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Greifswald Plasma gegen Krebs: Erste Erfolge
Vorpommern Greifswald Plasma gegen Krebs: Erste Erfolge
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00:03 22.03.2018
War gestern zu Besuch beim Kongress Plasma und Krebs in Greifswald: Sozialministerin Birgit Hesse, hier mit Dr. Robert Metelmann. Quelle: Foto: Peter Binder
Greifswald

Chronische Wunden mit kaltem Plasma bakterienfrei zu machen – das wird in Greifswald schon seit Jahren praktiziert. Doch auch zur Behandlung von Krebs könnte Plasma geeignet sein. Erste Erfolge hätten sich inzwischen gezeigt, sagte der Greifswalder Chirurg und Krebsforscher Professor Hans-Robert Metelmann gestern am Rande einer internationalen Tagung in Greifswald. „Man sollte bei Patienten noch nicht allzu große Hoffnungen wecken“, sagte er. „In Laboren auf der ganzen Welt hat sich zwar gezeigt, dass Plasma gegen Krebszellen wirksam ist.“ Im Blick auf eine Therapie stehe man aber noch am Anfang, die klinischen Studien stünden noch aus.

Rund 120 Forscher aus 21 Ländern, darunter Physiker, Biologen, Pharmazeuten und Mediziner tauschen sich bei der Tagung noch bis heute über „Plasma zur Krebsbehandlung“ aus, eingeladen von der Greifswalder Unimedizin und dem Leibnitz Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP).

Krebspatienten, bei denen ein eiterndes Geschwür am Kopf, Hals oder in der Mundhöhle sitzt, werden in der Greifswalder Unimedizin schon seit 2013 mit dem vom INP entwickelten Plasma-Stift behandelt – einem Stift, der kaltes Plasma als blaue Flamme ausspuckt, damit Keime abtötet und die Zellteilung anregt. „Das ist ein wunderbares Mittel, weil man damit die Vereiterung beseitigen kann“, erklärt Metelmann. Auch der entsetzliche Verwesungsgeruch, der die Patienten meist in die soziale Isolation führe, verschwinde dadurch, Schmerzen würden gelindert. Aber bewirkt das kalte Plasma vielleicht noch viel mehr?

Bei etwa zehn Patienten hat sich laut Metelmann schon gezeigt: „Die Krebszellen reagieren auch auf das Plasma – wie es nach den Laborergebnissen zu erwarten war.“ Der Tumor sei bei ihnen kleiner geworden. Bei anderen Patienten allerdings war dieser Effekt nicht zu beobachten. „Da müssen wir herausfinden: Warum funktioniert es bei den ’Gewinnern’?“ Die Daten von mindestens 100 bis 200 Patienten seien dafür nötig.

Offen ist auch noch, ob eine Therapie ausschließlich mit kaltem Plasma sinnvoll wäre. „Bei Krebs im Endstadium sind die Tumorzellen ja außer Kontrolle und streuen“, sagt Metelmann. Experten des Greifswalder „Plasma-Redox-Effekte“-Projekts vermuten daher, dass eine Kombination mit einer Immuntherapie sinnvoller wäre. „Dann könnte man mit Plasma direkt den Tumor behandeln, während die Immuntherapie im Körper die Krebszellen einfangen würde, die noch gar nicht als Metastasen sichtbar sind“, erklärt Hans-Robert Metelmann. 2020 will das Forscherteam voraussichtlich Ergebnisse vorlegen. Konferenzteilnehmer wie David Graves aus Berkeley und Dr. Annemie Bogaerts aus Belgien meinten am Rande der Tagung: „Das ist ein vielversprechender Ansatz.“

„Ich bin total beeindruckt von dem, was Sie hier leisten“, sagte Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD). „Bei Ihnen steht der Mensch im Mittelpunkt.“ Die Kooperation zwischen dem INP und der Unimedizin sei außerdem „ein Alleinstellungsmerkmal“. Tatsächlich: Auf Greifswald als Tagungsort in Deutschland fiel in diesem Jahr die Wahl, „weil hier die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und die medizinische Nutzung in der Klinik so verflochten sind wie derzeit an keinem anderen Ort“, so die Pressestelle der Unimedizin. Das erste Kaltplasmagerät ist hier entwickelt wurden, die deutschlandweit erste Professur für Plasmamedizin wurde hier eingerichtet. Auch der Diplomstudiengang Lasermedizin ist inzwischen durch den Bereich Plasma ergänzt worden. Seit 2014 findet der Internationale Kongress „Plasma zur Krebsbehandlung“ jährlich an wechselnden Orten weltweit statt. Die ersten waren Washington, Nagoya (Japan) und Paris.

Plasma in der Medizin: INP war Keimzelle

Seit über 100 Jahren wird in Greifswald zum Thema Plasma geforscht, anfangs nur in der Physik, inzwischen immer stärker interdisziplinär.

Das Greifswalder Leibnitz Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) hat im Jahr 2013 über seine Tochterfirma Neoplas GmbH das deutschlandweit erste Medizinprodukt herausgebracht, das mit kaltem Plasma arbeitet: den sogenannten Plasma Pen, der zur Desinfektion chronischer Wunden eingesetzt wird. Auch die Greifswalder Firma Coldplasmatech, die bald eine Wundauflage mit kaltem Plasma herausbringen will, hat sich aus dem INP heraus gegründet.

Laut Direktor Klaus-Dieter Weltmann arbeitet das INP auch mit der Unimedizin, den Universitäten Greifswald und Rostock, dem Klinikum Karlsburg und anderen Einrichtungen zusammen, um kalte Plasmen anzuwenden und weitere medizinische Anwendungen zu erforschen und zu entwickeln.

Sybille Marx

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