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Greifswald Nordkirche: Abschiebung aus Klinik „erbärmlich“
Vorpommern Greifswald Nordkirche: Abschiebung aus Klinik „erbärmlich“
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06:42 20.03.2015
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Greifswald

Dass ein Flüchtling vor Kurzem aus einer Greifswalder Psychiatrie abgeschoben wurde, schlägt in Kirchenkreisen weiter Wellen. „Es ist erbärmlich, wenn Kranke sich in deutschen Krankenhäusern nicht mehr sicher fühlen können“, sagt Dietlind Jochims, die Flüchtlingsbeauftragte der evangelischen Nordkirche. „Wir sind empört und entsetzt und werden Rechenschaft darüber verlangen, ob das Vorgehen recht- und verhältnismäßig war.“

Bundespolizisten hatten vor etwa zehn Tagen einen Flüchtling nachts aus dem evangelischen Bethanienkrankenhaus der Odebrecht-Stiftung geholt und nach Belgien abgeschoben (die OZ berichtete).  „Warum können die Behörden nicht wenigstens warten, bis ein Patient als vorerst geheilt gilt“, fragt Jochims. Ihren Angaben zufolge läuft inzwischen eine Anfrage ans Land, gestellt von Markus Wiechert, dem Regierungsbeauftragten der Nordkirche für MV.

Der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald sagt, eine Abschiebung sei nie schön, aber es sei alles so human wie möglich geschehen. Ein Amtsarzt habe bestätigt, dass der Patient reisefähig sei. In Belgien komme der Mann wieder in Therapie und auch auf dem Flug habe ihn ein Arzt begleitet.

Im Mai vor einem Jahr hatten die Behörden schon einmal einen Psychiatrie-Patienten aus der Odebrecht-Stiftung abgeschoben (die OZ berichtete).Laut Jochims sollte vor drei bis vier Wochen auch eine Frau aus einer Stralsunder Psychiatrie geholt werden. „Da ist es anders ausgegangen. Die Familie lebt jetzt im Kirchenasyl.“



Sybille Marx