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Greifswald Neuer Weltmeister im Ryckhangeln: Die Tochter machte ihn stark
Vorpommern Greifswald Neuer Weltmeister im Ryckhangeln: Die Tochter machte ihn stark
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18:35 20.07.2019
Flink wie ein Wiesel: David Szponik sichert sich mit 48 Sekunden den Sieg. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Das Fischerfest in Greifswald-Wieck erlebte am Samstag mit dem Ryckhangeln und der Gaffelrigg seinen maritimen Höhepunkt. 40 Mutige traten zur Weltmeisterschaft der Rycküberquerung an, wobei aber nur 15 trocken blieben und das andere Ryckufer erreichten. 25 plumpsten entkräftet ins Wasser. Da halfen auch die Anfeuerungsrufe und das rhythmische Motivationsklatschen der vielen Zuschauer nicht. „Mit zwei Dritteln Reinfällen bleiben wir unserer Statistik treu“, sagte Reinhard Bartl, der die Moderation der Volksgaudi übernommen hatte, aber in diesem Jahr erstmals nicht mehr an der Organisation beteiligt war.

Die Rycküberquerung wird immer internationaler, Profis traten mit perfektionierter Technik an: Die US-Amerikanerin Eve Stenson schaffte es in 2:47 Minuten mit der „Pendeltechnik“ über den Ryck und sicherte sich als Vorjahreszweite nun den Sieg bei den Frauen. Mit den Geschwistern Vonmoos traten drei Schweizer Brüder an. Der kleinste – der zehnjährige Jonas – gewann in der Kategorie der männlichen Jugendlichen und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters, der schon 2006 mit der „Rutschtechnik“ den Sieg geholt hatte.

David Szponik nach der Rycküberquerung Quelle: Martina Rathke

Den Sieg bei den Männern sicherte sich der Greifswalder David Szponik mit einer rekordverdächtigen Zeit von 48 Sekunden. „Mein Training bestand eigentlich nur darin, meine kleine Tochter auf dem Arm zu tragen“, sagte er völlig leergepumpt nach der Ankunft auf der anderen Ryckseite. Der 38-Jährige hatte bereits in den Vorjahren erfolgreich am Ryckhangeln teilgenommen, die beiden letzten Jahre aber ausgesetzt. Ein Blick in die inzwischen 30-jährige dokumentierte Statistik des Ryckhangelns soll nun zeigen, ob am Samstag mit 48 Sekunden auch ein neuer Weltrekord aufgestellt wurde.

Angefeuert von Tochter und Vorjahressiegerin Sarah Jantzen überquerte Vater Lars den Ryck in 1:03 Minuten. „Immerhin 20 Sekunden schneller als im Vorjahr“, sagte der 57-jährige Kemnitzer stolz. Anders als im Vorjahr konnte der Musiker nicht im Garten trainieren. „Ich war durch eine Rippenprellung, Zerrung am Ellbogen und Kehlkopfentzündung gehandicapt.“ Den Schmerz hat Jantzen beim Hangeln nicht gespürt. „Ich war nur aufs Zählen der Züge fixiert.“

Viele plumpsten ins Wasser und wurden sofort von den Schlauchbooten der DLRG aufgenommen. Der 16-jährige Lukas Nagel rutschte bereits nach fünf Metern vom Seil, sicherte sich mit der Teilnahme aber ein zusätzliches Taschengeld von 10 Euro. „Wenn ich rüber gekommen wäre, wären es 20 Euro gewesen.“ Er hatte vor dem Start seine kurze Hose gegen eine lange gewechselt und diese mit Tapeband gesichert. „Ich hab mich damit nicht mehr richtig bewegen können.“

Das war nicht geplant. Quelle: Martina Rathke

Der Rüganer Bodo Schulz von der Insel Rügen hätte dagegen wohl seine Hose etwas fester ziehen sollen. Auf der Hälfte der Strecke hing die Büx an den Füßen - Schulz ließ sich ins Wasser fallen. Und dabei war der 64-Jährige und damit Älteste des Teilnehmerfeldes richtig gut gestartet. „Ein Versuch der besonderen Art“ kommentierte Bartl süffisant. Aber auch der alte Hase Bartl musste Federn lassen. Beim Test der Seilspannung rutschte ihm das Handy aus der Hosentasche und landete im Ryck. Dort leistet es nun vielen anderen Mobilgeräten Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren den Ryckhanglern aus den Hosen glitten.

Es hätten beim diesjährigen Ryckhangeln noch weitaus mehr als 40 Teilnehmer werden können. „Bei uns haben sich rund 50 Leute gemeldet – so viele wie noch nie“, hieß es von der DLRG. Die DLRG hatte aber kurz vor zehn Uhr die Teilnehmerlisten geschlossen, weil der Spaßwettbewerb rechtzeitig zur Gaffelrigg beendet sein musste.

Ein maritimer Anblick: Die Fahrt der historischen Schiffe durch die Wiecker Klappbrücke Quelle: Martina Rathke

Die Parade der historischen Segler, die angeführt von der Schonerbrigg „Greif“ bis auf den Greifswalder Bodden führte, kommentierte das Moderationsduo Peter Andrasch und Lutz Riemann launig und fundiert. So war die 1904 erbaute Pavilliontjalk „Erna“ schon am Bau des niederländischen Ijsslmeerdeichs beteiligt, der 1919 erbaute Haikutter „Hanne Marie“ bis in den 1970-er Jahren als Fischkutter in dänischen Diensten. Unter den Hunderten Schaulustigen war auch eine Frauengruppe aus Pasewalk, die jedem Schiff zuwinkte. „Wir haben uns einen Minibus gemietet und sind das erste Mal beim Fischerfest“, sagte Rosemarie Schulze. „Wir wollten mal etwas ganz Besonderes erleben und wurden nicht enttäuscht.“

Martina Rathke

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