Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Motorradgottesdienst in Greifswald: Halleluja, die Biker sind da!
Vorpommern Greifswald Motorradgottesdienst in Greifswald: Halleluja, die Biker sind da!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:02 13.08.2019
Detlef und Birgit Engel und Norbert Überla sind aus Rostock zum Biker-Gottesdienst gekommen. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Was für ein Auftritt: Rund 700 Biker werfen ihre Maschinen an und rollen nacheinander mit großer Geste vom Marktplatz. Chrom blitzt, das tiefe Blubbern manch großer Chopper ist zu hören, Lederkleidung ist gesetzt. Harte Kerle, toughe Mädels? Ja - auch. Am Sonntag allerdings zeigten sich die Biker, die aus ganz Deutschland nach Greifswald gekommen sind, auch von ihrer nachdenklichen und sensiblen Seite. Biker-Pastor Ulf Stiller hatte nämlich nicht nur zur Ausfahrt, sondern auch zum Gottesdienst geladen. „Na ja, eigentlich sind wir ja Heiden“, sagt Detlef Engel und fährt sich grinsend über den kleinen Thorhammer, der in seinem Bart eingeflochten ist. „Aber wer so viele Unfälle erlebt hat wie ich, immer nur knapp dem Tod von der Schippe gesprungen ist, glaubt schon an so etwas wie Schutzengel.“ Seine Frau Birgit – selbst Motorradfahrerin aus Leidenschaft – bestätigt das. „Einen gewissen Segen braucht man als Motorradfahrer.“ Andere hingegen können mit dem kirchlichen Part des Biker-Treffens wenig anfangen. „Wir kommen wegen des Treffens und der Benzingespräche“, sagt Raik Schröder aus Demmin. „Man kann schauen, was man so fährt’, und sich austauschen. Der Gottesdienst stört mich nicht, aber ich habe persönlich keinen Bezug dazu.“

Leben und Tod liegen bei Bikern oft nah beieinander

Biker-Pastor Uwe Stiller auf seiner BMW 1200 RT Quelle: Anne Ziebarth

Viele der Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer stehen dann auch etwas unbeholfen während des Gottesdienstes herum – regelmäßig zur Kirche geht hier kaum jemand. Doch während der Schweigeminute für Verunglückte und noch stärker beim abschließenden Segen wird es merklich still auf dem Marktplatz. Irgendeine spezielle Verbindung ist doch da zwischen Bikern und Kirche! Pastor Uwe Stiller erklärt sich das mit einem besonderen Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens. „Motorradfahrer wissen, dass sie gefährlich leben“, sagt er. „Das Unfallrisiko ist nun einmal deutlich höher. Dementsprechend setzen sich viele Biker mit dem Thema Leben und Tod auseinander, bitten um Schutz und Segen.“ Außerdem sei es natürlich auch eine gewisse Gruppendynamik, die von solchen Treffen ausgeht. „Man trifft sich wieder, quatscht und genießt das gemeinsame Hobby“, so der 58-Jährige , der das Amt des Biker-Pastors ehrenamtlich ausübt, aber die Unterstützung der Landeskirche genießt. „Es sind ja alles auch Menschen unter der harten Schale, die sich mit Problemen des Lebens auseinandersetzen und das Gespräch suchen.“

Zuhören statt richten

Aufgewachsen ist Uwe Stiller in Hasselfelde im Harz als Sohn eines Pastors. Nach einer Kfz-Lehre und der Ausbildung am Theologischen Seminar in Falkenberg (Brandenburg) begann sich herauszukristallisieren, dass sich Motorradfahren und kirchliche Arbeit keineswegs ausschließen. „In der Anfangszeit bin ich auf viele Treffen gegangen“, erinnert er sich. „Ich kam dann in Kontakt mit der Szene, nicht nur zu Ausfahrtgruppen, sondern auch zu Motorradclubs ganz unterschiedlicher Natur.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass auch diese Menschen reden möchten und Rat suchen. Über Ehekrisen, Alltagsstress, aber auch Alkoholprobleme. „Ich höre zu“, sagt er. „Und ich bin kein Gericht. Ich verurteile niemanden, auch wenn er vielleicht kriminell geworden ist. Aber das ist auch Thema in den Gesprächen.“ Richtig los ging es dann beim Greifswalder Biker-Gottesdienst im Jahr 2012. Die Gründung der gemeinsamen Nordkirche war für den charismatischen Pastor genau der richtige Zeitpunkt. Er nutzte die Chance, den damaligen Landesbischof Gerhard Ulrich nach der Möglichkeit von Motorradgottesdiensten zu fragen. An die Antwort erinnert er sich genau „Bruder Stiller, legen sie los!“, habe Gerhard Ulrich gesagt.

Freundschaft „made in Greifswald

Check! Vor einem Jahr haben sich die Freunde Nico Schaefer und Alexander Pohl in Greifswald kennengelernt. Quelle: Anne Ziebarth

Eine besondere Geschichte verbindet Nico Schaefer und Alexander Pohl mit dem Greifswalder Motorradgottesdienst. „Wir haben uns im vergangenen Jahr hier kennengelernt“, sagt der 32-jährige Nico aus Pasewalk. „Seitdem sind wir eng befreundet und unternehmen total viel zusammen. Heute feiern wir Jubiläum unserer Freundschaft.“ Mit dem Glauben sei das so eine Sache, meint Nico. Auch er geht nicht in die Kirche, fühlt sich aber mit irgendetwas verbunden. „Ich fahre unfallfrei und bin schon dankbar, dass mir bisher nichts passiert ist“, sagt er. „Einen Schutzengel, wie auch immer der aussieht, hat wohl jeder Biker.“ Auf dem Rücken trägt er eine Spiderman-Figur. „Ich mag es, wenn Motorradfahrer von den Menschen positiv wahrgenommen werden“, erzählt er. „Wenn zum Beispiel ein Kind auf die Figur zeigt und ruft, da sei ja Spiderman, freue ich mich.“

Baujahr 1958 ist nicht vom alten Eisen

Norbert Paschkowski auf seiner Awo Simson 425 Quelle: Anne Ziebarth

Grund zur Freude hatte auch Norbert Paschkowski aus Greifswald. Seine weinrote „Awo Simson 425 Sport“ zog viele Blicke auf sich. „Sie ist genauso alt wie ich“, verkündet er stolz. „Beide Baujahr 1958. Ich habe sie mir zum Geburtstag gegönnt. Damals war sie aber noch ein kleiner Schrotthaufen.“ Rund ein halbes Jahr Aufbauarbeit – jeden Tag nach der Arbeit – sei nötig gewesen, um das gute Stück wieder fahrtüchtig zu machen. „Läuft ausgezeichnet“, sagt Paschkowski. „Ohne Pannen. Nicht so wie diese modernen Dinger.“ Auch ein Nachfolgeobjekt zum Herumschrauben hat er sich schon ausgesucht, allerdings sei seine bessere Hälfte noch etwas skeptisch, wie er sagt. „Ein alter Ifa F9 soll es sein.“

Große Bildergalerie:

Rund 700 Motorradfahrer aus dem ganzen Land sind am Sonntag nach Greifswald gekommen

Von Anne Ziebarth

Greifswald Partnerschaft lädt zum Mitmachen ein - Klönen in Greifswald zum Thema Demokratie

Die Partnerschaft für Demokratie in der Hansestadt will mit Bürgern wieder ins Gespräch kommen – über das Leben in der Greifswald über gestern, heute und morgen. Einladen dazu kann jeder vom 1. bis 22. September zu einem „Demokratisch“ bei sich zu Hause, im Vereinshaus, in Parks oder an einem anderen Lieblingsort.

13.08.2019

Angela Merkel hat zusammen mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag der rund 17,5 Millionen Euro teuren Bau in Greifswald mit übergeben.

13.08.2019

Am kommenden Wochenende geht auf der Koitenhäger Landstraße nichts mehr. Wegen Betonarbeiten im Zusammenhang mit der Instandsetzung der Rad- und Gehwegunterführung muss die Trasse von Freitag bis Montag voll gesperrt werden.

13.08.2019