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Greifswald „Mein Ziel ist die Umweltinsel Usedom“
Vorpommern Greifswald „Mein Ziel ist die Umweltinsel Usedom“
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05:26 17.05.2018
Kai Uwe Ottenbreit (parteilos) aus Wolgast kandidiert am 27. Mai für die Landratswahl im Kreis Vorpommern-Greifswald. Quelle: Meerkatz Cornelia
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Greifswald

„Ich will ein Landrat für die Bürger sein. Ich werde zu ihnen fahren, mir die Sorgen anhören, auch die Lösungsvorschläge und diese dann in die Verwaltung einbringen.“ Das sagt Kai Uwe Ottenbreit, parteiloser Landratskandidat aus Wolgast. Die OZ traf sich mit ihm zum Interview.

OZ: Herr Ottenbreit, wann haben Sie entschieden, für die Wahl zum Landrat in Vorpommern-Greifswald zu kandidieren?

Kai Uwe Ottenbreit: Erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Ich hatte auf meiner Facebook-Seite auf die Wahl hingewiesen und Bürger aufgerufen zu kandidieren. Sozusagen als Protest. Es meldete sich niemand, da habe ich mich selbst beworben.

OZ: Sie machen im Vergleich zu einigen Ihrer Konkurrenten viel weniger Wahlkampf. Es gibt von Ihnen nicht überall Plakate, auch Flyer fehlen. Rechnen Sie sich dennoch eine Chance auf den Wahlsieg aus?

Ottenbreit: Das tue ich sehr wohl, sonst hätte ich das nicht auf mich nehmen müssen. Ich will die Bürger durch Nähe, Zuhören und Gespräche überzeugen. Ich klebe im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten Plakate. Da ich tatsächlich ein parteiloser Kandidat bin und von keiner Partei, ob finanziell, mit Kontakten oder sonstwie unterstützt werde, muss ich alles aus eigener Tasche bezahlen. Auch Spenden stehen mir nicht zur Verfügung. Deshalb habe ich auf Flyer verzichtet. Dafür ist über meine Auftritte regelmäßig auf der Schmusedom-News-Seite zu lesen. Dort bekomme ich viel Rücklauf und von Bürgern, mit denen ich seit drei Jahren an der B 111 kämpfe.

OZ: Stichwort BI – Sie engagieren sich seit 2015 für die Bürgerinitiative für den Erhalt aller Stationen des Krankenhauses in Wolgast, nehmen regelmäßig an Mahnwachen teil bzw. melden diese selbst an. Was hat Sie zu diesem Kampf bewogen?

Ottenbreit: Ich habe sehr enge Bindungen zum Krankenhaus, bin dort geboren, meine Mutter hat da gelernt. Ich habe selbst fünf Kinder und weiß, wie wichtig die medizinische Versorgung der kleine Patienten ist. Ich war anfangs nur wütend, dass die Unimedizin einfach so die Kinder- und die geburtshilfliche Station schließen wollte. Im November 2015 stellte die BI die Mahnwachen ein. Da war für mich der Entschluss gefasst, dass der Kampf weitergehen muss. Demos und Mahnwachen erschienen mir gute Möglichkeiten, mich mit anderen dagegen zu wehren und zu zeigen, dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen.

OZ: Mittlerweile gibt es die Kinderportalklinik in Wolgast, die wegen der anhaltenden Proteste eingerichtet wurde. Ihre Mahnwachen gehen aber weiter. Macht das Sinn?

Ottenbreit: Selbstverständlich. Wir wollen, dass das Krankenhaus wieder alle Bereiche in der medizinischen Versorgung abdeckt und Patienten wieder als Patienten behandelt werden. Deshalb wird es weiterhin die Mahnwachen geben, wobei zu erkennen ist, dass auch in unseren Reihen einige wenige müde geworden sind. Die Vorsitzende der BI, Anke Kieser, war auch schon seit Monaten nicht mehr dabei. Ich jedenfalls engagiere mich weiter.

OZ: Wenn Sie Landrat sind, können Sie als Landesbediensteter keine Demos und Mahnwachen mehr anmelden ...

Ottenbreit: Ich kann aber weiterhin teilnehmen bzw. mich mit den Teilnehmern solidarisch erklären und mit ihnen sprechen. Mein Ziel ist es, dass ich weiter jeden Montag vertreten bin. Sollte das wegen wichtiger Termine nicht gehen, kann man ja die Mahnwachen auf den Samstag und Sonntag verlegen.

OZ: Leser Martin Lange fragt, wie Sie als Landrat die Verkehrsprobleme auf Usedom lösen wollen?

Ottenbreit: Ich möchte das Projekt „Umweltinsel Usedom“ ins Leben rufen. Zwei Jahre nach meinem Amtsantritt soll ab Wolgast und der Stadt Usedom ein Fahrverbot für Touristen auf der Insel gelten, ähnlich wie in Norderney. Dort müssten große Parkflächen bzw. Parkhäuser entstehen. Es verkehren Shuttlebusse vieler Anbieter, die umweltbewusst betrieben werden. Die UBB fährt in schnelleren Takten und die Wiederherstellung der alten Zugverbindung von Berlin über Anklam und die Stadt Usedom muss auf den Plan. Ich würde es auch gern sehen, wenn es wie einst mit den Kleinbahnen wieder Zugverbindungen bis ins Hinterland gäbe. Die Einheimischen und ihre Verwandten ihren Grades bekommen eine Vignette, die zum Benutzen ihrer Fahrzeuge berechtigt. Höchstgeschwindigkeit auf der Insel wird 80km/h sein, in Ortschaften 30 km/h. Ich plädiere für viele Blitzer, das diszipliniert. Außerdem sollten mit der Nachbarwojewodschaft auf polnischer Seite Verträge geschlossen werden, damit Verstöße polnischer Verkehrsteilnehmer schnell geahndet werden können. Da ich sehr gut Polnisch spreche, kann das sehr von Vorteil sein.

OZ: Matze Dittrich fragt, was Sie für Kinder und soziale Einrichtungen tun?

Ottenbreit: Ich möchte die präventive Außenarbeit in den Kommunen durch Streetworker für Kinder/Jugendliche, Langzeitarbeitslose und Obdachlose verbessern. Mein Ziel ist auch der Erhalt der regionalen Strukturen in Sport und Kultur. Ich würde mich auch einsetzen, dass Kindergeld und Unterhalt bei Hartz IV anrechnungsfrei bleibt, dass es einen zinslosen Bildungskredit von 25 000 Euro für Studenten gibt, der erlassen wird, wenn der Student mindestens fünf Jahre im Landkreis nachhaltig arbeitet.

OZ: Chr. Peters interessiert, wie Sie das Gesundheitswesen, die Krankenhäuser und die Digitalisierung fördern?

Ottenbreit: Die Touristen müssen in der Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung auftauchen, damit mehr Stellen für niedergelassene Haus- und Fachärzte im gesamten Kreis geschaffen werden. Der Kreis muss wieder die Regie über das Krankenhaus Wolgast übernehmen. Und alle anderen medizinischen Einrichtungen im ländlichen Raum bleiben erhalten. Das erfordert viele Gespräche. Was die Digitalisierung anbelangt, da möchte ich Behördengänge viel stärker über das Internet ermöglichen. Und Kommunen sollen motiviert werden, Aufgaben des Landkreises zu übernehmen, beispielsweise die Kfz-An- und Abmeldung.

OZ: Wie sieht es mit der „Überbauung“ auf Usedom aus – streben Sie die Einführung gesetzliche Grenzen an, möchte Lilith Jun wissen?

Ottenbreit: Ich bin für einen zeitlichen Baustopp bei den Hotels auf Usedom, der auch mit Polen verhandelt werden sollte. In dieser Zeit sollen Urlaubsorte im Hinterland gestärkt werden mit Ferienressorts. Zugleich muss subventionierter sozialer Wohnraum in Gemeindeeigentum geschaffen werden, weil sich solche Maßnahme nach wenigen Jahren für die Kommune rentiert.

OZ: Ihr Ziel ist die Internationalisierung der Wirtschaft im Landkreis. Wie stellen Sie sich das vor?

Ottenbreit: Das muss über die Wirtschaftsförderung gelingen. Wenn beispielsweise bekannt wird, dass hier immer mehr Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen unterwegs und die Urlauber dem Umweltgedanken ebenfalls Rechnung tragen, könnte das ein Anreiz auch für andere Länder – China oder Indien – sein, wo es sehr viele Menschen und Fahrzeuge gibt. Wir könnten damit in Vorpommern-Greifswald eine Modellregion werden.

OZ: Sie waren als junger Mann bei der Marine, interessieren sich noch dafür. Wie sehen Sie die Produktion der Patrouillenboote auf der Peene-Werft?

Ottenbreit: Der Werftstandort Wolgast muss erhalten bleiben. Es geht um regionale Arbeitsplätze. Ansonsten plädiere ich dafür, Marineschiffe nicht in kriegführende Länder zu liefern.

OZ: Als Landrat sind Sie Chef einer 1100 Mitarbeiter zählenden Verwaltung. Welches Potenzial sehen Sie da?

Ottenbreit: Ich würde die ersten Monate als eine Art Praktikum ansehen, wo ich alle Mitarbeiter persönlich kennenlernen möchte. Ich fange unten an, die Dezernenten werden mich zum Schluss kennenlernen. Da ich die Verwaltung durch Bürgerbüros und Bürgerbusse dezentralisieren möchte, gibt es genügend Möglichkeiten, dass Mitarbeiter mit langen Anfahrtswegen direkt in ihren Heimatorten arbeiten. Durch Kooperation mit den Städten und Gemeinden lassen sich geeignete Büroräume finden. Die Archive des Landkreises werden digitalisiert und Papiere und Akten recycelt.

OZ: Wenn es nach dem 27. Mai eine Stichwahl geben sollte und Sie nicht dabei sind, werden Sie Ihren Wählern eine Empfehlung geben?

Ottenbreit: Das werde ich tun. Derzeit habe ich drei Favoriten, mit denen ich gern zusammenarbeiten möchte: Das sind Michael Sack von der CDU, Monique Wölk von der SPD und Ulrike Berger von den Grünen. Wir haben viele Gemeinsamkeiten in den Aussagen für die Zukunft unseres Landkreises.

Cornelia Meerkatz

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