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Ostvorpommern „Wir brauchen Tempo 30!“
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern „Wir brauchen Tempo 30!“
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00:00 22.07.2017
Spielende Kinder und freilaufende Katzen freuen sich über langsam fahrende Autos.
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Mesekenhagen

An den Rändern ihrer Gärten haben Yvonne Hoffmann und andere Mesekenhagener sie aufgestellt: zehn, elf selbst gemalte Schilder, die jeder Autofahrer sehen muss, wenn er durch ihr Dorf rattert. „Bleib fair, fahr langsam“, steht da in bunten Buchstaben zum Beispiel drauf, „Freiwillig 30“ oder – umrankt von rosa Blumen: „Wir freuen uns über jedes Auto, das langsam fährt. Danke.“

Anwohner meinen, die Durchfahrt in Mesekenhagen sei zu laut und zu gefährlich / Lösung: Blitzer?

Es ist der unbürokratische Versuch, das zu erreichen, was seit Jahrzehnten über Behördenwege nicht gelingt: „Wir wollen den Autofahrern klar machen, dass hier Menschen leben, für die es ein Problem ist, wenn man sich nicht an die 50 km/h hält“, erklärt Yvonne Hoffmann. Erst vor zwei Jahren ist sie mit ihrer Familie ins Dorf gezogen, zwei ihrer Katzen wurden seitdem überfahren. „Die Leute haben auch Angst um ihre Kinder“, meint sie. „Deswegen hält sich niemand auf dieser Seite des Hauses auf.“

Und noch aus einem anderen Grund: Die alte Dorfstraße des Ortes trägt altes Kleinpflaster. Ab der Kreisgrenze Vorpommern-Rügen ist die frühere Bundesstraße 96 sogar denkmalgeschützt. Heute gehört die Ortsdurchfahrt zu einer Gemeindestraße.

„Eigentlich ist das Pflaster wunderschön“, wie Yvonne Hoffmann sagt. „Aber leider sehr laut.“ Wenn Pendler auf dem Weg zwischen Greifswald und Stralsund hier rüber bretterten, mache es so viel Lärm, dass Menschen aus dem Schlaf gerissen würden, erzählt Anwohner Peter Cyrus. „Da muss endlich etwas passieren“, findet er. „Die Polizei misst immer nur zwischen 8 und 10 Uhr oder abends ab 20 Uhr.

Aber viel schlimmer ist es morgens zwischen 5 und 7 Uhr.“ Auch mittags und am späten Nachmittag gebe es nochmal viel Lärm.

Yvonne Hoffmann und ihre Familie haben eigene kleine Geschwindigkeits- und Hörtests angestellt. Ergebnis: „Es würde schon helfen, wenn die Leute 40 oder 45 fahren würden, dann wäre der Lärm deutlich geringer“, sagt die Frau. Cyrus denkt strikter: „Wir brauchen Tempo 30!“, meint er. Dass Yvonne Hoffmann ihn und viele andere Anwohner neulich zum Kaffee einlud, um eine Lösungsstrategie zu beraten, findet er hilfreich. Die Plakataktion war das erste Ergebnis. Nun hofft er, dass auch die Gemeindeversammlung tätig wird. Bürgermeister Seidlein kennt die Problematik und kann den Ärger sehr gut nachvollziehen. „Mesekenhagen ist ein langgezogenes Straßendorf“, erinnert er. Eine Lösung des Problems sei aber schwierig. Mit Schildern sei es wahrscheinlich nicht getan. Er gibt zu bedenken, dass auf der alten B 96 auch Landwirtschaftsfahrzeuge unterwegs sind. Würde durch Aufpflasterungen die Geschwindigkeit der Fahrzeuge reduziert, würde das auch Lärm verursachen.

Laut Peter Cyrus hat die Kreisverwaltung schon vor zwei, drei Jahren auf Beschwerden reagiert und Messungen vorgenommen. „Aber die Ergebnisse hat die Gemeinde nie zu Gesicht bekommen.“

„Wir haben 2014 nicht in der Ortsdurchfahrt, sondern zwischen Mesekenhagen und Leist eine Verkehrszählung durchgeführt“, korrigiert Kreissprecher Achim Froitzheim. Wenn Mesekenhagen für seine Straße Tempo 30 zum Lärmschutz wolle, müsse sie erst Messungen in Auftrag geben. „Wenn der Lärm über der zulässigen Größe liegt, kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung erfolgen“, so Froitzheim. Dem müssten Kreis und auch das Land zustimmen.

Und ein Blitzer? „Der kostet etwa 70000 Euro“, so Froitzheim. Bezahlen müsste den die Gemeinde. Der Kreis empfiehlt daher ein Gerät, dass den Autofahrern die Geschwindigkeit anzeigt und per Smiley deutlich macht, wer zu schnell ist. So etwas gibt es zum Beispiel in der Greifswalder Loefflerstraße. Die Geräte seien erschwinglich. „Sie haben sich an vielen Stellen bewährt, wenn sie nicht mit ablenkender Werbung gekoppelt sind“, sagt Froitzheim.

Sybille Marx und Eckhard Oberdörfer

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