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Greifswald Millimeterarbeit: Hier bekommt die Zecheriner Brücke neue Zylinderanlagen
Vorpommern Greifswald Millimeterarbeit: Hier bekommt die Zecheriner Brücke neue Zylinderanlagen
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19:16 04.11.2019
Gimo Woitczak übernimmt an der Zecheriner Brücke die Bauaufsicht. Er schaut, ob alles läuft. Seit Sonntagnacht war er im Einsatz. Quelle: Hannes Ewert
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Zecherin

An der Zecheriner Brücke ist in diesen Tagen Millimeterarbeit gefragt. Am Montagmorgen wurde im Morgengrauen der erste von zwei neuen Hubzylindern für das fast 90 Jahre alte Bauwerk eingebaut. Am Mittag folgte der zweite. Einer wiegt jeweils 4,5 Tonnen und beide sorgen in den kommenden 20 Jahren dafür, dass die 200 Tonnen schwere Klappbrücke nach oben gezogen wird.

Die Autofahrer werden in den drei Tagen auf eine harte Geduldsprobe gestellt, denn sie müssen einen Umweg über Wolgast nehmen. Am ersten Tag der Sperrung hat sich die Meldung allerdings noch nicht zu allen rumgesprochen: Immer wieder fuhren einige Autofahrer trotz mehrfacher Hinweise bis zum Ende der B 110 durch und drehten vor der Zecheriner Brücke wieder um.

Nach 20 Jahren werden die Zylinder gewechselt

Einer, der seit den Nachtstunden von Sonntag zu Montag vor Ort war, ist Gimo Woitczak. Der Ingenieur ist für die Bauaufsicht zuständig. „Pünktlich um Mitternacht haben wir die Brücke gesperrt, anschließend kam gleich der Tieflader mit den neuen Segmenten. Am Morgen kam der Kran und seit 7 Uhr wurde montiert. Zunächst musste allerdings die Abdeckplatte demontiert werden, damit die Experten an die Brückenteile gelangen“, erklärt er.

Die alten Zylinder –die seit 1999 im Betrieb sind– werden nach Lohr am Main gefahren, um sie überprüfen zu lassen. „Dort werden die Zylinder auseinandergenommen und begutachtet. Der bessere von beiden wird aufbereitet zurück nach Anklam gefahren. Im Falle einer Havarie dient er als Ersatzzylinder“, erklärt er.

Jeder Millimeter muss stimmen

Für die Arbeiter beginnt am Dienstag der wichtigste Teil der Arbeit. „Nun kommt Öl in die Zylinder und sie werden mit der Brücke verkabelt. Es gibt ganz viele Probeläufe. Sie müssen parallel arbeiten, da muss jeder Millimeter stimmen“, erklärt er. Sollte es kleine Ungenauigkeiten geben, kann sich die Brücke verziehen und es könnte zu einem Schaden kommen.

Monatelang bereiteten Woitczak und seine Kollegen die Arbeiten an der Brücke vor. „Eine Herausforderung war unter anderem die Beförderung der Schüler zur Schule. Es besteht in Deutschland eine Schulpflicht. Heißt also, dass der Schülerverkehr abgesichert werden muss“, erklärt er.

Die Behörde hat versucht, die Arbeiten über bewegliche Ferientage oder anderweitig zu verlegen, aber es blieb nur diese Möglichkeit. Dies betrifft nicht nur die Schüler an den allgemeinbildenden Schulen, sondern auch die Schüler mit Handicap in Zirchow. Deshalb wurde zwischen Kamp und Karnin ein Schiffs-Shuttle-Verkehr eingerichtet. Wie der Schiffsführer am Mittag berichtete, nutzen hauptsächlich Schüler in den Morgenstunden die Möglichkeit, auf die andere Seite des Peenestroms zu gelangen. Urlauber verirrten sich kaum bei dem verregneten Tag nach Karnin.

Neben dem Einsatz der neuen Zylinder nutzen die Fachleute die autofreie Zeit, um die Schutzplanken auf der Festlandseite zu erneuern. „Wir sind auch mit Tauchern im Einsatz, um die Brücke unter Wasser zu überprüfen. Unter Wasser werden mit einem Hochdruckreiniger die Brückenpfeiler gesäubert. Dann schauen wir, ob es Risse oder Ähnliches gibt“, erklärt Brücken-Ingenieurin Annemarie Schaak vom Straßenverkehrsamt. „An einem Tag werden sie mit dem Hochdruckreiniger arbeiten, dann beruhigt sich das Wasser und anschließend schauen wir in Ruhe nach“, erklärt sie.

Weniger Pendler als erwartet nutzen Shuttle

Über die Annahme des Pendelverkehrs mit dem Schiff sind die Experten vom Straßenverkehrsamt Neustrelitz ein wenig enttäuscht. „Bislang sind es nur die Schüler, die morgens hin und mittags nach Hause zurückgefahren werden. Es besteht die Möglichkeit, dass die Busse von Karnin weiter nach Usedom fahren. Auf der anderen Seite fahren sie nach Anklam“, erklärt Annemarie Schaak. Auch für Berufspendler bietet sich der Schiffsverkehr an.

Bei der nächsten Sperrung dieser Art möchte das Straßenbauamt die Öffentlichkeitsarbeit auf polnischer Seite noch weiter ausbauen. „Wir haben heute gesehen, dass noch sehr viele polnische Autofahrer nicht von der Sperrung wussten“, sagt Woitczak. Auch die Straßenbeschilderung soll in diesem Fall bilingual erfolgen.

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Von Hannes Ewert

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