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Greifswald Wie schnell purzeln die Pfunde? Greifswalder sucht Tester für Intervallfasten
Vorpommern Greifswald

Mit Intervallfasten und Training Pfunde verlieren

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13:39 21.01.2020
Ernährungswissenschaftler Benny Schur (links) und Sebastian Piper, der mit einem gezielten Trainingsprogramm bislang 13 Kilogramm verloren hat. Quelle: Petra Hase
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Greifswald

Schauspieler Armin Rohde hat es im vorigen Jahr für sich entdeckt. Sängerin Jennifer Lopez schon weit davor. Und auch Multitalent Eckart von Hirschhausen schwört drauf: Das Intervallfasten, so scheint’s, löst als neuer Ernährungstrend alle möglichen Diäten ab. Acht Stunden schlemmen und danach 16 Stunden darben – so einfach geht das Abnehmen! Oder doch nicht?

„Viele Menschen, die ihr Gewicht reduzieren wollen, gehen das Intervallfasten falsch an. Sie beschränken sich am Tag auf zwei Mahlzeiten oder essen extrem wenig, so dass es zu Mangelerscheinungen kommt“, weiß der Greifswalder Sportwissenschaftler Christian Welzel aus Erfahrung. Dabei besitze diese Ernährungsform – richtig angewandt – enorm viel Potenzial. „Sie kurbelt nämlich im Gegensatz zu einer klassischen Diät den Fettstoffwechsel gezielt an“, erklärt er.

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Ausgewogene Ernährung und Bewegung

Der Körper lerne, in der Zeit ohne Nahrungsaufnahme die Energiespeicher zu nutzen. Das tue er aber nur, wenn die Esspause lang genug ist. Futtere der Mensch jedoch in kurzen Abständen in sich hinein, „werden Ressourcen nicht angetastet. Dafür sind die Fettzellen viel zu bequem“, verdeutlicht der Leiter des Instituts für Trainings- und Gesundheitskonzepte.

Vier Jahre schon praktiziert Welzel selbst eine Form des Intervallfastens. Und zwar nicht, weil er zu viel Fett auf den Hüften hat – davon kann bei dem sportlichen Typ keine Rede sein – sondern weil er sich damit einfach fit und wohl fühlt. Allerdings ist für den 48-Jährigen das bewusste Essen nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Bewegung. Und da ist sie wieder, die Binsenweisheit: Gesunde Lebensweise geht mit ausgewogener Ernährung und sportlicher Betätigung einher. Das Einfache, das für viele so schwer zu machen ist.

80 Personen für Studie gesucht

Deshalb will Christian Welzel jetzt in einer Studie von Januar bis März herausfinden, wie sich das Intervallfasten in Kombination mit einem Trainingsprogramm auf die Lebensqualität und Gesundheit der Teilnehmer auswirkt. 80 Frauen und Männer im Alter von 25 bis 65 Jahren werden gesucht, die Lust zum Mitmachen haben und nebenbei zum Gelingen des Forschungsvorhabens beitragen. Vor Beginn des achtwöchigen Trainings erhalten alle eine umfangreiche Vitalanalyse. Dazu gehöre unter anderem, den persönlichen Fettstoffwechselpuls zu bestimmen.

Der promovierte Sportwissenschaftler freut sich, den Greifswalder Allgemeinmediziner Jens Thonack für eine Zusammenarbeit an diesem Projekt gewonnen zu haben. Dessen Praxis setzt sich als Schwerpunktthema die Prävention. Und die wird immer wichtiger. „Der mit unserer Lebensweise verbundene Bewegungsmangel und unregelmäßiges Essen führen bei vielen Menschen auf Dauer zu einer unerwünschten Erhöhung des Körpergewichts“, sagt Welzel.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Davon kann Sebastian Piper ein Lied singen. Gut 114 Kilogramm brachte der 28-Jährige Ende September 2019 auf die Waage. „Einfach zu viel. Es hat mich belastet, ich fühlte mich nicht mehr wohl“, offenbart der Bürokaufmann. Zwar habe er das eine oder andere Mal versucht, sein Gewicht zu reduzieren. Aber der berühmt-berüchtigte Jo-Jo-Effekt führte nur zu noch mehr Gewicht. Im Oktober startete der Verwaltungsmitarbeiter deshalb ein Ernährungs- und Trainingsprogramm im Sportclub Greifswald, der mit dem Institut für Trainings- und Gesundheitskonzepte eng kooperiert.

Zwölf Wochen lang wurde er intensiv gecoacht, trainierte chipkartenbasiert. Heißt: Auf der Basis der individuellen Körperwerte wird an Geräten die optimale Belastung erreicht. Zudem habe er seine Ernährung komplett umgestellt. Weizenbrötchen zum Frühstück? „Das gibt es nicht mehr. Ich esse jetzt Vollkornprodukte, reduzierte drastisch den Zuckerkonsum“, verrät Sebastian Piper und berichtet vom Erfolg: „Zu Weihnachten wog ich nur noch 101 Kilo.“ Doch die Pfunde sollen weiter purzeln, deshalb setzt er sein Training eigenständig fort.

Ein Kilogramm pro Woche weniger geht in Ordnung

„Ein Kilo in einer Woche – mehr sollte man auch nicht abnehmen, alles andere wäre ungesund“, warnt Welzel vor allzu großem Ehrgeiz. Deshalb lautet sein Prinzip des Intervallfastens, nach dem auch die Studienteilnehmer agieren sollen: 14:10. „Innerhalb von zehn Stunden sollten Frühstück, Mittag und Abendbrot erfolgen, das müsste auch für Berufstätige machbar sein.“ Dazwischen seien Esspausen einzulegen, um dem Fettstoffwechsel eine Chance zu geben.

Wie das erfolgreich praktiziert werden kann, weiß Ernährungswissenschaftler Benny Schur ganz genau. Denn er hat es am eigenen Leib erfahren: „Als ich 17 und noch ein ganzes Stück kleiner war, wog ich 111 Kilo“, verrät der gebürtige Brandenburger, der in Saarbrücken studierte. Viele Abnehmversuche seien gescheitert. „Low carb, low fat … ich habe etliche Diäten ausprobiert“, erzählt der 28-Jährige. Doch erst mit dem Intervallfasten und gezieltem Training habe er dauerhaft sein Gewicht reduziert, bringe heute bei einer Körpergröße von 1,91 Meter 90 Kilo auf die Waage.

Seit zwei Jahren gehört Schur zu Welzels Team, berät individuell rund um die Ernährung und weiß um die positiven Nebeneffekte des Intervallfastens. Richtig umgesetzt, führe es nicht nur zum Wunschgewicht, sondern zu jener Wohlfühlfitness, um die es im eigentlichen Sinne geht.

Mehr Infos/Anmeldung ab 20. Januar: Tel. 038 34 / 77 131 33

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Von Petra Hase

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