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Ostvorpommern Mit nackten Figuren im Linienbus
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Mit nackten Figuren im Linienbus
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03:41 29.05.2013
Noch schlummern die „Wartenden“ auf der Burg Klempenow. Morgen sollen sie in einem Linienbus nach Greifswald fahren. Quelle: Carsten Büttner 01716441019
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Wietzow

Schon der Auftakt ist ein Wagnis, sein Ausgang völlig ungewiss. Am morgigen Donnerstag will sich die Holzbildhauerin Christina Rode aus Wietzow (Amt Jarmen-Tutow) mit sieben mannshohen Skulpturen an eine Haltestelle in Klempenow stellen, um mit einem Linienbus bis nach Greifswald zu fahren. Dort angekommen, so ihr Plan, „wollen wir Kaffeetrinken gehen“. Der ungewöhnliche Ausflug in die Kreisstadt ist ein Test. Geht er auf, will Rode eine Reise durch Europa wagen. „Mit meinen Figuren im Gepäck“, bekräftigt die Künstlerin. Denn die stünden schließlich im Mittelpunkt ihrer Aktion.

Alleine wird Rode die sieben schweren Skulpturen nicht fortbewegen können. „Ich bin auf Hilfe anderer angewiesen. Darauf, dass sich Menschen auf meine Reise einlassen und sie ein Stück weit begleiten.“ Am Donnerstag werden ihr zunächst Freunde und Bekannte beistehen. Ein jeder wird eine der Figuren mit einer Sackkarre durch Greifswald schieben. Bis zum Markplatz und zurück. Anschließend soll es im Zug noch bis Stralsund gehen, dem vorläufigen Endpunkt. „Meine sieben Skulpturen brauchen mindestens sieben Paten, besser wären zwei für jede“, stellt Christina Rode klar. Wo sie und ihre hölzernen Figuren künftig auch immer auftauchen werden, hofft Rode auf Zufallsbekanntschaften und spontane Unterstützung.

„Es geht mir mit meiner Skulpturenreise um Kommunikation. Unser Alltag ist hektisch und vom Geld bestimmt. Ich möchte Menschen zum Innehalten bewegen, möchte, dass sie, angeregt von meinen Figuren, miteinander ins Gespräch kommen.“ Eins sei sicher, sagt Rode. „Wer immer mit ihren Figuren unterwegs sein wird, werde Aufmerksamkeit erregen. Allein, dass jemand sich die Zeit nimmt, so eine Skulptur durch die Gegend zu schieben, dürfte für Reaktionen sorgen.“

Damit auch Außenstehende ihre Aktion verfolgen können, möchte die 50-Jährige einen Blog im Internet einrichten. „So wird Jedermann nachvollziehen können, wo ich und meine Figuren gerade unterwegs sind.“ Zudem gäbe so ein Blog Menschen, die Rode und ihren Skulpturen begegnen, Gelegenheit, ihre Eindrücke zu schildern.

Im vergangenen Herbst waren die sieben sitzenden Figuren der Christina Rode auf der Burg Klempenow ausgestellt. Jetzt will sich die Bildhauerin auf den Weg machen. An für Kunst eher ungewöhnliche Orte, zu Menschen, „die selten von Kunst berührt werden“.

„Für mich, die ich täglich in meiner ländlich abgelegenen Werkstatt arbeite, ist das ganze eine Herausforderung“, bekennt Christina Rode und gesteht: „Das macht mir auch ein wenig Angst.“

Um sicher zu gehen, dass sie und ihre sieben Figuren am Donnerstag in einem Linienbus nach Greifswald kommen, hatte sie vorab die Demminer Verkehrsgesellschaft konsultiert. Dort allerdings gab man sich wenig erfreut über das Vorhaben und äußerte Sicherheitsbedenken. Rode will es dennoch wagen. „Wir lassen es drauf ankommen, stellen uns einfach an die Haltestelle.“ Falls der Busfahrer nicht mitspielen sollte, würden Rode und ihre Bekannten kurzerhand die eigenen Autos bemühen. Ausnahmsweise, denn grundsätzlich soll die Reise der „Wartenden“, wie Rode ihre sitzenden Figuren nennt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen.

„Wer am Donnerstag in Greifswald zu uns stoßen will, hat dort am Bahnhof die beste Gelegenheit. 12.30 Uhr kommen wir dort an. Gegen 13.45 Uhr trudeln wir dann auf dem Fischmarkt ein.“ Sie sei gespannt auf diese erste Reise, sagt Rode.

Wer nicht die Zeit findet, die Künstlerin und ihre Figuren zu begleiten, wird dennoch Gelegenheit haben, sie zu treffen. Am 20. Juni sollen die sieben „Wartenden“ in der Stralsunder Kulturkirche eintreffen, wo Rode sie ausstellen möchte. „Vielleicht“, sagt die Bildhauerin, „kommen dann viele Beteiligte hinzu, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit meinen Skulpturen mitzuteilen.“ Allein für diesen Fall hätte sich das Wagnis wohl gelohnt.

Die Künstlerin
Christina Rode wurde 1962 in Greifswald geboren, wo sie aufwuchs und zur Schule ging. 1981 begann sie Holzgestaltung zu studieren. Seit 1985 arbeitet sie als selbstständige Künstlerin.

Ihre erste Einzelausstellung hatte sie 1987 in Neubrandenburg. Seit 1991 lebt Rode, alleinstehend mit zwei Kindern, in Wietzow (Gemeinde Daberkow). Christina Rodes Arbeiten waren auf mehreren regionalen Ausstellungen zu sehen. So unter anderem in Katzow, Zinnowitz, auf der Burg Klempenow und im Max-Planck-Institut Greifswald.

Sven Jeske

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