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Greifswald Neue Straße fördert alten Nachbarschaftsstreit
Vorpommern Greifswald Neue Straße fördert alten Nachbarschaftsstreit
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00:00 24.08.2015
In der Straße Am Riff wird schon kräftig gebuddelt. Zunächst werden Leitungen für die Regenentwässerung verlegt. Quelle: Fotos: Kai Lachmann
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Wampen

Die Straßen „Am Riff“ und „Boddenblick „in Wampen werden ausgebaut. In der vergangenen Woche rückten Bagger an, um Erde aufzunehmen und die Regenentwässerung in Angriff zu nehmen. Läuft alles nach Plan, sollen die Plattenwege bereits im Oktober durch glatte neue Straßen ersetzt sein. Dabei wird die Fahrbahn deutlich dichter als bisher an die Straßenlaternen gelegt. Für mehr als die Hälfte der Kosten in Höhe von 450 000 Euro konnten Fördermittel eingeworben werden (siehe Infokasten). Auch die Anlieger müssen ihren Teil zahlen.

Doch auch aus einem anderen Grund freut sich nicht jeder Anwohner über die Modernisierung der holprigen Dorfstraßen. Der Ausbau fördert einen alten Nachbarschaftsstreit um Grundstücksgrenzen wieder zutage.

Das Ehepaar Anger-Coith wohnt fast am Ende der Straße „Am Riff“ in einer alten Schule. „Seit 60 Jahren“, sagt Otto Anger-Coith. Zwischen ihrem Grundstück und dem der Nachbarn, Neuenkirchens stellvertretendem Bürgermeister Rudolf Kirchner und seiner Lebensgefährtin Kirsten Schielke, verläuft ein schmaler Weg, der in Richtung des Wampener Strands führt. Eigentlich sollte dieser Gemeindeweg eine Breite von fünf Metern haben, doch er ist schmaler. Nun wird aber die gesamte Breite benötigt, denn die Regenentwässerung soll dort entlang zu einem Graben führen. Für den Bau muss da schweres Gerät durch. „Wir haben die Befürchtung, dass für die Verbreiterung unsere Hecke weggenommen wird und Bäume an unserer Grundstücksgrenze gefällt werden“, sagt Otto Anger-Coith. Er und seine Frau sind der Meinung, dass die vor einigen Jahren zugezogenen Nachbarn ihre Grundstücksgrenze falsch gezogen und somit den Weg schmaler gemacht haben. Stimmt nicht, heißt es von der anderen Seite des Zauns. „Das ist zweimal vermessen worden“, argumentiert Nachbarin Kirsten Schielke.

Auch die Verwaltung — in Person von Geert-Christoph Seidlein, verantwortlich für Planung und Bauüberwachung — ist der Meinung, der Nachbarzaun stehe korrekt. „Es hat vor Jahren eine Grenzfeststellung gegeben, das ist ein hoheitlicher Vorgang. Damals gab es keinen Widerspruch.“ Also ist der Zaun nun sozusagen in Stein gemeißelt? „Es gibt keinen sachlichen Grund, das infrage zu stellen“, so Seidlein. Sollten die Anger-Coiths das tun, müssten sie es schlüssig darlegen und den juristischen Weg beschreiten. Das Problem: Das haben die Anger-Coiths bereits versucht. Vor Jahren ließen sie selbst ihr Grundstück vermessen, berichten sie. Mehrere tausend Euro habe das gekostet. Die Ergebnisse sind aber angeblich nie ins Kataster aufgenommen worden, geschweige denn in der Behörde angekommen. Ob das Vermessungsbüro geschlampt hat oder das Amt Unterlagen verschwinden ließ, sollten Anwälte herausfinden. Aber als die hörten, wer nebenan wohnt, hätten sie den Fall umgehend fallengelassen, berichtet die Tochter des Wampener Ehepaars. Denn Nachbar Kirchner war jahrelang Leiter des Greifswalder Amtsgerichts.

Die Anger-Coiths kritisieren auch, dass die Verwaltung sie im Unklaren über die genauen Pläne und Abläufe lasse, was den besagten Weg betrifft. Dass dort Bäume wegen der Bauarbeiten gefällt werden, bestätigt Verwaltungsmann Seidlein. Welche genau, will er bei einem Ortstermin gegenüber der OZ aber nicht sagen. „Soweit ist die Planung noch nicht“, heißt es erst beschwichtigend. Eine Begutachtung der Bäume werde erfolgen. Stunden später am Telefon gibt er dann doch Details preis. Zwei Obstbäume sollen wegkommen, ebenso zwei abgestorbene Bäume, eine Fichte und womöglich auch eine „krepelige Esche“. Die große Eiche sei ein sogenannter Zwangspunkt. „Die bleibt stehen“, selbst wenn sie teilweise auf Gemeindeland stehe. Auch Kirchners Zaun kommt für die Dauer der Baumaßnahme weg. Seidlein:

„Wenn Sträucher beschädigt werden, wird das selbstverständlich ersetzt.“

So erfahren die Anger-Coiths nun wenigstens doch, woran sie sind — aus der Zeitung.

65 Prozent der Kosten gefördert

450 000 Euro etwa soll der Ausbau der Straßen Boddenblick und Am Riff in Wampen kosten. Davon werden 65 Prozent aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) gefördert, teilt Burkhard Preißler, Leiter des Amtes für Kreisentwicklung, mit. Der offizielle Förderbescheid ist noch nicht ausgereicht. Notwendige Eigenmittel generiert die Gemeinde aus dem Verkauf eines Grundstückes an der Straße „Boddenblick“, auf dem zurzeit die Baumaschinen stehen.
936,7 Millionen Euro erhält Mecklenburg-Vorpommern von 2014 bis 2020 aus dem Eler. Diese werden mit 262,6 Millionen Euro aus Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln kofinanziert. Die Eler-Mittel zielen unter anderem darauf ab, „den ländlichen Raum als attraktives Lebens- und Arbeitsumfeld zu entwickeln“, heißt es auf der Internetseite des Europaportals des Landes Der Wampener Straßenbau fällt in die Kategorie Dorferneuerung.

• Mehr dazu im Internet

www.europa-mv.de



Kai Lachmann

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