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Greifswald Plastik im Meer: „Es passiert zu wenig“
Vorpommern Greifswald Plastik im Meer: „Es passiert zu wenig“
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17:33 21.10.2019
Lena Haeberlein, Projektkoordination „Perspektivwechsel“, und Saviya Wheatley Negnal vom Nabu Kreisverband Greifswald vor einem Marktstand in Greifswald. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Lena Haeberlein arbeitet beim Naturschutzbund Kreisverband Greifswald und betreute von 2016 bis 2018 das Projekt „Müll und Meer“. Saviya Wheatley Negnal macht derzeit ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Nabu. Im OZ-Interview sprechen sie über die Folgen des weltweiten Plastikkonsums, was jeder Einzelne dagegen tun kann und dass auch die Ostsee von Plastikmüll betroffen ist.

Ostsee-Zeitung: In welchen Bereichen leben Sie beide in Greifswald plastikfrei?

Lena Haeberlein: Gemüse lokal oder regional zu beziehen, geht relativ einfach. Ich versuche bei Kleidung darauf zu achten, so wenig wie möglich mit Synthetikfasern oder Fleece zu kaufen. Deo, Shampoo oder Waschmittel kann man selbst herstellen. Am besten kann man Plastikmüll einschränken, indem man einfach weniger konsumiert.

Saviya Wheatley Negnal: Ich benutze Shampoo und Spülung als Stückseife und schaue mich um, wo ich Produkte ohne Plastikverpackung erhalte. Gemüse und Obst gibt es plastikfrei auf dem Wochenmarkt.

In Greifswald gibt es keinen klassischen Unverpacktladen. Ist es daher schwieriger, hier auf Plastik zu verzichten?

Haeberlein: Hier gibt es die „Food Coop“ und die „Namiko“, wo man vieles plastikfrei beziehen kann. Reis oder Nudeln werden in Großgebinden gekauft. Dadurch ist es auf die Menge gerechnet viel weniger Plastik. Was auch hilft, ist, Brot, Joghurt oder Gemüse über eine CSA, also eine solidarische Landwirtschaft, zu beziehen. Ansonsten geht es, in manchen Supermärkten an der Frischetheke mit Tupperware einzukaufen.“

Negnal: Ich komme gebürtig aus Lübeck und dort gibt es einen Unverpacktladen. Hier musste ich erst einmal nach Produkten suchen, die ohne Plastikverpackung sind. Vieles findet man in der auch in der Drogerie.

Was passiert eigentlich mit unserem Plastikmüll?

Haeberlein: Wenn es ordnungsgemäß getrennt wird, kommt es zum Wertstoffhof. Da wird es nochmals durchsortiert. Größtenteils bestehen die Produkte aber aus vielen verschiedenen Plastikarten, die noch nicht im großen Stil getrennt werden können. Dadurch kann nur ein Drittel wirklich recycelt werden. Der Großteil wird thermisch verwertet, also verbrannt. Langlebiges Material wird nur einmal verwendet. Die totale Ressourcenverschwendung, wenn man sich überlegt, dass der Rohstoff fürs Plastik Erdöl ist.

Landet unser Müll denn trotzdem im Meer und bei uns in der Ostsee?

Haeberlein: Auf jeden Fall. Weltweit sind es jährlich circa zehn Millionen Tonnen, die in den Meeren landen. 80 Prozent davon entstehen an Land und werden durch Wind und Flüsse ins Meer gespült. Auch bei uns an der Ostsee finden wir in einigen Bereichen viel: Plastiktüten, Einwegbecher, Styropor, Glasflaschen und Unmengen Zigarettenkippen, die übrigens auch aus Plastik bestehen. Ob am Strand, im Straßengraben oder am Flussufer. Das alles landet früher oder später im Meer.

Was für Auswirkungen hat es, wenn weiterhin Plastikmüll in den Meeren landet?

Haeberlein: Plastikmüll kostet Tausenden von Meeressäugern und -vögeln jedes Jahr das Leben. Sie verwechseln es mit Nahrung, sterben mit vollen Mägen, strangulieren oder verheddern sich. Dazu kommt der unsichtbare Teil, das Mikroplastik, welches auch in unsere Nahrungskette gelangt und damit beispielsweise Giftstoffe oder Stoffe, die wie Hormone wirken. Wir wissen noch viel zu wenig über das Ausmaß der Gefährlichkeit. Und es wird immer mehr, da Plastik hundert bis tausend Jahre braucht, um zersetzt zu werden.

Was müsste getan werden, um das zu stoppen? Oder ist es hoffnungslos?

Haeberlein: Hoffnungslos ist es nicht. Dann könnte man ja aufgeben. Es gibt weltweit viele Initiativen, die etwas tun. Da gibt es beispielsweise „Trash-2-cash“ (Anm. d. R.: „Müll gegen Bares“), wo Leute für ihren Müll Geld bekommen. Andere Staaten wie Ghana haben die Plastiktüte komplett verboten und gehen massiv gegen Müll vor. Trotzdem passiert viel zu wenig. Es ist auch die Frage nach der Bequemlichkeit und der Verantwortung: Es darf gar nicht erst so viel hergestellt werden.

Inwieweit ist auch die Politik gefragt, um den Plastikkonsum einzuschränken?

Haeberlein: Ohne die richtige Weichenstellung kann der Konsument noch so viel machen. Es spricht uns nicht von der Konsumentenverantwortung frei, wir müssen unser Handeln ändern. Es braucht möglichst viele Leute, die zeigen, dass es auch ohne Plastik geht. Aber das allein reicht nicht, die Politik muss den Rahmen dafür setzen und die Verursacher viel mehr in die Verantwortung nehmen.

Sie erwähnten bereits Mikroplastik in den Meeren. Was produziert an Land das meiste Mikroplastik und was können wir dagegen tun?

Haeberlein: Das allermeiste Mikroplastik entsteht durch den Abrieb von Autorädern. Auch Schuhsohlen oder Fahrradreifen werden abgerieben, aber aufgrund des Gewichts und der Geschwindigkeit entstehen beim Auto natürlich viel größere Mengen. Zufußgehen oder Fahrradfahren spart also Mikroplastik und man tut gleichzeitig etwas fürs Klima und die Gesundheit.

Würden Sie sagen, dass wir eine Wegwerfgesellschaft sind?

Haeberlein: Auf jeden Fall. Die Hälfte vom jemals auf der Erde erzeugten Plastik wurde erst seit 2000 produziert. Das meiste davon fliegt nach kurzer Zeit in den Müll.

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Von Christin Lachmann

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