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Greifswald Neueröffnung nach Brand: Kunden stürmen Rewe-Markt in Greifswald:
Vorpommern Greifswald Neueröffnung nach Brand: Kunden stürmen Rewe-Markt in Greifswald:
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11:21 21.11.2019
Für die Kunden gab es kurz vor 16 Uhr am Mittwoch nach der Eröffnung kein Halten mehr. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Vor anderthalb Jahren flossen bei Petra Götz dicke Tränen der Verzweiflung und Trauer, jetzt zur Wiedereröffnung des Rewe-Marktes im Greifswalder Stadtteil Schönwalde I waren es Tränen der Freude: „Das ist der Hammer...“. Noch bevor die Kauffrau am Mittwochnachmittag so richtig mit ihrer Dankesrede starten konnte, versagte ihr die Stimme. „Ich bin einfach zu nahe am Wasser gebaut.“

Nicht nur bei der 60-jährigen Unternehmerin schlugen die Emotionen hoch. „Ein ganzer Stadtteil hat auf die Eröffnung des Marktes gewartet“, schwärmte Peter Multhauf, der als Mitglied der Ortsteilvertretung zur Eröffnung gekommen war.

„Wir haben den Einkaufsmarkt sehr vermisst“

Nach dem verheerenden Großfeuer im Juni 2018, als der Markt durch Brandstiftung komplett zerstört wurde, mussten die Einwohner in Schönwalde I und der Südstadt auf die nahegelegene Einkaufsmöglichkeit verzichten. Besonders heikel wurde es nochmals in den vergangenen zwei Monaten, als der angrenzende Penny-Markt wegen des Umbaus geschlossen werden musste.

„Wir haben den Einkaufsmarkt sehr vermisst“, sagte Gabriele Peters (67). Vor allem für ältere Bewohner war der Einkauf problematisch. „Ich bin dann entweder zu Fuß oder mit dem Bus zum Schönwalde-Center zum Einkaufen gefahren. Das hat immer sehr viel Zeit in Anspruch genommen und war anstrengend“, berichtete die 82-jährige Sigrid Dittmer, die auf einen Rollator angewiesen ist.

Riesige Menschentraube vor dem Markt

Bereits vor der offiziellen Eröffnung bemerkten einige umliegende Händler, dass das Areal wieder stärker belebt ist. Anja Chavorski arbeitet in einem kleinen Laden für Nacht- und Unterwäsche im Möwencenter. Die Stammkunden hielten dem Laden die Treue. „Aber es gab Tage, da war hier gar nichts los. Auch draußen vor dem Center war alles ruhig.“ Durch die Wiedereröffnung der Supermärkte hofft Chavorski wieder mehr auf Laufkundschaft.

Während im Markt noch die offiziellen Reden gehalten wurden, bildete sich vor dem Eingang eine riesige Menschentraube. Und noch einmal standen der Betreiberin Petra Götz die Tränen in den Augen, als Hunderte Kunden an ihr vorbei zu den Regalen strömten. Rund sieben Millionen Euro investierte die Rewe-Group in den Neu- und Umbau von Rewe und Penny sowie den Parkplatz.

Bildergalerie: Eindrücke von der Eröffnung

Knapp 18 Monate nach dem Brand des Supermarktes öffnete dieser am Mittwoch seine Türen. Hunderte Greifswalder sind gekommen und konnten die Eröffnung kaum abwarten.

Der neue Markt verfügt mit etwa 1700 Quadratmetern über eine rund 500 Quadratmeter größere Verkaufsfläche. „Wir haben Wert auf Nachhaltigkeit gelegt“, sagte Steffen Rutz, der als Gebietsmanager Vertrieb bei Rewe beschäftigt ist. Durch LED-Systeme würden allein bei der Beleuchtung rund 50 Prozent der Energiekosten gespart.

Verzicht auf Plastikeinkaufskörbe

Verkäuferin Angelika Lange war nach dem Brand des Supermarktes zunächst besorgt. Seit 22 Jahren arbeitet sie bei Petra Götz. „Wäre ich entlassen worden, hätte ich keine andere Stelle gefunden. Nicht mit 63 Jahren.“ Doch die Sorge war unbegründet, Götz kündigte keinem ihrer Angestellten. Mit 48 Mitarbeitern – und damit zehn mehr als bislang – startete die Kauffrau nun in die Wiedereröffnung.

Als Konsequenz aus dem Großbrand verzichtet Rewe künftig auf Plastikeinkaufskörbe und setzt nun auf Metallkörbe. Der Unterstand für die Einkaufskörbe befindet sich auch nicht mehr direkt am Gebäude. „Ich denke mal, das wurde vorbeugend gemacht“, sagt Petra Götz. Wie ein Brandgutachten ergab, hatte das Feuer nach einer Kokelei mit Papier schnell auf die Einkaufskörbe und die Hauswand übergegriffen. Nur wenige Minuten später stand der Markt in Flammen.

„Brandstiftung sollte nicht ohne Konsequenzen bleiben“

Die juristische Aufarbeitung des Falls ist noch nicht abgeschlossen. Ein 15-Jähriger ist wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung angeklagt. Der bereits im September anberaumte Prozessauftakt im Amtsgericht wurde verschoben. Derzeit werde im Auftrag des Gerichtes ein psychologisches Gutachten erstellt, wie Gerichtssprecher Andreas Hennig sagte. „ Das Gutachten soll klären, ob der Jugendliche nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen.“

Petra Götz wünscht sich, dass der Täter juristisch zur Verantwortung gezogen wird. „Die Brandstiftung sollte nicht ohne Konsequenzen bleiben“, so die Unternehmerin. Die Rentnerin Sigrid Dittmer plädiert dafür, Milde walten zu lassen. „Wäre das mein Sohn gewesen, ich wäre daran kaputt gegangen. Ich bin für eine niedrige Strafe, da es keine Absicht war.“

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Von Martina Rathke/Christin Lachmann

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