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Greifswald Mit guten Manieren zur Jugendweihe
Vorpommern Greifswald Mit guten Manieren zur Jugendweihe
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18:08 15.03.2019
Mika Budzinski im fiktiven Bewerbungsgespräch mit Trainerin Oana Riemer. Der 14-Jährige würde später gerne einmal Polizist oder Fußballer werden. Quelle: Pauline Rabe
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Greifswald

Gesenkter Blick statt freundlichem Hallo: Seit zehn Jahren gibt Oana Riemer „Anti-Blamier-Kurse“ für Heranwachsende. Noch nie, erzählt sie, habe sie erlebt, dass einer ihrer Schützlinge sie von alleine grüßt. „Das liegt aber nicht an ihrer Erziehung“, erklärt die Trainerin für Umgangsformen. Die meisten wüssten, dass Begrüßungen zum höflichen Miteinander dazugehören. Stattdessen sei es Unsicherheit, die sie diese vergessen lässt. Um das zu ändern, gibt Riemer den Jugendlichen Verhaltenstipps – und wappnet sie so für ihre bevorstehende Jugendweihe und den Eintritt ins Erwachsenenleben.

Der Benimm-Kurs ist eine der beliebtesten Veranstaltungen, die der Kinder- und Ferienverein Greifswald in Vorbereitung auf das Übergangsritual anbietet. „Ebenso begehrt sind die Fahrten ins ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (Brandenburg) oder die Teilnahme an Verhandlungen im Amtsgericht Greifswald“, verrät Geschäftsführer Marian Kummerow. Insgesamt 20 Aktivitäten und Seminare umfasst sein Programm der „Jugendstunden“, aus dem sich die Heranwachsenden etwas aussuchen können. Im Schnitt besuche jeder drei.

Marian Kummerow (42) versucht stets ein abwechslungsreiches Programm für die Jugendlichen aufzustellen. Quelle: Pauline Rabe

Die hohe Nachfrage sei darauf zurückzuführen, dass der Verein stets versuche, ein zeitgerechtes Programm aufzustellen. Dabei würden immer drei Themenfelder abgedeckt: Selbstfindung, die berufliche Frühorientierung und Spaß. Letzteres hatten auch die Teilnehmer des „Anti-Blamier-Kurses“, auch wenn dieser zunächst verhalten begann. „Was glaubt ihr, was euch heute erwartet?“, lautete die erste Frage von Riemer an die schüchterne Runde. Kurzes Zögern. „Dass wir lernen, wie man sich beim Essen benimmt“, fragt schließlich eine der Teilnehmerinnen. Das würden die meisten denken, entgegnet die Trainerin. Doch darum gehe es nicht.

Vorbereitung auf Praktika

Vielmehr gehe es darum, die Schüler auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. „Ich nehme euch das nicht übel, wenn ihr mich nicht grüßt – auch wenn ein Hallo höflich gewesen wäre“, erklärt Riemer den Jugendlichen. Ein potenzieller Arbeitgeber für ein Praktikum aber möglicherweise schon. Und die stünden bei den 13- und 14-Jährigen schließlich kurz bevor. „Wenn ihr souverän wirken möchtet, solltet ihr zunächst versuchen euch innerlich zu beruhigen, statt euch zu viele Gedanken darüber zu machen, was ihr eigentlich sagen wollt.“ Einen geraden Satz aussprechen zu können sei keinesfalls verkehrt, der erste Eindruck aber entscheide sich vorrangig durch das Auftreten.

Wie dieses sein sollte, erarbeitet Riemer immer gemeinsam mit den Jugendlichen. Dabei fragt sie nicht nur nach bisherigen Erfahrungen. Die Schüler müssen auch aktiv werden, sich gegenseitig beobachten und fiktive Bewerbungsgespräche mit Riemer führen. Anschließend beurteilt die Gruppe, was gut lief und was nicht. Mika zum Beispiel hätte sich nach Ansicht seiner Gleichaltrigen besser ausdrücken können. Der 14-Jährige demonstrierte, wie er sich bei der Polizei bewerben würde. „Gut, dass einmal geübt zu haben. Ich glaube, ich kann nun besser mit solchen Situationen umgehen“, sagt er nach dem Kurs. Ein weiterer Schritt in Richtung der Erwachsenenwelt.

Jugendweihen weiter beliebt

Insgesamt 390 Jugendliche haben sich für die im April und Mai stattfindenden Jugendweihen angemeldet – eine ähnlich hohe Zahl wie im vergangenen Jahr, als 404 junge Frauen und Männer aus Greifswald und Umgebung in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen worden sind. „Es freut mich sehr, dass hier keine Ermüdungserscheinungen zu spüren sind und viele Familien das alte Ritual beibehalten“, sagt Marian Kummerow. Die Vorbereitung auf die Feste übernimmt neben dem Kinder- und Ferienverein noch der Verein Jugendweihe Mecklenburg-Vorpommern, der ein ebenso abwechslungsreiches Angebot für das Umland bietet.

Pauline Rabe