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Greifswald Land will Kirche mit Geld von Archivbau in Greifswald überzeugen
Vorpommern Greifswald Land will Kirche mit Geld von Archivbau in Greifswald überzeugen
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10:04 27.08.2019
Der Neubau des Stadtarchivs, ab 2020 wird hier ein neues Haus fürs Landesarchiv gebaut. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

An den Wurthen wird ein neues Landesarchiv für die Pommernakten gebaut. So steht es im Entwurf des Doppelhaushaltes 2020/21. „Es gibt schon Pläne und eine Kostenschätzung“, informiert Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD). Die Kostenschätzung für den Neubau des pommerschen Gedächtnisses in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Greifswalder Stadtarchivs liege bei 3,1 Millionen Euro. Das mit 7,5 Millionen Euro mehr als doppelt so teure neue Stadtarchiv wird im Frühjahr 2020 eingeweiht. Das benachbarte Baufeld wird 2021 frei, dann läuft der Pachtvertrag mit dem Hundesportverein aus.

Wie das Haus einmal aussieht, steht auf einem noch unbeschriebenen Blatt. Zuständig fürs Bauen ist der Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL). Das Stadtarchiv ist ein Solitär, für Laien ist es schwer vorstellbar, es mit einem anderen Gebäude zusammenzubringen. Die Schätzungen des BBL für so einen neuen Bau beruhen auf den Kosten nötiger Räume und den Anforderungen an diese in einem vergleichbaren Quader wie das Depot des Stadtarchivs, informiert der Greifswalder Landtagsabgeordnete Egbert Liskow. Dieser müsste über einen Gang mit dem Stadtarchiv verbunden werden. Dort befinden sich im Erdgeschoss unter anderem Lesesaal und Veranstaltungsraum, die das Land mitnutzen will.

Architekt: Bauten können verbunden werden

Eine bauliche Verbindung des Landesarchivbaus mit dem Stadtarchiv sei machbar, bestätigt Lutz Schneider. Er ist Projektleiter des Dresdner Büros Code Unique Architekten. Dieses hatte den Architektenwettbewerb für das Stadtarchiv gewonnen. „Wir haben dazu im letzten Jahr eine Studie angefertigt.“ Möglicherweise müssten dazu Teile des Stadtarchivs zurückgebaut werden. Entscheidend sei der größte Nutzen für die Funktionsweise der Archive. Alternativ könnte das Land ein freistehendes Gebäude errichten, so Schneider .

Das Archivzentrum An den Wurthen könnte neben dem Stadt- und dem Landesarchiv das Landeskirchliche Archiv umfassen. Aber es fehlt eine Investitionszusage der Nordkirche. Damit sich Kiel für diesen Standort in Greifswald entscheidet, haben Pommernpolitiker Geld locker gemacht.

Dahlemann: Bischof Abromeit ist sehr interessiert

„Wir sind bereit, das Vorhaben mit einem Baukostenzuschuss in Höhe von 100 000 Euro aus dem Vorpommern-Fonds zu unterstützen“, teilte Dahlemann nach einer Sitzung der Lenkungsgruppe Vorpommern mit, der alle Staatssekretäre der Landesregierung angehören. Es habe erste Gespräche mit Finanzstaatssekretär Heiko Miraß (SPD), Egbert Liskow und dem letzten Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche bis 2012 und jetzigen Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Hans-Jürgen Abromeit, gegeben. Abromeit und andere Mitglieder der Kirchenleitung seien sehr interessiert am Zustandekommen dieser Lösung, so Dahlemann.

Weiteres Geld aus dem Strategiefonds

„Auf Initiative der CDU-Fraktion werden noch einmal 100 000 Euro aus dem Strategiefonds Vorpommern bereitgestellt“, ergänzt Egbert Liskow. Damit stünden insgesamt 200 000 Euro bereit. Die Kostenschätzung des BBL für das Landeskirchliche Archiv liege bei 1,35 Millionen Euro, wegen erwarteter Baukostensteigerungen gehe man indes von 1,5 Millionen Euro aus.

Die Akten zur pommerschen Überlieferung der Landeskirche befinden sich derzeit in Kiel. Bis 2015 lagerten die Akten im Keller der Bischofsvilla in der Petershagenallee. Deren Wände waren feucht, sodass sie zunächst nach Mesekenhagen in die Halle eines Unternehmens und dann nach Kiel verlagert wurden.

Entscheidung trifft die Nordkirche

Die Entscheidung über die Zukunft dieser pommerschen Akten trifft nicht der Pommersche Kirchenkreis oder Sprengelbischof Abromeit, sondern die Nordkirche. Denn Greifswald ist wie Schwerin nur eine Außenstelle des Landeskirchlichen Archivs Kiels. Nordkirchensprecher Stefan Döbler spricht seit 2018 von intensiven Gesprächen und bezeichnete im März dieses Jahres grundsätzlich eine Archivkooperation als tolles Projekt. Gründe für den langen Prozess des Nachdenkens oder einen Zeitplan nannte er nicht.

Ob die 200 000 Euro nun für eine Entscheidung zugunsten des Archivzentrums An den Wurthen reichen? „Darüber wird die Erste Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland beraten“, sagt Döbler. Der Ersten Kirchenleitung der Nordkirche gehören 16 gewählte Mitglieder sowie die Landesbischöfin und die drei Bischöfe an.

Greifswald wird zum Gedächtnisort Pommerns

Dahlemann geht von einer schnellen Einigung aus. Greifswald sei auch dank seiner Lage ein sehr guter Standort für Heimatforscher, Wissenschaftler und alle Interessierten. „Greifswald wird zum Gedächtnis Pommern“, schätzt Likow ein. Er hoffe, dass die Nordkirche das Angebot annehme.

Dass ein Archivzentrum an einem Ort zahlreiche Vorzüge für alle Beteiligten biete, da sind sich alle einig. Dazu gehören ein gemeinsamer Lesesaal und ein gemeinsamer Benutzerdienst für alle drei Archive.

Entscheidung für Greifswald

Das jetzige Gebäude des Landesarchivs in Greifswald, die alte Kaserne am Nexöplatz, war nie für die Aufnahme von Akten geeignet, darüber besteht Einigkeit. Auch die meisten Archive vorpommerscher Städte werden dort verwahrt.

Neben Greifswald bewarb sich auch Stralsund für den seit vielen Jahren geforderten Neubau. Vor einem Jahr fiel die Entscheidung zugunsten von Greifswald.

Beim Neubau seines Stadtarchivshatte Greifswald zunächst auf eine Zusammenarbeit mit Stettin und eine Förderung durch die Kommunalgemeinschaft Pomerania gesetzt. Diese Variante scheiterte 2016. Über die Pomerania wäre ein Archivzentrum nicht förderbar gewesen.

Das pommersche Archivzentrum als Alternative hat auch Geschichte.

2012 setzte sich beispielsweise schon der Linkenpolitiker Peter Multhauf für einen gemeinsamen Archivbau mit dem Land ein. 2014 regte das der Landtagsabgeordnete Egbert Liskow (CDU) öffentlich an. Der frühere Bausenator Jörg Hochheim (CDU) verhandelte darüber vergeblich mit dem Land.

2016 kündigteMathias Brodkorb (SPD, damals Bildungsminister) den Neubau des Landesarchivs in Kooperation mit Greifswald oder Stralsund an. Stefan Fassbinder (Grüne, OB seit 2015) sagt, dass Verhandlungen fürs Archivzentrum zu seinen ersten Amtshandlungen gehörten.

Mit dem UniversitätsarchivGreifswald in der Baderstraße und der Bibliothek des geistlichen Ministeriums im Dom St. Nikolai gibt es in Greifswald zwei weitere überregional bedeutende Archive.

Über Personal muss noch geredet werden

Wie es mit der künftigen Personalausstattung des Landesarchivs in Greifswald aussieht, das bleibt ein Thema. Nicht nur die Historische Kommission für Pommern beklagt seit Jahren, dass es deutlich zu wenig Personal in Greifswald gebe, insbesondere für die wissenschaftliche Bearbeitung, eine Voraussetzung für die immer wieder gepriesene Zukunft der Recherche in digitalisierten Akten. „Ich spreche das immer wieder an“, sagt Egbert Liskow.

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