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Greifswald Mieterhöhung: Jetzt zweite Welle bei Wohnungsgenossenschaft Greifswald
Vorpommern Greifswald Mieterhöhung: Jetzt zweite Welle bei Wohnungsgenossenschaft Greifswald
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14:14 11.07.2019
Die Betriebshandwerker Steffen Wallis (li.) und Marcel Grothmann, hier bei einer Badrenovierung, fühlen sich wohl in der WGG. Das Arbeitsklima sei sehr gut. Quelle: Petra Hase
Greifswald

Die große Rebellion blieb aus: Obwohl die Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald (WGG) Anfang des Jahres für 3800 Wohnungen eine Mieterhöhung ankündigte, gab es weder Proteste noch Widersprüche. „Wir haben auf den ersten Schwung Briefe nahezu 100 Prozent Zustimmung erhalten“, sagt der Kaufmännische Vorstand Klaas Schäfer. Lediglich zwei der 1600 im Januar verschickten Schreiben seien noch nicht wie erforderlich schriftlich beantwortet. Er gehe aber davon aus, dass dies in Kürze geschehe. Die Mieterhöhung von fünf Prozent – das sind Beträge zwischen vier und maximal 20 Euro pro Monat – trat für die Briefeempfänger im April in Kraft.

„Im Monat Juli geht nun der zweite Schwung an Briefen raus. Die Erhöhung wird zum 1. Oktober wirksam“, sagt Klaas Schäfer. Das betreffe weitere 2200 Wohnungen. Auch hier sei wieder eine schriftliche Zustimmung nötig. Wegen des großen Umfangs habe sich die Genossenschaft entschieden, in zwei Etappen vorzugehen.

Sanierungsstau in Altbauten

Vorstandsvorsitzender Jan Schneidewind ist froh, dass die Mieterhöhung bei den über 8500 Genossenschaftsmitgliedern nicht zu hitzigen Debatten führte. Der lange Beteiligungsprozess innerhalb der WGG trage somit Früchte. Die Vertreterversammlung, ein Gremium aus 92 Mitgliedern, sei bereits im Februar 2018 erstmals über die Pläne unterrichtet worden. „Wir haben einen sehr offenen Dialog geführt und die Gründe dargelegt“, sagt Schäfer. Selbst die jüngste Beratung der Vertreter im Juni dieses Jahres sei von einer „sehr guten Stimmung“ geprägt gewesen.

„Ohne diese Anpassung der Grundnutzungsgebühr, die erste seit 1990 übrigens, würden wir Gefahr laufen, unsere Wohnungsbestände herunterzuwirtschaften“, stellt Schneidewind klar und spricht offen von einem Instandhaltungsrückstau. Viele Fassaden seien in die Jahre gekommen. Treppenhäuser, Hauseingänge und Keller müssten saniert werden. Zwar habe die WGG auch in der Vergangenheit in Neubauprojekte und in den Bestand investiert. „Allein 2018 waren das 13,7 Millionen Euro“, sagt Jörn Roth, Technischer Vorstand. Doch in diesem Maße seien solche Summen vor dem Hintergrund immens steigender Baukosten mit den bisherigen Einnahmen nicht mehr zu erreichen. Das habe letztlich auch die Vertreter überzeugt. Sie mahnten an, die Sanierung alter Häuser nicht zu vernachlässigen.

600000 Euro zusätzliche Mieteinnahmen

Die Mieterhöhung, die 2020 zu 600000 Euro Mehreinnahmen führe, sei dabei nicht das erste Mittel zum Zweck gewesen. „Zuerst haben wir intern geschaut, an welchen Stellen wir Einsparungen vornehmen können“, sagt Schäfer. Ein Konzept sei erstellt und schrittweise umgesetzt worden. „So haben wir Landesförderdarlehen proaktiv umgeschuldet und Zinsvorteile generiert“, nennt er ein Beispiel. Mit Vertragsfirmen seien zudem Einheitspreisabkommen für Instandhaltungen über zwei Jahre unterzeichnet worden. „Bislang galten die Verträge nur ein Jahr. Jetzt haben wir längerfristig Kostensicherheit“, erläutert Roth. Auch im Unternehmen selbst seien Prozesse optimiert worden, etwa durch verstärkte Digitalisierung. Teures Papier sei aus vielen Arbeitsbereichen verbannt. „Eine Wohnungsabnahme läuft von Anfang bis Ende nur noch übers iPad“, so Schneidewind. Nicht zuletzt seien die 17 Betriebshandwerker ein Garant im Unternehmen. Sie erledigten viele Arbeiten gut und schnell, „die Resonanz unserer Mitglieder ist durchweg positiv“, so Schäfer.

Land fördert zwei Neubauten

Mit diesen neuen Ansätzen schaut der dreiköpfige Vorstand guter Hoffnung in die Zukunft. Über elf Millionen Euro sollen 2019 in Neubau und Sanierung fließen, davon acht Millionen Euro in die Instandsetzung. Parallel dazu würden nächste Vorhaben geplant. Gerade erst besuchte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) die WGG, um gute Nachricht zu überbringen: Die Genossenschaft profitiert als erstes Wohnungsunternehmen in MV von der neuen Förderrichtlinie des Landes, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Konkret geht es um zwei neue Häuser an der Krullstraße.

Jan Schneidewind, Vorstandsvorsitzender der WGG, mit Teamleiterin Aline Raether und Minister Christian Pegel bei der Übergabe der Fördermittelzusage (v.r.). Quelle: WGG

Völlig offen indes ist noch, ob die WGG an die Stadt Greifswald Städtebaufördermittel zurückzahlen muss (die OZ berichtete). Der laufende Rechtsstreit ist eine Folge des Skandals um den ehemaligen treuhänderischen Sanierungsträger Baubecon. „Wir stehen im konstruktiven Dialog mit der Stadt und hoffen, das Thema noch 2019 abschließen zu können“, sagt Schneidewind. Um finanziell kein Risiko einzugehen, seien Rückstellungen gebildet worden. Aufgrund dessen falle der Jahresüberschuss 2018 mit nur 357000 Euro weitaus geringer aus als die geplanten 2,4 Millionen Euro. Dennoch wurde entschieden, dass an die Mitglieder wieder eine Dividende in Höhe von zwei Prozent ausgeschüttet werde – in Summe 216000 Euro.

Neubau an der Krullstraße

Zwei neue Häuser mit jeweils 28 Wohnungen will die WGG mit Hilfe der neuen Landesförderung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum an der Karl-Krull-Straße errichten. An den Gesamtkosten von 8,4 Millionen Euro beteiligt sich das Land mit ca. 2,2 Millionen Euro. Die Wohnungen sind ausschließlich Menschen mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten, wobei die Einkommensgrenzen in der neuen Förderrichtlinie jetzt so gefasst worden seien, dass 80 Prozent der Bevölkerung von den günstigen Mieten im öffentlich geförderten Wohnungsbau profitieren können. Die Wohnungen vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss seien mietpreis- sowie belegungsgebunden und würden zwischen 6,60 und 7,40 Euro/m² Kaltmiete kosten. Geplanter Baustart: Frühjahr 2020, Fertigstellung in zwei Etappen bis 2022.

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Petra Hase

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