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Greifswald Mit Stadtführer Hempel in die Wolgaster Unterwelt abgetaucht
Vorpommern Greifswald Mit Stadtführer Hempel in die Wolgaster Unterwelt abgetaucht
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00:00 24.08.2015
Sie führten die Gäste je dreimal durch die Stadt: Dr. Anne Börnert, Wolfgang Hempel und Karin Braun (v.l.).
Sie führten die Gäste je dreimal durch die Stadt: Dr. Anne Börnert, Wolfgang Hempel und Karin Braun (v.l.). Quelle: Fotos: Angelika Gutsche
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Wolgast

Dreimal führte Wolfgang Hempel (81) bei der Langen Nacht der Denkmäler und Museen am Samstag Wolgaster und ihre Gäste durch die Keller der Stadt. Während Karin Braun andere auf einen romantischen Stadtspaziergang begleitete und Dr. Anne Börrnert historische Bauwerke vorstellte, stiegen mit dem 81-Jährigen zeitweise knapp 100 Gäste in Keller unter der Altstadt.

Hempel selbst war vor rund 15 Jahren durch den früheren Vorsitzenden des Kulturvereins, Karl-Heinz Sellnau, auf die ersten Keller aufmerksam geworden. Mit jeder weiteren Entdeckung fesselte ihn Wolgasts Unterwelt mehr. Vor allem, weil deren Grenzen wegen des Großbrandes 1713 und des folgenden Neuaufbaus mit den Straßenbegradigungen an vielen Stellen von dem abweichen, was oberhalb der Erde zu sehen ist.

Schon der Einstieg in den Keller unterhalb des einstigen Gartenhauses der Runges hinter dem technischen Rathaus der Stadt in der Burgstraße war eine Überraschung. „Die seltenen Kreuzbögen lassen die Vermutung zu, dass sie früher mehr als ein Gartenhaus trugen, vielleicht sogar eine kleine Kirche“, mutmaßte Hempel, der auf dem Weg entlang der Stadtmauer beiläufig über die geschäftstüchtigen Wolgaster plauderte, die die Mauer absenkten und deren Steine zum Bauen verkauften.

Beim Durchgang des Hauses in der Burgstraße 7 entdeckten die Gäste dann, dass einige Wolgaster Altstadthäuser sogar zwei Keller besitzen. Das Haus ist wie gemacht für die Gaststätte „Wallensteinkeller“. Auf dem Weg zum Rathaus schilderte Hempel, der früher weitere historische Stadtführungen anbot, geschichtliche Ereignisse und zeigte die beiden nach der Wende freigelegten Brunnen. Nach dem Abstieg in das Doppelgewölbe unter dem Rathaus erfuhren die Gäste, dass Rathäuser früher nicht nur zum Regieren dienten. „Regieren war nicht der erste Zweck. Die Keller dienten als Lager für Waren, die hier gehandelt wurden“, erzählte Hempel.

Durch verschiedene Eigentumswechsel hat sich die Tour in den vergangenen Jahren immer wieder geändert. Einige Keller sind inzwischen für die Öffentlichkeit unzugänglich, andere können wieder neu entdeckt werden. Und so freute sich der Stadtführer, dass das frühere Lerch‘sche Haus gegenüber dem Rathaus wieder besichtigt werden kann.

So verwinkelt wie dessen vierseitigen Aufbau erlebten die Besucher die Kellergewölbe. In dessen größtem Raum steht an einer Mauer die Zahl 1746, während in der allerletzten Ecke noch Regale mit eingewecktem Obst aus DDR-Zeiten stehen. Nicht weniger skurril ist die Kanonenkugel, die wohl ein Spassvogel oberhalb eines Fensters im Innenhof eingemauert hatte.

Hier entließ Hempel seine Gäste, nicht ohne ihnen noch mindestens die Besichtigung des Kellers unter dem Museum Kaffeemühle zu empfehlen und die Einheimischen unter ihnen zu ermuntern: „Wir Wolgaster sollten unsere Stadt lieben.“

Wir sind sehr froh, dass sich die tradionsreiche Horn-
werft präsentiert.“Gisela Krtschmer, Kulturamtsleiterin



Angelika Gutsche

24.08.2015
24.08.2015