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Greifswald Nordseite des Rycks wird wiedervernässt
Vorpommern Greifswald Nordseite des Rycks wird wiedervernässt
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08:53 27.03.2019
Überreste der Baberow? Wassergraben nördlich des Museumshafens Quelle: Ulrich Rose
Greifswald

Kennen Sie Baberow? Mit dieser Frage hatte die Ostsee-Zeitung vor zwei Wochen ihre Leser konfrontiert, nachdem die in Greifswald geborene Autorin Judith Schalansky in ihrem Buch „Verzeichnis einiger Verluste“ eine Wanderung entlang des Rycks beschrieben und dabei auch von der Baberow berichtet hatte. Offenbar handelte es sich bei der Beschreibung des verschwundenen Nebenarms des Rycks um ein Stück weitgehend unbekannter Regionalgeschichte, was sich an verschiedenen Leser-Reaktionen zeigte.

Nordseite des Rycks wird Überflutungsfläche

Doch nicht nur das: Das von Schalansky beschriebene Salzwiesen-Gebiet wird in naher Zukunft wieder in den ursprünglichen Zustand mit Überflutungsflächen zurückversetzt. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) plant als Ausgleich für den Bau des Sperrwerks eine Renaturierung des Geländes, bei der die früher vorhandenen Salzwiesen auf der Ryck-Nordseite wiedervernässt werden sollen, wie Amtsleiter Matthias Wolters der Ostsee-Zeitung sagte. Im übertragenen Sinne kann man also von der Rückkehr der Baberow sprechen – auch wenn künftig die Überflutungsflächen auf ein Areal östlich des HanseYachts-Geländes begrenzt bleiben.

Schon in Kürze will das Amt mit den ersten Bauarbeiten starten. Die ersten Ausschreibungen für die Verlegung von Abwasserdruckrohrleitungen laufen bereits. Die viermonatigen Bauarbeiten dafür sollen im Mai beginnen. „Die Ausschreibung zur Renaturierung des Polders selbst wird voraussichtlich Ende 2019/Anfang 2020 erfolgen“, sagte Wolters. Planfestgestellt und genehmigt wurde die Renaturierung bereits 2006 zusammen mit dem Sperrwerksbau.

Doch was war die Baberow? Nachdem der Bericht über den verschwundenen Flussarm Anfang März in der OZ erschienen war, durchsuchte der Antiquar und Buchhändler Ulrich Rose ältere Geschichtsquellen und spürte den Überresten der Baberow mit der Fotokamara nach, der sich einst östlich und nahezu parallel zur heutigen Stralsunder Straße verlaufend in den Ryck ergoss. Seine These: „Mit Schließung der Saline und der Umnutzung des Geländes verschwand auch die Baberow – bis auf den kleinen Graben.“

Alte Karten verzeichnen die Baberow

Mehrere historische Karten stützen die Vermutung. Im Lageplan der Saline Greifswald von 1824 wird ein „Baberow-Fluss“ ausgewiesen. Auf dem Preußischen Urmeßtischblatt von 1835 findet sich „Der Baberling“ parallel zur Straße nach Neuenkirchen. Auch im Stadtplan von Friedrich von Hagenow von 1842 erscheint die Baberow. 43 Jahre später in der Preußischen Landesaufnahme von 1885 sei der Fluss dann jedoch nicht mehr zu finden, so Rose weiter. Zwischen dem Erscheinen beider Karten, im Jahr 1872, schloss das Salzwerk. „Mit der Umwidmung des Geländes dürfte die Baberow zugunsten der Erschließung von Weideflächen und der Anlage von Entwässerungsgräben verschwunden sein.“

Eine Erklärung, die auch der Wasser- und Bodenverband Ryck-Ziese für wahrscheinlich hält. Die heute existierenden Gräben – wie der, der sich nördlich des Parkplatzes in Richtung Festwiese und weiter zum HanseYachts-Gelände zieht – seien einst angelegt worden, um Landwirtschaftsflächen zu entwässern, sagte Verbandsmitarbeiterin Katja Boldenhagen. Wann die Gräben angelegt wurden, konnte der Verband allerdings nicht sagen. Belegt ist aber, dass die Gräben 1967 mit dem Bau des Schöpfwerks Eisenhammer auf der nördlichen Ryckseite ausgebaut wurden.

Rosentaldeich wird geschlitzt

Mit der nun vorgesehenen Renaturierung soll nicht nur das Schöpfwerk Eisenhammer zurückgebaut und ein neues, weiter westlich gelegenes Schöpfwerk errichtet werden. Geplant ist auch, den Sommerdeich zurückzubauen und den Rostentaldeich zu schlitzen. Überflutungen des bebauten Hinterlandes nach der Schlitzung des Deichs schließt das Amt aus. „Die Überstauhöhe wird durch das Schließregime des Sperrwerkes begrenzt“, sagte Wolters. Mit anderen Worten: Bei Hochwasser wird das Sperrwerk geschlossen.

Salzwiesen begründen Stadtgeschichte

Ulrich Rose regt an, den nördlichen Teil Greifswalds mit der Steinbecker Vorstadt, dem Rosental und der verschwundenen Barberow stärker in den regionalgeschichtlichen Fokus zu rücken. Die überfluteten Salzwiesen und damit auch die Baberow gehörten zur Gründungsgeschichte Greifswalds, so seine Argumentation. Er verweist auf den Beginn der Besiedlung der Gegend („locus salis“ – Ort des Salzes) durch die Darguner Mönche im 12. Jahrhundert, die Gründung des Klosters Eldena und die spätere Stadtgründung im 13. Jahrhundert. Den vorläufigen Schlusspunkt für 700 Jahre „locus salis“ legte die Schließung des Gradierwerks 1872. Danach schloss sich die landwirtschaftliche und industrielle Nutzung des Ryck-Nordufers mit der Aufschüttung der Deponie und Werftgründung an.

Martina Rathke

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