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Greifswald Tod eines Flüchtlings: Unfall, Absicht oder Notwehr?
Vorpommern Greifswald Tod eines Flüchtlings: Unfall, Absicht oder Notwehr?
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18:40 14.03.2019
Das Stück "Der weiße Raum" in einer inszenierung von Reinhard Göber feiert am 16.März in Greifswald Premiere Quelle: Vincent Leifert
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Greifswald

Eine Journalistin steht Heiligabend auf einem Umsteigebahnhof in der Nähe von Dresden. Sie wird von einem Flüchtling bedrängt und schreit um Hilfe. Ein Gleiswärter, hört die Schreie und rennt zu ihr. Er überwältigt den Angreifer – und tötet ihn. So beginnt die Geschichte des Stücks „Weißer Raum“, das am Sonnabend im Theater Vorpommern Premiere feiert. Der Tod des Flüchtlings, es ist der Anfang der zentralen Frage der Figuren. Tötete der Gleiswärter Uli den Nordafrikaner vorsätzlich? Die Journalistin Marie, gespielt von Maria Steurich, hegt Zweifel an Ulis Hilfsbereitschaft. „Sie recherchiert und findet heraus, dass Ulis Sohn Patrick einem rechtsradikalen Netzwerk angehört und wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt“, erklärt Dramaturg Oliver Lisewski. Auch Uli selbst, gespielt von Mario Gremlich, ist kein unbescholtener Bürger. In seinem vorherigen Job als Pförtner an einer Universität, schlug er einem ausländischen Studenten ins Gesicht und wurde entlassen.

Unfall, Notwehr oder Absicht: Um die Antwort auf die Frage, warum der Flüchtling sterben musste, wird es im Stück weit weniger gehen als man vermutet. Vielmehr, erklärt Regisseur Reinhard Göber, gehe es um Wahrnehmungsgerechtigkeit, aber auch um die Instrumentalisierung des Geschehenen. „Der Gleiswärter Uli denkt, er habe die Frau gerettet. Die Journalistin Marie hingegen, dass sie in der Lage gewesen wäre, den Angreifer zu verscheuchen. Alle kämpfen um die eigene Wahrnehmung.“ Dass diese erfundene Geschichte durchaus so an diesem Bahnsteig hätte passieren können, zeigt die Biografie des Autors Lars Werner. Aufgewachsen in der Nähe von Dresden in einer Kleinstadt teilte er das Klassenzimmer mit Rechtsradikalen. Er selbst war in der linken Szene aktiv. „Während die Rechten an einem Abend das Jugendzentrum überfallen haben, saßen sie am nächsten Tag wieder zusammen in einem Raum“, erklärt der Dramaturg Oliver Lisewski. Dennoch habe es der Autor mit seinem Text geschafft, weit weniger zu werten und die Figuren fast unkommentiert in die Handlung zu setzen, was dem Text einen fast verstörenden Realismus verleiht, fügt er an.

Doch wie fühlt es sich als Schauspieler an, einen Totschläger zu spielen, bei dem rechtsradikale Ansichten vermutet werden? Der Schauspieler, Mario Gremlich, habe sich lange damit auseinandergesetzt, was in der Nacht stattgefunden haben könnte. „Die Frage ist, wie dieser Mensch mit der Tat umgeht, die im Stück nicht wirklich vorkommt.“ Das Stück „Weißer Raum“ gliedert sich in das aktuelle Spielzeitmotto des Theater Vorpommerns ein: „Früher war alles besser.“ Der Text von Lars Werner wurde mit dem Kleist-Förderpreis 2018 ausgezeichnet und in Recklinghausen bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt.

Premiere: 16. März, 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Tickets auf www.theater-vorpommern.de oder an der Theaterkasse, Robert-Blum-Straße, Telefon: 03 8 34/ 57 22 224

Christin Lachmann

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