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Greifswald OZ-Reporterin: Wie Ärzte in 13 Stunden meinen Hirntumor besiegten
Vorpommern Greifswald OZ-Reporterin: Wie Ärzte in 13 Stunden meinen Hirntumor besiegten
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20:37 31.10.2019
Einige Monate nach der OP konnte Wenke Büssow-Krämer auch den Sommerurlaub genießen, hier in Stockholm. Quelle: privat
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Greifswald

Die Warnsignale hat sie lange Zeit ignoriert. Immer wieder litt Wenke Büssow-Krämer unter Kopfschmerzen. Auch Übelkeit bis hin zum Erbrechen beeinträchtigte ihren Alltag. Aber Familie und Job ließen wenig Zeit zum Grübeln. Bis der 18. Februar 2019 die Mutter zweier Kinder völlig aus der Bahn warf. Mit Migräneverdacht kam die damals 41-Jährige an jenem Morgen ins Helios Hanseklinikum Stralsund. Nur wenige Stunden später wurde sie mit der Schock-Diagnose konfrontiert: Hirntumor. „Ein im Durchmesser 5,5 Zentimeter großes Meningeom befand sich hinter meinem linken Auge“, sagt Wenke Büssow-Krämer und wirkt dabei, als könne sie es selbst nicht fassen. Noch am selben Tag wurde die Patientin mit dem Rettungswagen in die Universitätsmedizin Greifswald transportiert. Ein Fall für das Spezialistenteam um den leitenden Neurochirurgen Prof. Henry W. S. Schroeder.

Um es vorwegzunehmen: Der OZ-Redakteurin, die in Stralsund lebt und auf der Insel Rügen arbeitet, geht es heute wieder relativ gut. Nach 13-stündiger Operation, anschließender Rehabilitation und Genesung daheim konnte sie bereits im Juli wieder auf Geschichtensuche für die Leser der OSTSEE-ZEITUNG gehen. „Ich war noch nie so heiß aufs Arbeiten“, sagt sie und lacht. „Wollte es allen beweisen. Und mir selbst natürlich auch.“ So viel Kraft und neuen Lebensmut spürte sie in sich.

Vater und Mutter verstarben an Krebs

Es war im Sommer 2018, als Wenke Büssow-Krämer erfuhr, dass die Ärzte für ihren krebskranken Vater nichts mehr tun konnten. Die Wochen bis zu seinem Tod im Oktober desselben Jahres seien heftig gewesen. Die Gedanken an ihre früh verstorbene Mutter waren immer präsent. „Sie hatte Brustkrebs, wurde nur 42 Jahre alt“, erzählt die gebürtige Stralsunderin mit brüchiger Stimme. Fast zeitgleich zur Erkrankung ihres Vaters setzte damals ihr Kopfschmerz ein. Ein bald zur Gewohnheit werdender Begleiter. „Ich schob es auf den Stress. So vieles musste damals bedacht, musste erledigt werden“, sagt sie. Schmerztabletten halfen. „Oder ein Glas Cola“, erzählt sie und schüttelt über sich selbst den Kopf. Wie leichtsinnig sei es von ihr gewesen, sinniert sie im Nachhinein, noch kurz vor ihrem Zusammenbruch eine Autofahrt mit den Kindern unternommen zu haben. Wegen Übelkeit und Erbrechen habe sie die Reise zeitweilig unterbrechen müssen. Die Weiterfahrt – eine Qual. „Das hätte böse ausgehen können“, sagt sie selbstkritisch. Doch selbst nach jenem Vorfall sei sie nicht zum Arzt gegangen.

Ihr Mann erkannte den Notfall

Am Morgen des 18. Februar schließlich fühlte sich Wenke Büssow-Krämer sehr schlecht. Die Kopfschmerzen erschwerten das Aufstehen. Wie im Dämmerzustand schlich sie durch ihre Wohnung. Unfähig, den beiden Söhnen, damals neun und 13 Jahre alt, wie üblich die Schulbrote zuzubereiten. Schließlich wurde sie bewusstlos. „Ich schlief mit dem Kopf auf dem Küchentisch ein“, erinnert sie sich – fast peinlich berührt vom eigenen „Versagen“. Ihr übergroßes Glück: Ehemann Karsten war noch zu Hause. An jenem Morgen war es für den Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund eigentlich wieder Zeit, für eine ganze Woche an Bord des Mehrzweckschiffs „Arkona“ zu gehen. Doch der Familienvater erkannte die Notsituation, in der sich seine Frau befand. Er tat das einzig Richtige, rief den Rettungsdienst und versorgte die Kinder. „Kaum auszudenken, was hätte passieren können, wäre er zur Arbeit gefahren“, so Wenke Büssow-Krämer. „Dabei hatte ich ihn noch dazu ermuntert und beruhigt, dass es mir bestimmt bald besser gehe.“

Das sehen auch die Ärzte des Greifswalder Uniklinikums nicht alle Tage im OP: Der Hirntumor war im Durchmesser etwa 5,5 Zentimeter groß. Bei dem Meningeom handelt es sich um einen langsam wachsenden Tumor, der im Durchschnitt pro Jahr etwa einen Millimeter wächst. Bei manchen Patienten schreitet das Wachstum aber auch schneller voran. Quelle: privat

Mit Hilfe einer Computertomographie sei im Helios Hanseklinikum zunächst „ein großer Schatten“ im Kopf entdeckt worden. Anlass für die Ärzte, sofort eine Magnetresonanztomographie folgen zu lassen. Dieses bildgebende Verfahren habe am Ende Gewissheit gebracht: „Ein ausgeprägtes Meningeom, das aus der Hirnhaut entsteht und zu den gutartigen Tumoren zählt“, weiß Wenke Büssow-Krämer heute.

Keine Erinnerung an den Transport

Damals jedoch brach für die kleine Familie eine Welt zusammen. Die Nachricht habe vor allem ihren Mann zunächst völlig schockiert. Wer rechnet schon mit so einer Diagnose?! An den Transport von einem ins andere Klinikum kann Wenke Büssow-Krämer sich nicht mehr erinnern. „Doch als ich in Greifswald geweckt wurde, ging es mir blendend. Keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit.“ Die Folge einer Medikamentengabe. Also ging Wenke Büssow-Krämer mit einer eigenartigen Ruhe und kühlem Kopf daran, per Smartphone umgehend die für sie vermeintlich wichtigsten Dinge zu klären: „Es musste doch zum Beispiel das Schulessen für die Kinder bestellt werden“, sagt sie und berichtet, wie engste Familienangehörige nur den Kopf schüttelten angesichts ihrer Aktivitäten im Krankenbett.

Den ursprünglichen Plan, so schnell wie möglich zu operieren, konnten die Ärzte nicht realisieren. Da die Patientin in Stralsund wegen des Migräneverdachts ein blutverdünnendes Mittel erhalten hatte, musste der Eingriff verschoben werden. Drei lange Tage des Wartens und Grübelns begannen. Wird es ein normales Leben nach der OP geben? Welche Zukunft haben die Kinder, wenn etwas schiefläuft? Wird sie jemals wieder arbeiten können ...? Doch es gab auch Lichtblicke: Zu ihr ins Zimmer kam eine Frau, die kurz zuvor an einem Hirntumor operiert wurde. „Sie hatte keinerlei neurologische Ausfälle. Ihr Gedächtnis funktionierte gut. Das machte mir Mut.“

Operation dauerte 13 Stunden lang

Am 22. Februar schließlich wurde sie früh um 7 Uhr aus dem Zimmer zum OP-Saal geschoben. „Mein zweiter Geburtstag!“, sagt Wenke Büssow-Krämer und lächelt übers ganze Gesicht. 13 Stunden dauerte der Eingriff, den Oberarzt Dr. Jörg Baldauf, Stationsärztin Ina Lange und Prof. Henry Schroeder vornahmen. Erst tags darauf wurde sie auf der Intensivstation wach. „Und dann gehst du als erstes alle Geburtstage durch und weißt: Es funktioniert noch – dein Hirn!“ Fünf Tage nach der Operation dann die gute Nachricht: „Es ist ein Meningeom, also nichts Bösartiges. So viel Glück habe ich wohl noch nie empfunden. Ich hätte über den Flur tanzen können“, sagt Wenke Büssow-Krämer freudestrahlend und fügt hinzu: „Ich bin den Ärzten sooo dankbar!“

v.l.: Dr. Baldauf, Wenke Büssow-Krämer, Ina Lange und Prof. Henry Schroeder Unimedizin Greifswald Quelle: HGW

Mit großem Ehrgeiz kehrte Wenke Büssow-Krämer nach der Operation zurück ins Leben, spazierte zunächst viel an frischer Luft. „Ich musste einfach den Wind auf der Haut spüren, brauchte Farbe, Blumen, Wasser.“ Sie trimmte sich im Fitnessstudio und spürte: „Ich bin noch voll da!“ Die lange Narbe auf dem Kopf ist längst unter dem dichten Haar wieder verschwunden, die Dosis der Medikamente konnte sie reduzieren. Rein äußerlich erinnert kaum etwas an diesen Schicksalsschlag. Doch im Innern hat sich Wenke Büssow-Krämer verändert: „Ich will das Leben anders genießen und möchte mir die Dankbarkeit, die ich damals empfunden habe, für immer erhalten.“

Von Petra Hase

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