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Greifswald Nach Flüchtlingskatastrophe: „Sea Watch“ unterwegs ins Mittelmeer
Vorpommern Greifswald Nach Flüchtlingskatastrophe: „Sea Watch“ unterwegs ins Mittelmeer
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06:13 21.04.2015
Kurs Mittelmeer: Die „Sea Watch“ auf der Süderelbe in Hamburg.
Kurs Mittelmeer: Die „Sea Watch“ auf der Süderelbe in Hamburg. Quelle: Bodo Marks
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Greifswald

Der für eine Flüchtlings-Hilfsaktion umgebaute Fischkutter «Sea Watch» hat Hamburg verlassen. Unterstützt werden die Aktivisten von dem Greifswalder Steuermann Tilman Holsten. Die «Sea Watch» wird zunächst nach Helgoland fahren und von dort über die Niederlande Richtung Malta, wie ein Sprecher der Initiative sagte. Mit dem Schiff will eine private Initiative Hilfe im Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer leisten. Die Gruppe finanziert sich nach eigenen Angaben ausschließlich durch eigenes Geld und Spenden. Die Initiative kritisierte nach den jüngsten Bootsunfällen mit Hunderten von toten Flüchtlingen im Mittelmeer die Flüchtlingspolitik der EU. Die „Sea Watch“ soll im Mittelmeer kreuzen und Bootsflüchtlinge in Seenot der Küstenwache melden.

In der Nacht zum Sonntag hatte sich eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer ereignet - offenbar mit Hunderten Toten. Ein voll besetztes Fischerboot war vor der libyschen Küste gekentert, wie die Küstenwache mitteilte. Nach Angaben eines Überlebenden sollen 950 Menschen an Bord gewesen sein.

Die Außen- und Innenminister der EU-Staaten kommen deshalb heute zu einem Krisentreffen zusammen. Die Gespräche sollten am Montag um 15.00 Uhr in Luxemburg beginnen, teilte eine EU-Sprecherin mit. Dort war ohnehin ein reguläres Treffen der EU-Außenminister geplant. Über einen möglichen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zur Flüchtlingskatastrophe gab es nach Angaben aus Brüssel zunächst keine Entscheidung. Ein solches Treffen war am Sonntag von Italiens Regierungschef Matteo Renzi gefordert worden.

In der ARD-Sendung „Günther Jauch“ haben Gäste und Publikum spontan der im Mittelmeer gestorbenen Flüchtlinge gedacht. Harald Höppner, Initiator der privaten Initiative „Sea Watch“, hatte die Aktion in der Live-Sendung am Sonntagabend angeregt. Höppner ging dazu zu Moderator Jauch, Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und weiteren Gästen aufs Podium.

Menschenrechts- und Hilfsorganisationenverlangen nach der jüngsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer von der EU, solche Tragödien zu verhindern. Die Hauptforderung von Organisationen wie Human Rights Watch (HRW), dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) oder der Internationalen Organisation für Migration (IOM) lautet: Die EU soll die 2014 von Italien eingestellte Such- und Rettungsoperation Mare Nostrum als gemeinschaftliche Aktion erneut starten.

„Die EU steht mit verschränkten Armen da, während vor ihren Küsten Hunderte sterben“, kritisiert die stellvertretende Europa-Direktorin von HRW, Judith Sunderland. Die Frontex-Mission Triton, mit der Mare Nostrum abgelöst wurde, habe „viel weniger Schiffe, nur ein Drittel des Budgets und ein kleineres geografisches Ausmaß“.

„Das Desaster zeigt, wie dringend eine robuste Seerettungsoperation ist“, sagt UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. Die Europäer müssten sich aber auch auf ein umfassendes Herangehen verständigen, mit dem „die tieferen Ursachen angegangen werden, die so viele Menschen in die Flucht und ein derart tragisches Ende treiben“. Nötig seien zudem legale Fluchtwege und „humanitäre Visa“.



Jan-Peter Schröder

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