier erhielt in beiden Gremien jeweils nur eine Ja-Stimme – nämlich die der SPD.

Für Vizefraktionschef Erik von Malottki, Initiator der Vorlage, ein schwerer Schlag in die Magengrube. Trotzdem gibt er nicht auf, will noch Klinken putzen und hofft auf Zustimmung auch anderer Fraktionen. „Denn hierbei handelt es sich um ein Thema, das den Eltern seit Langem auf der Seele brennt. Auch Linke und Grüne haben sich in der Vergangenheit dafür stark gemacht“, erinnert er.

Finanzielle Folgen des neuen Kifög noch unklar

Das Vorhaben an sich sei durchaus unterstützungswürdig, versichert Jugendhilfeausschussvorsitzende Yvonne Görs (Linke). „Nur der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig“, sagt sie. Gerade erst am Mittwoch habe sich der Landtag von MV mit der Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes (Kifög) befasst und für die komplette Befreiung der Eltern von Kita-Kosten ausgesprochen. Zu den Ausschusssitzungen im August sei das noch offen gewesen. „Damit ist jetzt völlig unklar, wie viel Geld die Landkreise tatsächlich für die Kinderbetreuung vom Land erhalten. Das müssen wir erst einmal abwarten, bevor wir die entsprechende Satzung ändern können“, argumentiert sie.

Ziel der SPD ist es, den Personalschlüssel in den Kitas des Landkreises dem Niveau von Vorpommern-Rügen anzupassen. Gerechnet wird dieser Schlüssel in sogenannten Vollbeschäftigteneinheiten( VbE). Aktuell sind für sechs Krippenkinder (0-6 Jahre) 1,1 VbE vorgesehen, laut Beschlussvorschlag sollen es 1,25 VbE werden. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt der Schlüssel derzeit bei 1,5 VbE für 18 Kinder. Das SPD-Ziel heißt 1,5 VbE für 15 Kinder. „Das reicht eigentlich immer noch nicht aus, ist aber besser als das, was wir jetzt haben. Denn unser Personalschlüssel ist neben dem in Schwerin und Rostock der landesweit schlechteste, was sich negativ auf die Qualität der pädagogischen Arbeit und die Arbeitsbedingungen der Erzieher auswirkt“, kritisiert Erik von Malottki und bezieht sich dabei unter anderem auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion an die Landesregierung. Demnach würden in Vorpommern-Rügen mehr Urlaubs- und Krankheitstage in die Berechnung einfließen als in Vorpommern-Greifswald.

Drei Millionen Euro Mehrkosten

Seine Sachdarstellung in der Beschlussvorlage findet Sascha Ott, neuer Finanzausschussvorsitzender im Kreistag, dennoch nicht nachvollziehbar. „Es gibt auch andere Zahlen“, sagt er, bezieht sich auf Aussagen der Kreisverwaltung und sieht das Problem ähnlich wie Yvonne Görs. Erst einmal sollten die Auswirkungen des novellierten Kifög abgewartet werden, so Ott. „Die Qualität der Kinderbetreuung im Landkreis zu sichern, ist auch unser Anliegen. Doch natürlich müssen wir ebenso die Finanzierung gewährleisten“, verteidigt er die ablehnende Haltung seines Gremiums. Mehrkosten von rund drei Millionen Euro pro Jahr – so steht es in der Beschlussvorlage – seien momentan nicht darstellbar, selbst wenn das Land einen Teil davon leiste.

Für Kreissozialdezernent Dirk Scheer (parteilos) ist die Forderung nach einem besseren Personal- und somit Betreuungsschlüssel „insbesondere im Krippenbereich von 1,1, auf 1,25 VbE durchaus nachvollziehbar und pädagogisch sinnvoll. Die finanziellen Auswirkungen werden aber in der Kreistagsvorlage schlichtweg negiert“, kritisiert er. Bei einer Standardverbesserung im Krippenbereich kämen nach jetzigem Kenntnisstand pro Jahr 1,36 Millionen Euro zusätzlicher Kosten auf den Kreis zu.

Schon seit Jahren fordern Eltern in MV, den Betreuungsschlüssel in Kitas zu verbessern. Noch immer läuft eine Onlinepetition, einst gestartet vom Vater Eric Wallis. Er appelliert an die Landesregierung, den Betreuungschlüssel für Kinder von drei bis sechs Jahren auf 1:8 (derzeit betreut eine Fachkraft 15 Kinder) und für Kinder bis drei Jahre auf 1:4 (derzeit 1:6) zu erhöhen. 8425 Personen haben dieses Anliegen bislang unterstützt. Darüber hinaus haben auch Kita-Fachberaterinnen, darunter die Greifswalderin Diana Hadrath, eine Onlinepetition gestartet, um eine Verbesserung der Situation zu erzielen.

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Von Petra Hase

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