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Greifswald Neuer Streit um Hafen Greifswald-Ladebow
Vorpommern Greifswald Neuer Streit um Hafen Greifswald-Ladebow
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16:10 15.08.2019
Ein seltener Anblick: Ein Frachtschiff im Hafen Ladebow Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Der Hafen Ladebow ist seit Jahren ein Sorgenkind der Stadt. Dümpelnde Umschläge und begrenzte wirtschaftliche Effekte auf dem Hafenareal sorgen für Dauerstreit, ob weiter Geld in den Hafen gepumpt werden soll. Nun will die Stadtverwaltung die Weichen für eine weitere Vertiefung der Zufahrt und des Hafenbeckens auf 6,90 Meter stellen. Die Verwaltung bereitet derzeit eine entsprechende Beschlussvorlage für die Bürgerschaft vor.

Widerstand gegen Ausbaggerung

Bereits jetzt kündigt sich Widerstand gegen eine erneute Vertiefung an, die die Stadt nach eigenen Schätzungen rund 200 000 bis 300 000 Euro zusätzlich kosten würde. Seit Jahren pumpt die Stadt Geld in den Hafen, ohne dass sich die Umschlagszahlen deutlich verbessern. „Eine Vertiefung sollen die Firmen bezahlen, die davon profitieren“, argumentiert deshalb SPD-Fraktionschef Andreas Kerath. Für die Stadt sei der Hafen jedes Jahr ein Zuschussgeschäft, weil die jährlichen Einnahmen aus den Hafengebühren bei Weitem nicht die Kosten decken. „Die Stadt soll das Geld sinnvoll einsetzen – für Schulen und Kitas“, so der SPD-Mann.

Mit einer Vertiefung wird laut Stadt ein Abladetiefgang von 6,10 Meter möglich. Die üblicherweise den Hafen anlaufenden Schiffe könnten dann voll- und nicht halbbeladen einlaufen, begründete Peter Lubs, zuständig für Brücken und Häfen im städtischen Tiefbau- und Grünflächenamt die geplante Vertiefung. Nach Abschluss der Baggerung rechnet die Stadt mit einem jährlichen Umschlag von 400 000 bis 500 000 Tonnen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es 151 600 Tonnen – so heißt es zumindest von der Stadt.

Mitarbeiter in Rente, Umschlag nicht gemeldet

Das Statistische Landesamt weist für 2018 allerdings einen weitaus geringeren Gesamtumschlag aus, nämlich 95 600 Tonnen. Die Hafen- und Lagergesellschaft Greifswald und die Stadt erklären die Diskrepanz so, dass der Baustoffhandel Mibau im vergangenen Jahr den Umschlag von Baustoffen für die Nord-Stream-2-Pipeline nicht an die Landesbehörde gemeldet hat. Konkret gehe es um 56 000 Tonnen Geröll, die zur Abdeckung der Pipelinerohre im Greifswalder Bodden verwendet wurden, sagte HLG-Geschäftsführer Michael Ott. „Der Mitarbeiter, der die Daten bislang an das Land gemeldet hat, ist in Rente gegangen. Da wurde die Meldung offenbar versäumt.“ SPD-Mann Kerath bezeichnet den Umschlag durch die Baustoffe für die Ostseepipeline als „Strohfeuer“. Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, habe der Hafen ein Umschlagsminus von 30,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftet.

Vereinbarung für Vertiefung ist unterschriftsreif

Bereits im Herbst 2018 wurden die versandete Zufahrt und Hafenbecken vertieft und zwar auf 5,90 Meter – verbunden mit der Hoffnung, zusätzlichen Umschlag in den Hafen zu ziehen. Die Stadt zahlte 215 000 Euro plus 250 000 Euro für die Herrichtung eines Spülfeldes. Die Vereinbarungen für eine schon damals geplante weitere Vertiefung auf 6,90 Meter liegen laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund, der zuständigen Bundeswasserbehörde, bereits im Entwurf vor. „Die Entwürfe müssen derzeit durch die Hansestadt Greifswald unterzeichnet werden“, sagt WSA-Sprecher Dirk Berger. Laut WSA ist die Finanzierung der etwa vier Kilometer langen Fahrrinnenvertiefung durch den Bund gesichert. Der Bund rechnet mit 2,5 Millionen Euro. Die Stadt muss sich für die Ausbaggerung des Hafenbeckens noch das Go der Bürgerschaft holen.

Hafen nicht konkurrenzfähig

Doch das dürfte dort für ordentlich Zündstoff sorgen. „Ich persönlich rechne nicht damit, dass mit einer Vertiefung die Umschlagszahlen steigen“, so Frank Hardtke (KfV). Die Stadt habe vor Jahren die Weichen in die falsche Richtung gestellt, stecke nun in einem Dilemma, weil sie bestehende Verträge nicht brechen könne. Wie sich seine Fraktion, der neben der KfV auch FDP und Bürgerliste angehören, bei der Abstimmung verhalten werden, kann er noch nicht sagen. „Aber Fakt ist: Das Geld, was die Stadt in die Vertiefung steckt, wird an anderer Stelle fehlen.“

Ladebow seit 2011 nicht mehr im Landeshafenverband

Zehn Häfen des Landes, darunter sieben aus Vorpommern, vermarkten ihre Standorte über den Landesverband Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern (LHMV). Der Hafen Greifswald-Ladebow verließ Ende 2011 den Verband – „ohne Streit“, wie Verbandsvorsitzender Sören Jurrat betonte. Damit ist der Hafen nicht mehr an den über den Verband organisierten Messeauftritten beteiligt. Zweck des LHMV (Schlagwort „Wer Ostsee sagt, meint uns!“) sei es eigenen Angaben zufolge, die Hafenwirtschaft des Landes durch Bündelung der Interessen zu fördern und ihr auf Landes- und Bundesebene Gewicht zu verschaffen. Bei den Messen würden die Häfen als multifunktionale Standorte vermarktet – neben dem reinen Hafengeschäft zunehmend auch als Logistik- und Gewerbestandort. Im Seehafen Stralsund gingen 2018 etwa 1,33 Millionen Tonnen Güter über die Hafenkante (etwa 10-mal mehr als in Ladebow). Mit dem landseitigen Umschlag wurde ein Gesamtumschlag von 2,15 Millionen Tonnen erzielt. Aus Vorpommern sind die Häfen Anklam, Ueckermünde, Lubmin, Vierow, Stralsund, Wolgast und Sassnitz Mitglied im LHMV.

Anders sieht man die Lage im Hafen. „Mit fünf Metern Tiefgang ist ein Hafen nicht mehr konkurrenzfähig“, argumentiert HLG-Chef Ott. Es sei ein großes Handicap, dass Schiffe mit einer Ladungskapazität von 3000 TEU nicht in Ladebow anlegen können. Frachtschiffe würden immer größer, um die Transportkosten je Tonne zu senken. „Die Situation ist schwierig.“ Ähnlich sieht es die Verwaltung: „Wenn die Bürgerschaft eine Vertiefung nicht beschließen sollte, werden keine Änderungen der Umschlagzahlen erwartet“, sagte Lubs.

Nur sieben Züge in 2018 – Zahlen sollen auf den Tisch

KfV-Politiker Frank Hardtke plädiert für eine einvernehmliche Lösung mit den in Ladebow ansässigen Unternehmen. „Die Stadt muss sich mit den Firmen an einen Tisch setzen und offen die Zahlen auf den Tisch legen.“ Hardtke zweifelt, ob sich der Hafen für die Firmen überhaupt rechne. Der Anwalt ist überzeugt, dass es Ladebow auch mit einer weiteren Vertiefung schwer haben wird, gegenüber den anderen Hafenstandorten konkurrenzfähig zu werden. Denn, so Hardtke weiter, die Gleise auf dem Hafengelände seien für lange Güterzüge zu kurz, was den Umschlag zusätzlich unrentabel macht. Die Statistik der Stadt weist für 2018 sieben Zugein- und -ausgänge mit einer Gesamtlademenge von 7384 Tonnen aus.

Weg für touristische Nutzung ebenen

Die SPD will die Weichen für den Hafen endlich in Richtung maritim-gewerblicher Nutzung stellen. Vor allem brauche die Stadt eine Marina mit ausreichend Liegeplätzen für Segler, so Kerath. Die von den Hafenbefürwortern immer wieder als Totschlagsargument hervorgebrachte Fördermittelbindung habe sich in wenigen Jahren erledigt, wenn die Fördermittelbindung ausgelaufen sei, argumentiert er.

Nach Angaben der Stadt liegt die Zweckbindungsfrist der Fördermittel für den 2004 erfolgten Ausbau des Hafens bei 25 Jahren. Der Zuschuss betrug damals vier Millionen Euro. Durch die nun geplanten Unterhaltungsbaggerungen würden laut Stadt Bindefristen für geflossene Fördermittel nicht berührt. Die Baggerarbeiten können laut WSA nach der Unterzeichnung der Vereinbarungen und Abschluss der Vorarbeiten starten, frühestens im November 2019.

Autorin 

Von Martina Rathke

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