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Greifswald Parteien bringen sich in Stellung
Vorpommern Greifswald Parteien bringen sich in Stellung
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05:28 21.02.2019
Das Landratsamt Vorpommern-Greifswald
Das Landratsamt Vorpommern-Greifswald Quelle: P.Binder
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Greifswald

Die Parteien und Wählergemeinschaften in Vorpommern-Greifswald bringen sich für die Kommunalwahl in Stellung: Nur noch 20 Tage, dann müssen die Wahlvorschläge bei den Wahlleitungen in Kreis und Gemeinden eingereicht sein. Während in den größeren Städten genügend Bewerber politische Verantwortung übernehmen wollen, gestaltet sich die Kandidatensuche in kleineren Gemeinden oftmals mühselig. Neben den 69 Abgeordneten im Kreistag müssen etwa 130 ehrenamtliche, teilweise auch hauptamtliche Bürgermeister bestimmt und hunderte Gemeindevertreter gewählt werden.

CDU setzt auf Erfahrung und junge Leute

Selbst die CDU, mit 875 Mitstreitern mitgliederstärkste Partei im Kreis, wird nicht flächendeckend, sondern nur in etwa 80 Prozent der Gemeinden mit eigenen Listen und Parteimitgliedern kandidieren. „Damit sind wir richtig gut“, holt Kreischef Franz-Robert Liskow zum Seitenhieb gegen die Mitbewerber aus. Die Christdemokraten strotzen nach der gewonnen Landratswahl nur so vor Kraft. „Die Wahl von Michael Sack zum Landrat war für uns das Schlüsselereignis in 2018.“ Als Spitzenkandidat wird Liskow die Partei nicht in den Wahlkampf führen. Dem 32-Jährigen fällt sein Wahlversprechen zur Landtagswahl 2016, bei einem Sieg nach Demmin zu ziehen, nun auf die Füße. Demmin liegt im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Die CDU will erneut als stärkste Kraft in den Kreistag und hat allein dafür 75 Kandidaten nominiert. „Eine gute Mischung aus Erfahrung und jungen Leuten.“ Nur fünf Parteilose findet sich auf dieser Bewerberliste, darunter die Pasewalker und Gützkower Stadtchefinnen, Sandra Nachtweih und Jutta Dinse.

SPD will Gemeinden lebenswert machen

Die SPD verbreitet trotz des bundesweiten Umfragetiefs Zuversicht und will nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl nun mit größerer Präsenz im Kreis punkten. Die AfD sei ein Problem, aber nicht der Grund,warum die Partei wieder in die Fläche strebe, sagt Kreischef Bernd Nabert. „Wir wollen die Gemeinden lebenswert erhalten oder wieder lebenswert machen.“ Der SPD sei es gelungen, mehr Kandidaten als bei früheren Wahlen zu gewinnen. So hätten sich auch in Gemeinden, in denen bislang keine SPD-Bewerber kandidierten, Genossen oder interessierte Parteilose gefunden. Bewerber ohne Parteibuch sieht Nabert nicht als Notnagel, um Listen zu füllen. „In Zeiten, in denen viel über Politikverdrossenheit gesprochen wird, ist es erfreulich, dass auch Menschen, die nicht unbedingt in eine Partei eintreten wollen, politisches Engagement zeigen.“ Die SPD-Liste für den Kreistag umfasst aktuell 73 Bewerber, darunter 13 Parteilose.

Linke startet Neuanfang

Die Linke buhlt mit 44 Kandidaten um Sitze im Kreistag, dazu kommen 85 weitere Bewerber, die in Städten und Gemeinden antreten. Der Drogen-Skandal um den früheren Ueckermünder Bürgermeister Gerd Walther und die Querelen um den Partei-Ausschluss des Wolgasters Lars Bergemann machen es der Partei bei der Kommunalwahl nicht leicht. „Aber in Ueckermünde haben wir einen guten Neuanfang hinbekommen“, so Kreischefin Jeannine Rösler. Die Suche nach Kandidaten gestalte sich in den ländlichen Gebieten schwieriger. Gemeindevertretungen hätten immer weniger finanziellen Gestaltungsspielraum. Wenn man nur noch den Mangel verwalten könne, dann demotiviere das. Angesichts der vermutlich stärkeren AfD erhofft sich Rösler auf Kreisebene ein vergleichbares Ergebnis wie 2014 mit 17,7 Prozent.

Grüne wollen Rückenwind nutzen

Die Grünen wollen im Kommunalwahlkampf vom bundesweiten Aufwind ihrer Partei profitieren und mit einem deutlich besseren Ergebnis als 2014 (4 Prozent) in den Kreistag einziehen. 24 Kandidaten wurden nominiert. 110 Grüne zählt der Kreisverband, 30 mehr als 2017. „Wir haben im letzten Jahr sehr viele Neueintritte verbuchen können“, sagte Kreisgeschäftsführer Christoph Oberst. Damit sei auch die Bereitschaft zu kandidieren gestiegen. Die Partei habe deshalb nur in wenigen Fällen auf parteilose Kandidaten zurückgegriffen.

FDP verschreibt sich Bildung und Breitband

Die Liberalen, die in Vorpommern-Greifswald etwa 120 Mitglieder zählen, konzentrieren sich auf den Kreistag und die größeren Städte. „Wir müssen Prioritäten setzen,“ sagt Kreischef David Wulff. Für den Kreistag sieht sich die Partei mit knapp 40 Bewerbern sehr gut aufgestellt. Die AfD sehen die Liberalen nicht als Konkurrenz. „Die AfD ist Protestpartei, wir wollen konstruktiv gestalten.“ Im Kreistag strebt die FDP 7 Prozent (2014: 2,3 Prozent), in Greifswald sogar 10 Prozent an. Breitbandausbau und Bildung nennt Wulff als wichtige inhaltliche Schwerpunkte.

AfD will Präsenz ausbauen

Die AfD ist noch auf Kandidatensuche. Der Kreisverband wählt die Listen am 23. Februar. Das Ziel hat Kreischef Stephan J. Reuken bereits vorgegeben: das Ergebnis von 4,6 Prozent im Jahr 2014 deutlich zu steigern und in Fraktionsstärke in Kreistag und Greifswalder Bürgerschaft einzuziehen. „Die Wahl ist für uns die langersehnte Gelegenheit, unsere kommunalpolitische Präsenz auszubauen“, gibt sich Reuken kämpferisch. Für den Kreistag und Greifswald gebe es auch ausreichend Kandidaten. Schwieriger werde es auf Gemeindeebene. Die Partei wolle dennoch flächendeckend antreten. „Wir werden, wenn überhaupt, nur in wenigen Gemeinden Lücken haben.“

Freie Wähler peilen erstmals den Kreistag an

Einen Strich durch die Rechnung könnte der AfD die Bürger für Mecklenburg-Vorpommern machen, die sich nach dem Rechtsruck von der AfD abgespalten hatten und nun in den Freien Wählern aufgegangen sind. Im Kreistag treten die Freien Wähler mit 15 Kandidaten an, in etwa 5 bis 10 Gemeinden mit eigenen Listen, wie Kreischef Michael Bertram sagte. Dazu gebe es Freie Wähler, die in lokalen Wählerbündnissen kandidieren. „Kommunal ist unsere Stärke“, so der einstige AfDler Bertram. „Im Landtag machen wir schon Musik. Jetzt wollen wir in Fraktionsstärke in den Kreistag.“

Kompetenz für Vorpommern möchte konservatives Lager stärken

Das Bündnis „Kompetenz für Vorpommern“ mit 7 Kreistagssitzen will die Kandidatenlisten Ende Februar festzurren. In Greifswald steht die KfV-Liste mit 20 Bewerbern bereits. „Wir wollen die Mehrheitsverhältnisse in der Bürgerschaft wieder zu Gunsten des konservativen Lagers verändern“, sagte KfV-Vorsitzender Heiko Jaap. Die Kompetenzler wollen mindestens in Fraktionsstärke in die Bürgerschaft einziehen.

Martina Rathke

20.02.2019
20.02.2019
20.02.2019