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Greifswald Umstrittenes Projekt: 600 Kilometer der Nord Stream 2 verlegt
Vorpommern Greifswald Umstrittenes Projekt: 600 Kilometer der Nord Stream 2 verlegt
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06:03 07.02.2019
In Lubmin entsteht die Anlandestation für die Ostseepipeline Nord Stream 2 Quelle: Martina Rathke
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Lubmin

Unbeeindruckt von den internationalen politischen Spannungen um den Bau der zweiten Nord-Stream-Trasse hat der russische Pipelinebauer sein erstes Etappenziel erreicht. Im Greifswalder Bodden und vor der deutschen Außenküste haben die Verlegeschiffe „Castoro 10“ und „Audacia“ ihre Verlege-Arbeiten beendet. 68 von insgesamt 85 Kilometer der umstrittenen Erdgastrasse liegen damit als Doppelstrang im beziehungsweise auf dem Meeresgrund der deutschen Ostsee. „Planmäßig“, wie Nord Stream-Sprecher Steffen Ebert versichert. Die „Castoro 10“ und die „Audacia“ arbeiten bereits im Mittelmeer an anderen Offshore-Projekten. Im Hafen von Lubmin herrscht Ruhe, denn auch die Arbeitsschiffe, die noch bis Ende Dezember mit der Verfüllung des Pipelinegrabens beschäftigt waren, wurden inzwischen abgezogen.

Projekt ist internationaler Zankapfel

Bei der ersten Ostseepipeline, die 2011 in Betrieb ging, hatte Nord Stream die Fertigstellung solcher Bauabschnitte noch als „Meilensteine“ offensiv kommuniziert. Die geopolitische Gemengelage hat sich inzwischen drastisch geändert: Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, drohte den am Nord-Stream-Projekt beteiligten Konzernen jüngst damit, sich mit ihrer Unterstützung einem „erheblichen Sanktionsrisiko“ auszusetzen. Litauen und die Ukraine hatten die Bundesregierung auf dem Weltwirtschaftsforum Ende Januar in Davos aufgefordert, ihre positive Haltung zur Pipeline zu überdenken. Nord Stream 2 treibt den Bau seiner 9,5 Milliarden Euro teuren Trasse – die in allen Staaten bis auf Dänemark genehmigt ist - eher leise und im Windschatten der politischen Kontroversen voran. Die beiden Verlegeschiffe „Pioneering Spirit“ und „Solitaire“ versenken derzeit Trassenrohre in schwedischen und finnischen Gewässern. Von den insgesamt 2400 Kilometern der als Doppelstrang angelegten Pipeline wurden inzwischen 600 Kilometer – und damit ein Viertel des Gesamtprojektes – verlegt. „Das Projekt liegt im Plan“, sagte Ebert.

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50 000 Pipelinerohre bereits verschifft

Auf der Baustelle an der deutschen Anlandestation in Lubmin drehen sich trotz des Winterwetters weiter die Kräne. Etwa 50 Mitarbeiter der Baufirmen Knoll und RMT errichten Fundamente für die Anlandestation und ziehen Gebäude hoch. Die Betriebs- und Werkstattgebäude stehen im Rohbau, die großen Absperrventile für die ankommende Pipeline sind montiert und werden derzeit verschweißt. Hier am Anlandepunkt war die Pipeline bereits 2018 landseitig angebunden worden.

Im Sassnitzer Rohrwerk der malaysischen Wasco-Gruppe läuft die Betonummantelung von 90 000 der insgesamt 200 000 für die Pipeline benötigten Stahlrohre. 50 000 ummantelte und verlegefertige Rohre wurden nach Nord-Stream-Angaben bereits über die Hafenkante des Mukran Port verschifft. Sie wurden entweder zum Zwischenlager im schwedischen Karlshamn verschifft oder direkt zu Verlegeschiffen transportiert.

Dänemark könnte Pipeline noch ernsthaft gefährden

In den deutschen Gewässern müssen nun noch 17 Trassenkilometer des Pipelinesystems verlegt werden. Dass der aktuelle Stopp der Arbeiten in den heimischen Gewässern mit der noch immer ausstehenden Genehmigung des nördlichen Nachbarn zusammenhängt, weist der Pipelinebauer zurück. Die Fertigstellung der Ostseepipeline sei noch immer wie ursprünglich geplant bis Ende 2019 möglich, sagte Ebert.

Einzig die Dänen könnten jetzt das Projekt noch ernsthaft gefährden. Im August 2018 hatte Nord Stream 2 eine rund 174 Kilometer lange Alternativroute um Bornholm beantragt, nachdem die durch das dänische Küstenmeer führende und um 35 Kilometer kürzere Vorrangtrasse auf politischen Widerstand bei den Dänen gestoßen und das Genehmigungsverfahren auf Eis gelegt worden war. Die Genehmigung für die Alternativroute, die in der Ausschließlichen Wirtschaftszone im großen Bogen nordwestlich um die dänische Insel führt, liegt außerhalb der Zuständigkeit des dänischen Außenministeriums. Die Nordwest-Route habe sich – ebenso wie die Ursprungsroute – als umweltgerecht und technisch sicher erwiesen, sagte Nord-Stream-Sprecher Ebert. „Einer Genehmigung steht nichts mehr im Wege.“

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