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Greifswald Naharbeit nur bei gutem Licht
Vorpommern Greifswald Naharbeit nur bei gutem Licht
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17:07 14.03.2019
Prof. Andreas Stahl, neuer Direktor der Augenklinik an der Universitätsmedizin Greifswald, bei der Untersuchung einer Patientin. Rechts im Bild Oberärztin Dr. Marie-Christine Bründer, sie verstärkt seit 1. März das Team. Quelle: Manuela Janke / UMG
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Greifswald

Die Klinik für Augenheilkunde an der Universitätsmedizin Greifswald kann auf eine über 150-jährige Geschichte zurückblicken. Das jüngste Kapitel schrieb Prof. Stefan Clemens, der sich nach einem Vierteljahrhundert Klinikleitung in den Ruhestand verabschiedete. Er überreichte das Zepter zum Jahreswechsel an Prof. Andreas Stahl. Der gebürtige Stuttgarter, zuletzt Geschäftsführender Oberarzt an der Uniklinik Freiburg im Breisgau, gilt als Experte für weit verbreitete Alterserkrankungen des Auges, aber auch für diabetische Augenerkrankungen und die Prävention von Netzhautproblemen bei zu früh geborenen Kindern. OZ sprach mit dem 41-Jährigen über Augenerkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten, Kontaktlinsen und das Lasern, um brillenfrei zu werden.

Professor Stahl, die Augen sind unsere wichtigsten Sinnesorgane und wahre Wunder an Vielseitigkeit. Was können wir tun, um sie gesund zu halten? Was sollten wir unterlassen?

Prof. Stahl: UV-Schutz ist wichtig. Wir cremen uns zwar mit Sonnencreme ein, aber den Schutz der Augen vernachlässigen viele. Dabei ist die Sonnenbrille mit UV-Schutz genauso wichtig. Für Kinder gilt außerdem: Nicht mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen. Denn Naharbeit unter schlechten Lichtverhältnissen kann tatsächlich zur Entstehung von Kurzsichtigkeit beitragen. Gut hingegen ist, wenn Kinder draußen spielen. Es gibt Studien, die belegen, dass Kinder weniger Kurzsichtigkeit entwickeln, wenn sie viel Zeit draußen verbringen. Grundsätzlich ist gutes Licht wichtig. Eine verstärkte Naharbeit bei schlechtem Licht fördert die Kurzsichtigkeit. Außerdem ist wichtig, dass Kinder die vorgesehenen U-Untersuchungen beim Kinderarzt wahrnehmen, da diese dazu beitragen, eine Fehlsichtigkeit frühzeitig zu entdecken.

Und was können Erwachsene tun?

Nicht rauchen. Viele denken, dass Rauchen nur das Krebs- oder Herzinfarktrisiko erhöht. Aber zahlreiche Studien zeigen, dass auch die altersbedingte Makuladegeneration häufiger bei Rauchern auftritt und dann auch schneller voranschreitet. Für Diabetiker ist es wichtig, dass sie gut eingestellt sind. Wir Augenärzte können lasern, Spritzen geben, operieren. Aber wenn der Blutzucker nicht gut eingestellt ist, laufen wir den diabetischen Komplikationen im Auge ständig hinterher.

Ihr Spezialgebiet sind Netzhauterkrankungen. Welche Ursachen führen dazu?

Viele dieser Erkrankungen sind altersbedingt. Das Auge ist einfach nicht gut darauf vorbereitet, dass wir heutzutage 90 Jahre alt werden können. Bei der Makuladegeneration beispielsweise, an der rund 30 Prozent der älteren Patienten leiden, lagert die Netzhaut mit zunehmendem Alter so viele Stoffwechselprodukte ein, dass sie nicht mehr gut funktioniert. Man kann sich das vorstellen wie bei einem ständig laufenden Motor. Jede Sekunde unseres Lebens werden Bilder in der Netzhaut produziert und an das Gehirn geschickt. Auch wenn wir schlafen. Bei der Makuladegeneration kann die Netzhaut diesem ständigen Arbeitsauftrag nicht mehr ausreichend nachkommen und es kommt zu einer Degeneration von Sinneszellen. Etwas anders ist es bei der diabetischen Retinopathie. Hier werden Netzhautzellen durch die starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels geschädigt. Davon sind leider immer mehr Menschen betroffen, weil der Diabetes immer häufiger wird.

Sie behandeln aber auch Kinder mit Netzhauterkrankungen.

Ja, beispielsweise Kinder mit Frühgeborenenretinopathie. Wenn Kinder zu früh auf die Welt kommen, haben sie noch keine ausgereifte Netzhaut. Die Peripherie ist noch nicht mit Blutgefäßen versorgt. Bei etwa 95 Prozent der Kinder wird diese Ausreifung nach der Frühgeburt unproblematisch nachgeholt. Nur bei sehr wenigen kommt es aber nicht dazu. Dies frühzeitig zu erkennen, ist ganz wichtig, da bei diesen wenigen Kindern das Risiko einer vollständigen Erblindung drohen kann. Deshalb müssen alle Frühchen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, augenärztlich untersucht werden. Eine Frühgeborenenretinopathie kann, wenn sie unerkannt bleibt, zur Netzhautablösung führen.

Ist die Netzhauterkrankung denn eine typische Erkrankung von Kindern?

Nein, sie ist selten. Viel häufiger ist sie allerdings bei Erwachsenen. Durch Umbauprozesse im Glaskörper des Auges kann es zu Einrissen der Netzhaut kommen, von denen ausgehend dann die Netzhaut angehoben wird. Die Therapie ist dann: Loch finden, Flüssigkeit absaugen, Loch vereisen oder lasern. Das ist gut zu operieren, muss aber rechtzeitig geschehen, sonst kann es auch hier zu bleibender Sehminderung kommen.

Gibt es denn Symptome der Netzhautablösung?

Ja. Lichtblitze, Rußflocken, die im Auge herumschwirren, und Schatten, die wie ein Vorhang , der zugezogen wird, immer größer werden, sind Warnsignale. Dann sollte man noch am selben Tag zum Augenarzt gehen. Viele meinen, es tut ja nicht weh, kann also nicht so schlimm sein. Das stimmt aber nicht. Die Netzhaut hat keine Schmerzsensoren, die Netzhautablösung ist daher völlig schmerzlos. Trotzdem sterben mit der Zeit die Photorezeptoren ab, wenn die Netzhaut nicht zeitnah wieder angelegt wird..

Aber diese Rußflocken sieht doch jeder mal, oder?

Was Sie meinen sind Mouches volantes, die „fliegenden Mücken“, die sind meist völlig harmlos. Diese kleinen beweglichen Pünktchen sind auch Verdichtungen im Glaskörper, manche nehmen sie bewusster wahr als andere. Die „Rußflocken“ bei der Netzhautablösung hingegen sind viel größer, wie große Schwaden. Das sind kleine Blutstropfen im Augeninneren, die quasi durch das Einreißen der Netzhaut entstehen.

Viele Menschen denken, dass die permanente Arbeit am Computer schlecht für die Augen ist. Stimmt das?

Mann kann nicht sagen, dass Bildschirmarbeit per se schlecht für unsere Augen ist. Lange Bildschirmarbeit kann aber Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Trockene Augen sind ein typisches Beschwerdebild, weil man bei der konzentrierten Computerarbeit weniger blinzelt. Dagegen helfen benetzende Augentropfen, die für eine gute Pflege der Augenoberfläche sorgen.

Was halten Sie vom Lasern der Augen, um keine Brille mehr tragen zu müssen?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. Lasern ist ein etabliertes, sicheres Verfahren, wird relativ häufig durchgeführt, ist aber trotzdem ein Eingriff. Jeder muss dafür seine eigene Risiko-Nutzen-Abwägung vornehmen. Wenn der persönliche Leidensdruck unter der Brille so groß ist, dann kann eine Lasertherapie eine sinnvolle Option sein. Wichtig ist, dass eine gute Voruntersuchung durchgeführt wird, um zu klären, ob das Auge überhaupt geeignet ist für eine Lasertherapie.

Wie oft wird das an der Uniaugenklinik gemacht?

Wir führen die Laserung gegen Kurzsichtigkeit nicht an der Uniklinik durch. Es handelt sich bei diesem Eingriff nicht um eine Leistung, die von der Krankenkasse übernommen wird. Die ca. 1000 bis 2000 Euro pro Auge – je nach Anbieter – muss jeder selbst finanzieren, wenn er das möchte. Im Übrigen schützt das Lasern nicht vor der Altersweitsichtigkeit, die etwa mit 40 Jahren beginnt.

Viele junge Menschen nutzen gern Kontaktlinsen. Auf Dauer gut oder schädlich?

Am schonendsten für das Auge ist die Brille, weil es bei der Brille keinen Kontakt auf der Augenoberfläche gibt. Trotzdem kommen viele Menschen mit Kontaktlinsen gut zurecht, auch ein Leben lang. Wenn man sich für das tägliche Tragen von Kontaktlinsen entscheidet, dann am besten harte, weil sie für die Sauerstoffversorgung des Auges besser sind. Sie sind allerdings gerade am Anfang vom Tragekomfort nicht so angenehm wie weiche. Wenn harte Kontaktlinsen nicht vertragen werden, empfehle ich weiche Linsen aus Material mit hoher Sauerstoffdurchlässigkeit, am besten individuell auf das Auge angepasst für bestmögliche Passform. Generell ist Hygiene sehr wichtig, wenn man sich für Kontaktlinsen entscheidet. Gerät ein Keim unter die Kontaktlinse, kann es zu schweren Hornhautinfektionen kommen. Der Klassiker an Komplikationen tritt bei jungen Leuten auf, die am Wochenende feiern gehen, ihre Flüssigkeitsbehälter nicht dabei haben und dann mit den Linsen im Auge schlafen oder sie über Nacht in Leitungswasser legen. Beides ist nicht ratsam, Kontaktlinsen sollten über Nacht immer herausgenommen und in geeigneter Pflegelösung und sauberen Behältern aufbewahrt werden.

Von älteren Menschen hört man häufig, dass sie einen grauen oder grünen Star haben. Wie gefährlich sind diese Erkrankungen?

Den grauen Star, also die Katarakt, bekommen alle Menschen früher oder später in mehr oder minder starker Ausprägung: Die Augenlinse wird trüber, die Blendungsempfindlichkeit nimmt zu. Dem Auge schadet dies erst einmal nicht akut, aber die Sehqualität nimmt stetig ab. Wann eine Operation der Katarakt sinnvoll ist, ist meist eine individuelle Entscheidung, die Augenarzt und Patient gemeinsam treffen sollten. Der grüne Star, also das Glaukom, dagegen ist deutlich seltener als die Katarakt, kann aber eine ernsthafte Bedrohung für die Sehfähigkeit darstellen, wenn es nicht rechtzeitig erkannt wird. Daher ist die Glaukomfrüherkennung wichtig. Wichtig zu wissen dabei ist, dass Glaukompatienten nicht immer einen hohen Augendruck haben müssen. Daher gehört zur Glaukomdiagnostik neben der Augendruckmessung auch immer die augenärztliche Kontrolle des Sehnerven dazu. Wenn eine Behandlung des grünen Stars notwendig wird, steht uns ein breites Therapiearsenal zur Verfügung – von drucksenkenden Augentropfen über Lasereingriffe bis hin zur augendrucksenkenden Operation.

Petra Hase

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