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Greifswald Nachgefragt: Was lernen die Greifswalder Erstklässler denn so?
Vorpommern Greifswald Nachgefragt: Was lernen die Greifswalder Erstklässler denn so?
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20:42 10.08.2019
Die Klassenlehrerin der Klasse 1a der Krull-Grundschule, Tanja Rocke. Vor Eintragungen ins Klassenbuch muss sich aber heute keiner mehr fürchten. Eventuelle Probleme werden mit den Eltern dierkt besprochen. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Tanja Rocke (48) ist Klassenlehrerin der Klasse 1a an der Karl-Krull-Schule in Greifswald. Die Lehrerin mit Leib und Seele sprach mit der OZ über die ersten Wochen der kleinen Abc-Schützen, über das Schreiben lernen und spontane Umarmungen von Kindern.

Frau Rocke, was erwartet die Schüler in den kommenden Wochen?

Erstmal beginnen wir mit organisatorischen Dingen ganz einfacher Art. Was brauche ich für welche Stunde, wo packe ich die Bücher hin und solche Dinge. Und natürlich wo man was im Schulhaus findet, die Toiletten zum Beispiel. Auf dem Stundenplan der ersten Klasse stehen viele Fächer, meistens gibt es drei bis vier Stunden am Tag. Neben Deutsch, Mathematik, Sachkunde auch Musik, Sport, Englisch und Religion oder Philosophie.

Wie wird heutzutage bei Ihnen Lesen und Schreiben gelernt?

Los geht es im ersten Jahr mit Druckschrift, die Schreibschrift kommt erst in der zweiten Klasse. Geschrieben wird übrigens ziemlich bald mit Füller, das ist auch etwas worauf die Kleinen richtig hinfiebern. Als Lehrbuch haben meine Kollegin und ich uns wieder für die „Tobis“ entschieden. Eine Art Bilderbuch über die Abenteuer einer Trollfamilie, das zum Entdecken einlädt und Schritt für Schritt von Buchstaben zu Wörtern führt. Die ersten Buchstaben sind in diesem Fall das L, O und E – die Trolle heißen nämlich Ole und Leo.

Sie arbeiten auch mit dem „Kieler Leseaufbau“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist eine Art Gebärdensprache, die dem Kind hilft, die Buchstaben durch einzelne Gesten besser zu verankern. Gerade bei Kindern, die Schwierigkeiten mit dem Hören haben, ist der Erfolg enorm. Aber auch vielen anderen Kindern kann es helfen, eine eventuelle Lese-Schreibschwäche gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das „e“ wird beispielsweise durch Daumen und Zeigefinger in den Mundwinkeln symbolisiert. Wenn die Kinder sicherer im Umgang mit den Buchstaben werden, schleicht sich die Gestik wieder aus.

Meinen Sie, die Schüler haben sich verändert, oder ist das nur ein Gerücht?

Doch, ich glaube schon. Die Gesellschaft hat sich ja auch verändert. Medien, Fernseher, Internet haben größere Bedeutung bekommen. Verteufeln sollte man das nicht, das ist einfach eine Entwicklung, die Eltern leben ja auch mit Handy und Tablet. Ich würde aber sagen, die Kinder konnten sich vor zehn, fünfzehn Jahren besser konzentrieren. Heute muss ich mehr Pausen einbauen, in denen die Kinder sich mal bewegen und lockern. Auch wir haben übrigens Computerprojekte für alle Klassen, sogar schon für die ganz kleinen. Handys allerdings sind bei uns auf dem Schulgelände nicht erlaubt.

Was machen Sie, wenn sich ein Schüler querstellt?

Zuerst muss man schauen, woher das Verhalten kommt. Kann das Kind sich nicht steuern, oder ist es mutwillig. Am besten helfen positive Verstärkungen, mit Strafen kommt man in dem Alter nicht weit. Also kann man zum Beispiel mit Belohnungen arbeiten, die es bei gutem Verhalten von den Eltern bekommt. Ein Kinobesuch etwa. So etwas muss aber im engen Kontakt mit den Eltern erfolgen –wie vieles andere auch. Viele Eltern staunen nicht schlecht, wenn sie erfahren, was ein Schulkind für Veränderungen im Tagesablauf mit sich bringt.

Sie sind seit rund 20 Jahren Lehrerin –immer noch ein Traumberuf?

Auf jeden Fall, ich möchte nichts anderes machen. Zwar arbeiten Lehrer deutlich mehr als gemeinhin angenommen – mit Vor- und Nachbereitungen komme auch ich auf etwa 40 Wochenstunden – aber der Beruf ist es Wert. Die Kinder in dieser wichtigen Lebensphase zu begleiten ist toll, man lernt sie ja doch sehr gut kennen und hat dann einfach eine enge Verbindung. Und: Kinder sind ehrlich. Eine spontane Umarmung, ein geteiltes Weihnachtsplätzchen oder sogar ein kleiner Liebesbrief sind Gesten, die herzerwärmend sind und mir viel Bedeuten. Dann fällt die Verabschiedung aus der Grundschule schwer. Viele kommen danach noch regelmäßig zu Besuch, das wird dann irgendwann weniger. Aber das ist der Lauf der Dinge. Sie werden flügge.

Von Anne Ziebarth

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