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Greifswald Papa-App feiert kleinen Erfolg in Greifswald
Vorpommern Greifswald Papa-App feiert kleinen Erfolg in Greifswald
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Claus-Dieter Heidecke, Direktor der Chirurgischen Klinik der Unimedizin Greifswald, war Ende 2017 der erste Tester der „PapalapApp“. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Wer diese App herunterlädt, ist plötzlich Vater! Aber keine Sorge: Es sind nur virtuelle Kinder, die man zu betreuen hat. Und doch simuliert die an der Universitätsmedizin Greifswald eingesetzte „PapalapApp“ ziemlich gut, wie es ist, wenn man beruflich stark eingebunden ist und gleichzeitig Kinder betreuen muss. So stellt die App dem Nutzer Aufgaben, wie zum Beispiel Abendessen vorzubereiten oder ein Kind aus der Kita abzuholen – und überprüft in diesem Fall über GPS, ob der Weg tatsächlich zurückgelegt wurde. Die Anzahl der virtuellen Kinder (bis zu drei) und die Dauer des Experiments (bis zu zwei Wochen) bestimmen die Nutzer selbst.

Seit einem Jahr gibt es die App nun. Und die Gleichstellungsbeauftragte Astrid Petersmann ist zufrieden. Sie ist Oberärztin am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und hat das Projekt initiiert.

Papa-App soll Verständnis für Eltern fördern

Die PapalapApp richte sich auch an die vorwiegend männlichen Universitätsprofessoren. „Es handelt sich bei der App um ein kulturbildendes Projekt, mit dem für das Thema sensibilisiert werden soll“, erklärt Petersmann und gibt ein Beispiel: Wenn ein Vater plötzlich sein krankes Kind aus der Kita abholen muss, reagiert ein Kollege vielleicht mit einem negativ klingenden Kommentar wie „Ach, schon wieder.“ Diese Reaktionen würden hoffentlich wegfallen, wenn jemand nach dem Ausprobieren der App merke, wie schwierig es sei, Beruf und Familie gleichermaßen gerecht zu werden.

Und? Hat das Projekt geholfen? Ob sich Eltern verstanden fühlen, könne Petersmann nicht einschätzen, weil es keine Rückmeldungen von Eltern gegeben hätte. Sie würde in Beratungen jedoch häufig auf das Projekt angesprochen. Es gehe bei der App schließlich nicht um eine konkrete Maßnahme, sondern um „Bewusstseinsbildung.“

Gestartet war das Experiment im November 2017 auf der höchsten Ebene mit dem Ärztlichen Vorstand der Unimedizin und Direktor der Chirurgischen Klinik, Professor Claus-Dieter Heidecke, und Hans Grabe, dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Vorstand Claus-Dieter Heidecke kümmerte sich drei Monate lang um den digitalen Nachwuchs. „Es erweiterte das Blickfeld, weil die App Situationen simuliert, die es tatsächlich gibt. Ich musste auch immer wieder überlegen, ob und wie ich die Aufgabe nun mache“, sagt Familienvater Heidecke.

App wurde in einem Jahr 50 mal heruntergeladen

Die Anwendung ist kostenfrei und wurde im „Google Play Store“ seit der Freischaltung im November 2017 über 50 Mal heruntergeladen. 12 000 Euro hat die von der Firma Rocket-Apes aus Essen (Nordrhein-Westfalen) entwickelte App gekostet, finanziert aus Drittmitteln. Im laufenden Betrieb falle eine geringe dreistellige Summe an, so Petersmann.

Astrid Petersmann ist Gleichstellungsbeauftragte der Universitätsmedizin Greifswald und Oberärztin am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Quelle: Christopher Gottschalk

Schon das Reflektieren könne dazu beitragen, mehr Verständnis für die Herausforderungen von arbeitenden Eltern aufzubringen, findet Heidecke. Das zähle auch im Kampf um Fachkräfte: Familienfreundlichkeit sei heute ein wichtiger Standortfaktor, weil unter jungen Menschen weniger die Karriere im Vordergrund stehe. „Mann und Frau sind heute weniger bereit, Abstriche in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Kauf zu nehmen.“ Doch das Uniklinikum mit seinen rund 3300 Mitarbeitern sei in Sachen Familienfreundlichkeit bereits gut aufgestellt.

Ein Beispiel dafür, wie Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen sind, nennt Heidecke: eine Konferenz am späten Nachmittag. Die Zeit, in der die Kitas schließen. Drei Eltern sind betroffen – was tun? Die Lösung: Einer holt die Kinder, der Rest kann auf der Konferenz bleiben. Das Arbeitsumfeld müsse solche Flexibilität begrüßen und fördern, sagt Heidecke. Das passiere auch immer öfter. Wenn es Konflikte gebe, dann hauptsächlich darum, ob und wie Arbeitszeiten eingehalten werden können. „Wir haben einen altruistischen Beruf gewählt. Da ist die Zeit nicht immer planbar und das verstehen wir alle“, sagt Heidecke.

Christopher Gottschalk

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