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Ostvorpommern Kunsterlebnis in einem Schloss
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00:00 12.04.2014
Fero Freymark aus Weissach (Baden-Württemberg), hier mit Museumsleiter Till Richter (links), zeigt in Buggenhagen eine Auswahl seines vielseitigen künstlerischen Schaffens. Quelle: Fotos: Tom Schröter
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Buggenhagen

Wie eine Perle haben Till Richter und seine findigen Helfer Schloss Buggenhagen herausgeputzt. Dem Hausschwamm wurde Einhalt geboten, marode Fachwerkstäbe wurden durch kerniges Holz ersetzt, Räume neu zugeschnitten und alles frisch renoviert. Ab sofort ist für die Besucher auch die erste Etage des in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten, klassizistischen Herrensitzes von Buggenhagen erkundbar. Gestandenen und aufstrebenden Künstlern verschiedener Genres steht somit noch viel mehr Raum als bisher zur Entfaltung ihrer speziellen Talente zur Verfügung.

Bis tief in die Nacht wurden gestern gerahmte Kunstwerke in Position gebracht, Skulpturen angeordnet, Mobile aufgehängt — und nebenbei Fußböden gewienert, das Interieur geputzt und Unkraut gejätet.

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Denn: Für die heutige Ausstellungseröffnung um 14 Uhr soll alles piekfein sein. „Ich folge der Bauhaus-Philosophie, indem ich verschiedene Kunst in einem familiären, leidenschaftlichen Verbund zusammenführe“, erklärt Museumsleiter Dr. Till Richter (41).

Das Werk des Architekten und Bildhauers Fero Freymark bietet ihm hierfür eine grandiose Gelegenheit. Der 75-jährige freischaffende Künstler aus Weissach in Baden-Württemberg, der in München Bildhauerei studierte, präsentiert in Buggenhagen eine eindrucksvolle Retrospektive von 1962 bis heute. Skulpturen aus Bronze, Stein und Eisen, Collagen, Malerei, Mobile, Zeichnungen und Holzschnitte sind zu bewundern, die einerseits von der vielseitigen Ausdrucksform Freymarks, andererseits von seiner Faszination für architektonische Elemente zeugen. „Kunst mit erzählendem und bewahrendem Charakter“ umreißt Freymark sein Lebenswerk, das, aufgeteilt in Kabinette mit jeweils einem bestimmten Thema, im Erdgeschoss offeriert wird.

Im Obergeschoss zeigt der Berliner Stefan Thiel (50) aufwändige, teils großflächige Scherenschnitte, die Gegenständliches wiedergeben. In der Schau „Auf Messers Schneide“ spiegeln sich auf ungewöhnliche Weise und in filigraner Form Szenen am Seeufer und dekonstruierte Motive aus Natur und Alltag wider. Parallel dazu sind fotografische Arbeiten in Form von Draufsichten auf den Peenemünder Haken mit Relikten der früheren Heeresversuchsanstalt zu sehen.

Bis 18 Uhr steht unternehmungslustigen Ausflüglern, die ein interessantes Ziel zu schätzen wissen, heute die Ausstellung offen. „Das Museum im Schloss will nicht auf dem Weg mitgenommen werden“, so der Wunsch des Kurators. „Ich möchte, dass die Leute sich richtig darauf einlassen, Zeit mitbringen und Kunst genießen.“ Fero Freymark hat den Schlossherrn, der gemeinsam mit seiner Mutter 2012 den früheren Herrensitz kaufte, hierfür nach Kräften unterstützt. Als Architekt half er z. B. bei der Ausschreibung für die Sanierung der vom Schwamm befallenen Bausubstanz. „Und ich habe ihm die Angst vor seinem großen Projekt genommen“, lacht der Mann aus Süddeutschland. Ein Museum für zeitgenössische Kunst in einem verschwiegenen Winkel Vorpommerns zu etablieren, findet er „tollkühn und mutig“. Gleichzeitig sei das Konzept einer Ideenschmiede verschiedener Künste — wie schon im Bauhaus — ebenso verlockend wie visionär.

Heute: Vernissage: 14 bis 18 Uhr

Weitere Aktivitäten
Das Till Richter-Museum soll den talentiertesten nationalen und internationalen jungen Künstlern eine Bühne für ihre Karriere bieten.



Am 12. Mai ist das Schloss Schauplatz von Projekttagen des Leistungskurses Kunst von Zwölftklässlern des Anklamer Gymnasiums.


Am 21. Mai findet im Schloss ein Pressedinner der Industrie- und Handelskammer zu Neubrandenburg statt.



Ende Mai/Anfang Juni ist ein Treffen von Lionsclub-Präsidenten zum Thema „Alte Kulturdenkmäler“ geplant.



Tom Schröter