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Greifswald Nach erfolgreicher Sanierung: Greifswalder Hanseyachts AG steht vor Teilverkauf
Vorpommern Greifswald

Nach erfolgreicher Sanierung: Greifswalder Hanseyachts AG steht vor Teilverkauf

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12:58 11.12.2019
Hanseyachts-Vorstand Jens Gerhardt in der Greifswalder Produktionshalle Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Die börsennotierte Hanseyachts AG in Greifswald steht offenbar vor größeren strukturellen Veränderungen. Die Aurelius-Gruppe, die 76,77 Prozent an dem Hersteller von Segel- und Motoryachten hält, sieht in Hanseyachts nach erfolgreicher Sanierung inzwischen einen interessanten Verkaufskandidaten. „Der Turnaround ist geschafft. Hanseyachts ist zurück auf der Erfolgsspur“, sagte Aurelius-Vorstand Dirk Markus dem Anlegermagazin „Der Aktionär“.

Im Geschäftsjahr 2018/2019 konnte das Unternehmen mit einem Gewinn von 3,3 Millionen Euro das beste Konzernergebnis seit dem Wirtschaftsjahr 2007/2008 erzielen. Der Umsatz von 152 Millionen Euro sei der höchste in der Firmengeschichte überhaupt. „Das Unternehmen konnten wir über die letzten Jahre erfolgreich neu aufstellen“, so Markus weiter. „Wir haben unsere Arbeit bei Hanseyachts erledigt, insofern ist Hanseyachts für uns auch ein potenzieller Exitkandidat – sofern der Preis stimmt.“

Investmentholding seit 2011 Mehrheitsaktionär

Die „Dehler 30 one design“, neueste Hanseyachts-Innovation, könnte 2024 bei Olympia mitsegeln. Quelle: Hanseyachts AG

In Mecklenburg-Vorpommern ist der Greifswalder Bootshersteller, der als weltweit zweitgrößter Einrümpfer-Segelyachten-Produzent gilt, neben dem Windkraftanlagenhersteller Nordex und dem Rostocker Biotech-Unternehmen Centogene das dritte börsennotierte Unternehmen.

Die Investmentholding Aurelius hatte 2011 den Firmengründer Michael Schmidt als Mehrheitsaktionär abgelöst, vier Jahre nach dem Börsengang im Jahr 2007. Mit der Finanzkrise geriet allerdings auch der 1990 gegründete Greifswalder Yachthersteller ins Schlingern. Luxusyachten waren nicht mehr gefragt.

Produktion durch Innovationen effizienter

Unter Aurelius begann Hanseyachts, deren Yachten auf deutschen wie internationalen Messen renommierte Preise gewannen, einen straffen Sanierungskurs. Erstmals nach zehn Jahren konnte der Hersteller von sechs Segel- und Motorbootsmarken nun auch durch eine effizientere Produktion einen Gewinn erwirtschaften „Nach einer intensiven Phase der Innovation an unserem Hauptstandort in Greifswald haben wir den letzten Umsatzanstieg geschafft, ohne neue Mitarbeiter einstellen zu müssen“, begründete Hanseyachts-Vorstand Jens Gerhardt die positive Entwicklung.

Der angekündigte Verkauf von Aktien durch den Mehrheitsaktionär Aurelius macht Gerhardt nicht Bange. „Es war klar, wenn man als kranker Patient ins Krankenhaus kommt und dort gesundet, verlässt man das Hospital auch wieder.“ Und Hanseyachts sei gesund, betonte Gerhardt. „Das Geschäftsjahr 2018/2019 war unser achtes Wachstumsjahr in Folge.“ In diesem Zeitraum sei der Umsatz im Durchschnitt um 11 Prozent pro Jahr gestiegen.

Seit Jahren liegt der Aktienkurs dennoch wie einzementiert zwischen fünf und zehn Euro. Als Ursache sieht der Hanseyachts-Vorstand den praktisch fehlenden Handel von Aktien: „Keiner gibt seine Aktien her, weil jeder Aktionär darauf wartet, dass die Kurse angesichts unserer positiven Firmenentwicklung steigen.“

Produktpalette durch Zukäufe erweitert

Der letzte große Deal erfolgte im vergangenen Geschäftsjahr: Hanseyachts erwarb den französischen Katamaranhersteller Privilège Marine SAS. Damit gehören nun auch erstmals Segel- und Motorkatamarane zum Produktportfolio. Die Innovationskraft werde jetzt auf die Katamaran-Herstellung gelenkt, die – anders als die anderen fünf Hanseyachts-Marken – auch weiter in Les Sables d’Olonne an der französischen Atlantikküste erfolgt, so Gerhardt weiter. Hanseyachts beschäftigt eigenen Angaben zufolge aktuell 1470 Mitarbeiter, davon 800 in Greifswald, 570 in Polen und 100 in Frankreich.

Im vergangenen Jahr produzierte das Unternehmen etwa 600 Boote. Den deutlichen Umsatzanstieg zum Vorjahr von 140 auf 152 Millionen Euro führt Hanseyachts vor allem auf den Zugewinn von Marktanteilen bei Motorbooten zurück. Drei Bootstypen der Marken Sealine und Fjord wurden erstmals mit Außenborder produziert. „Das verschaffte uns neue Märkte und Händlerschaften.“ Neuester Coup: Die „Dehler 30 one design“, ein stark normiertes Offshore-Regattaboot, mit dem die Werft 2024 den Sprung in die olympischen Segelklassen schaffen will. „Mit einem Gewicht von nur 2,3 Tonnen ist unser Zehn-Meter-Boot für die Double-Handed-Mixed perfekt gemacht“, so Gerhardt.

Hoffen auf Imagegewinn durch Wettrennen

Ergänzend zu den bisherigen Nearshore-Kursen werden ab 2024 auch 24-Stunden-Offshore-Rennen olympisch. So beschloss es der Weltseglerverband 2018. „Olympia ist ein tolles spannendes Projekt für uns“, sagte der Hanseyachts-Vorstand.

Ausgestattet mit einem Wasserballast und mit einem versenkbaren Motor könne die „Dehler 30“, die bereits vor dem französischen Cannes und vor Warnemünde getestet wurde, um einiges schneller segeln als Konkurrenzmodelle. Die Entscheidung über den bei Olympia eingesetzten Bootstyp soll 2023 fallen. Auch wenn die Stückzahlen gering sind, dürfte der Imagegewinn bei einem Zuschlag für Hanseyachts enorm sein.

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Von Martina Rathke

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