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Greifswald Nervig oder sinnvoll? - Das bringen „schlafende“ Polizisten
Vorpommern Greifswald Nervig oder sinnvoll? - Das bringen „schlafende“ Polizisten
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05:32 22.08.2018
In der Mitte zwischen zwei Berliner Kissen hindurchzufahren, ist eine beliebte Variante, um die Drosselung des Tempos zu vermeiden.
In der Mitte zwischen zwei Berliner Kissen hindurchzufahren, ist eine beliebte Variante, um die Drosselung des Tempos zu vermeiden. Quelle: Degrassi Katharina
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Greifswald

Unnötige Belastung für die Stoßdämpfer des Autos oder sinnvolle Verkehrsberuhigung – Berliner Kissen, auch bekannt als „schlafende“ Polizisten, sind umstritten. Angelika Hempel ärgert sich über die gummiartigen Aufpflasterungen: „Selbst wenn man ganz langsam drüber fährt, rumpelt es. Das nervt. Im Dunkeln sieht man sie manchmal erst in letzter Sekunde“, sagt die Greifswalderin. Ähnlich sieht es Rüdiger Lorenz: „Das bringt doch nichts. Direkt nach der Aufpflasterung wird wieder beschleunigt.“ Er ergänzt: „In einer 30er-Zone sollte man auch 30 fahren können.“

56 Berliner Kissen sind im Stadtgebiet montiert. Sie werden immer dann verwendet, wenn sich die Verkehrsteilnehmer nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit halten. „Vor jeder Montage von Berliner Kissen werden die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten ermittelt. Erst danach und bei Notwendigkeit erfolgt das Setzen der Kissen“, sagt Bärbel Lenuck, Mitarbeiterin der städtischen Pressestelle. Sie weist darauf hin, dass die „schlafenden“ Polizisten ausschließlich in verkehrsberuhigten Bereichen angewendet werden, also wenn Tempo 30 oder Tempo zehn gilt. „Sie sollen den Fahrzeugführer eher daran erinnern, dass von der ortsüblichen innerstädtischen Geschwindigkeiten 50 Kilometer pro Stunde abgewichen wird“, sagt Lenuck weiter.

Doch längst nicht in allen Fällen haben sich die Berliner Kissen als Verkehrsberuhigung bewährt. Die Konstruktionen, die mittels Schraubverbindung in der Oberfläche der Fahrbahn befestigt werden, können sich lösen, werden dann zur Gefahr für die Autofahrer. Wenn eine Straße besonders stark befahren wird, vor allem mit schweren Fahrzeugen wie Bussen oder Lastwagen, gehen die Kissen schneller kaputt. Das ist beispielsweise in der Straße An der Mühle, die zur Wiecker Brücke führt, der Fall gewesen. Deswegen wurden die Bremsschwellen dort wieder entfernt und stattdessen Leitelemente montiert. „Sie engen die Fahrbahn ein, sodass sie nur jeweils in eine Richtung befahren werden kann“, erklärt Lenuck.

Mitunter fühlen sich jedoch auch Anwohner von den „schlafenden“ Polizisten gestört. „Sie können sich, ob nun subjektiv oder objektiv nicht mit dem in der Regel etwas höheren Geräuschpegel anfreunden, der entsteht, weil die Autos abbremsen und wieder beschleunigen“, sagt Bärbel Lenuck. Das hat in der Vergangenheit bereits dazu geführt, dass Berliner Kissen wieder entfernt wurden, so wie beispielsweise in der Loefflerstraße Höhe Domcenter. „In manchen Fällen hilft es bereits, wenn die Kissen anders positioniert werden“, sagt Lenuck.

Derzeit gibt es noch keine Lösung für den zunehmenden Verkehr in der Loefflerstraße auf Höhe des neuen geisteswissenschaftlichen Campus. Dort wie auch im Allgemeinen gilt: Berliner Kissen sind vor allem eine vorübergehende Lösung.

Falls sich eine Aufpflasterung zur Verkehrsberuhigung bewährt hat, gibt es bauliche Alternativen, die robuster sind. Solche Bremsschwellen gibt es beispielsweise in der Loefflerstraße Höhe Brüggstraße, in der Loitzer Landstraße, in der Max-Reimann-Straße und in der Heinestraße gibt.

Degrassi Katharina