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Greifswald Nach Klassenfahrt nach Rom: Greifswalder Schüler müssen nun doch in Quarantäne
Vorpommern Greifswald

Nach Klassenfahrt nach Rom: Greifswalder Schüler müssen nun doch in Quarantäne

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19:15 11.03.2020
Das evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald. Eine Schulklasse befindet sich nach einer Rom-Reise derzeit in Quarantäne. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Das sorgt für gewaltigen Unmut: Die 17 Zehntklässler der Martinschule in Greifswald, die vergangene Woche zu einer Studienfahrt in Rom weilten, müssen nach zwei Tagen Unterricht nun doch in häuslicher Quarantäne verweilen. Dasselbe gilt für die drei begleitenden Lehrkräfte. Das hat das Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald am Dienstagnachmittag verfügt und damit eine zuvor getroffene Entscheidung revidiert.

Die Amtsärztin Marlies Kühn habe die Jugendärztin beauftragt, die Quarantäne für die Rom-Reisenden auszusprechen, informiert Kreissprecher Achim Froitzheim auf Nachfrage der OSTSEE-ZEITUNG. Sie gelte ab dem Tag der Rückkehr – das war der vergangene Freitag – für 14 Tage.

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Ganz Italien am Dienstag zum Risikogebiet erklärt

Da das Robert-Koch-Institut Gesamt-Italien erst am Dienstag als Risikogebiet benannt habe, „erging die Maßnahme auch erst am Dienstag“, sagt Froitzheim. „Des Weiteren werden die Schüler und auch die teilnehmenden Lehrer beauftragt, ein Gesundheitstagebuch für diese Zeit zu führen und sich bei Auftreten von Symptomen beim Gesundheitsamt zu melden“, sagt er.

Noch am Montag hatte er erklärt, dass keine Notwendigkeit bestehe, die Schüler in Quarantäne zu nehmen, da Rom nicht zu den Risikogebieten zähle.

Mutter eines betroffenen Schülers ist wütend

Für Kati Pehnke, Mutter eines von der Quarantäne betroffenen Zehntklässlers, ist dieses Hin und Her sehr ärgerlich. „Ich bin richtig wütend und entsetzt darüber, wie das Gesundheitsamt hier vorgeht. Zumal die Schüler alle topfit sind“, sagt sie. „Wäre die Entscheidung für eine Quarantäne gefallen, nachdem die Schüler am Freitag aus dem Flieger gestiegen sind, hätte ich das nachvollziehen können. Doch nun waren sie zwei Tage in der Schule“, kritisiert sie die nachträglich getroffene Entscheidung und urteilt: „Das ist Panikmache ohne Ende!“

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Am Dienstagabend, so Pehnke, sei ihre Familie per Anruf und E-Mails über die Entscheidung des Gesundheitsamtes informiert worden. Während ihr anderer Sohn weiterhin die Martinschule besuchen dürfe, erhalte der Zehntklässler jetzt Aufgaben per E-Mail. „Er hat es gelernt, selbstständig zu arbeiten“, sagt die Mutter. Dennoch sei Unterricht in der Schule natürlich dem Lernen daheim vorzuziehen.

Elternratsvorsitzende: Hysterie ist unerträglich

Auch Claudia Metz, Vorsitzende des Gesamtelternrates der Martinschule, ist sauer: „Ich nehme diese Entscheidung des Gesundheitsamtes natürlich so hin. Aber diese ganze Hysterie ist langsam unerträglich“, sagt sie. Die Schüler, die eine Woche lang Rom erkundeten, seien gesund. „Mir ist nicht bekannt, dass irgendeiner Anzeichen einer Infektion hat. Und bei anderen Viruserkrankungen, wie der Grippe, wird auch nichts Vergleichbares angeordnet“, sagt sie.

Claudia Metz hatte die Entscheidung zur Italienreise mitgetragen. Dazu stehe sie auch. „Meine Kinder hätte ich auch mitgeschickt“, betont Metz, deren Kinder die 5. und 7. Klassenstufe besuchen.

Schulleiter bleibt gelassen

Bei den Martinschülern sorgt das Thema für Diskussionsstoff. Doch Panik mache sich nicht breit, versichern zwei 16-Jährige, die ihre Namen nicht nennen möchten. „Angst vor dem Coronavirus haben wir nicht. Die Stimmung ist weitgehend normal“, sagt der eine, „man macht so seine Witzchen.“ Keiner der beiden glaubt, dass sich Schüler auf der Klassenfahrt angesteckt haben, die Quarantäne sei daher übertrieben. „Aber ich hätte die Fahrt wahrscheinlich gar nicht erst genehmigt“, sagt ein Schüler.

Schulleiter Benjamin Skladny übt sich trotz allem in Gelassenheit. „Wie sinnvoll die Quarantäne ist, sei dahingestellt“, sagt er. Die drei betroffenen Lehrkräfte arbeiten im Home Office, die Schüler erhalten über E-Mail-Kontakt Aufgaben, die sie erledigen müssen“, so Skladny. Ähnlich habe die Schule auch schon in anderen Fällen gehandelt, etwa dann, wenn ein Schüler mit einem Beinbruch längere Zeit zu Hause bleiben musste.

74 Montessorischüler im Skilager in Tirol

Derweil befinden sich auch andere Greifswalder Kinder noch auf Auslandsreise: Die Montessorischule veranstaltet aktuell das zweite Skilager der Saison. 74 Schüler und Lehrkräfte befinden sich seit Montag in Tirol. Also in Österreich und nicht in Südtirol, das als erstes Gebiet Italiens den Risikostatus erhielt. „Alle Schüler sind gesund. Keiner hustet, keiner schnupft“, versichert Schulleiter Nils Kleemann, der als Betreuer vor Ort ist.

Tirol sei vom Robert-Koch-Institut bislang nicht als Risikozone eingestuft worden. Laut Medienberichten gab es bis Mittwoch in dem alpenländischen Bundesland 42 bestätigte Corona-Fälle. Kleemann sieht keinen Grund für übertriebene Sorge: „Wir sind hier nahezu unter uns, haben eine eigene Unterkunft und kaum Berührung mit anderen“, sagt er. Den 80 Schülern und Lehrkräften, die in der Woche zuvor im selben Ort das Skilager genossen, gehe es übrigens gut. Sie nehmen ganz normal am Unterricht teil.

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Von Petra Hase

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