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Ostvorpommern Leichtsinn bringt Retter in Lebensgefahr
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Leichtsinn bringt Retter in Lebensgefahr
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00:00 17.07.2013
Bei den Einsätzen auf der Ostsee riskieren nicht selten auch die Rettungsschwimmer ihr eigenes Leben. Quelle: Henrik Nitzsche
Ückeritz

Noch Tage nach der Suche nach einem Kite-Surfer am Ückeritzer Strand stehen die Feuerwehrleute unter dem Eindruck ihres gefährlichen Einsatzes. Die Gefühle von Wehrleiter Bernd-Eberhard Koos (46) sind gespalten, wenn er an die Suche am 10. Juli zurückdenkt. „Nüchtern betrachtet ist der Einsatz gut gelaufen. Wir waren schnell vor Ort, haben das Boot trotz der starken Brandung fix im Wasser gehabt, der Verunglückte lebt, auch von uns ist niemand zu Schaden gekommen und die Technik ist heil geblieben“, listet Koos auf. Emotional sei ein solcher Einsatz aber nicht so leicht abzuhaken. „Als wir zum Wasser fuhren, hatte ich deutlich unsere Suche nach einem vermissten Kind vor acht Jahren in Zinnowitz vor Augen. Dabei geriet ein Feuerwehrmann unter das Rettungsboot und wurde so verletzt, dass er mehrere Tage im Krankenhaus lag.“

Während er nun den Einsatz am vergangenen Mittwoch leitete, habe er innerlich gehofft, alles möge gutgehen. „Solche Verantwortung wiegt schwer. Ich muss Windverhältnisse, Strömung und Wellen abschätzen. Um jeden Preis schicke ich meine Leute nicht aufs Wasser. Ist die Brandung zu hart, wird abgebrochen“, stellt der Wehrleiter klar. Am Mittwoch sei die Situation zum Teil grenzwertig gewesen.

Koos übertreibt nicht. Einem jungen Ückeritzer Feuerwehrmann war bei seinem ersten Wassereinsatz so mulmig, dass er bei dem Bericht darüber noch Tage später seinen Unterarm schräg in die Luft hält und entrüstet sagt: „So stand unser Boot im Wasser!“ Bootsführer Torsten Labahn (35) schimpft über den Leichtsinn, mit dem Wassersportler und Badegäste mitunter nicht nur sich, sondern auch Rettungskräfte gefährden. „Die meisten lernen das Schwimmen unter Aufsicht in der Halle oder im Freibad und unterschätzen die Naturgewalten. Auf diesen Kite-Surfer habe ich so einen Hals.“

Labahn schimpft auch auf Wassersportler, die mit ihren Kindern ohne Schwimmwesten aufs Achterwasser gehen. Selbst die Feuerwehrleute trügen hier bei ihren regelmäßigen Übungen Rettungswesten, pflichtet ihm Maschinist Ronny Kaminski (32) bei: „Die Gefahr der natürlichen Gewässer wird allgemein unterschätzt. Ich beobachte oft genug, dass sich Eltern sorglos am Strand sonnen, während ihre kleinen Kinder unbeaufsichtigt am Wasser spielen. Das kann einfach nicht sein!“

Auch Dr. Peter Hinz, der leitende Oberarzt der Greifswalder Unfallchirurgie und Notaufnahme, weiß, wie sehr sich Menschen gerade beim Baden in der Ostsee oft selbst überschätzen. „Zwei Drittel aller Unfälle dieser Art sind auf Leichtsinn zurückzuführen“, betont er. Beim Baden in der Ostsee lauerten gleich mehrere große Gefahren, die von den Gästen oft völlig übersehen werden: „Schlechte Schwimmer wagen sich oft viel zu weit ins Wasser, finden dann keinen Halt mehr. Wenn erst Wasser in die Lunge eingedrungen ist, zählt jede Sekunde fürs Überleben. Je länger dem Körper und vor allem dem Gehirn kein Sauerstoff zugeführt wurde, desto schlechter stehen die Überlebenschancen.“ Und auch wenn jemand reanimiert wurde, heiße das noch lange nicht, dass er überlebe. „Das verkennen viele“, erklärt Hinz. Mindestens genauso gefährlich seien Sprünge von Seebrücken oder Buhnen ins Wasser. Zum einen habe die Ostsee ständig neue und nicht vorhersehbare Strömungen, zum anderen lägen gerade im Bereich von Seebrücken oft Steine im Wasser. „Mit einem solchen Sprung kann man Leben zerstören, weil der Badende dann querschnittsgelähmt ist“, berichtet der Oberarzt. Weil sich ein derart verletzter Mensch nicht bewegen könne, tauche er nicht wieder auf und ertrinke ebenfalls. Auf diese Weise hätten schon viele, vor allem junge Menschen ihr Leben verloren. Außerdem warnt der erfahrene Mediziner besonders ältere Menschen davor, ihre Kräfte zu überschätzen. „Im kalten Wasser bekommen gerade Ältere schnell einen Herzinfarkt“, sagt er.

Für die Ärzte und Schwestern, die sich um Badeopfer kümmern müssen, sei das immer eine große Belastung. „Die größte Tragik sind Kinder, die durch einen vermeidbaren Unfall sterben“, redet Hinz Klartext. Er rät deshalb eindringlich allen Ostseeurlaubern, gut auf ihre Kinder aufzupassen und sie nicht allein baden zu lassen. „Und es sollten alle die Warnungen der Rettungsschwimmer befolgen.

Sie ziehen Flaggen, die ein Badeverbot am Strand signalisieren, nicht ohne Grund auf.“

Cornelia Meerkatz und Angelika Gutsche

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