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Greifswald Pommersche Diakonie stellt sich um
Vorpommern Greifswald Pommersche Diakonie stellt sich um
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11:52 18.02.2019
Stefanie Niemeyer (links), Bereichsgeschäftsführerin Berufsbildungswerk, Michael Bartels, Geschäftsführer Pommersche Diakonie und Jens Tode, Bereichsgeschäftsführer Assistieren, gehören zum Führungsteam der Pommerschen Diakonie.
Stefanie Niemeyer (links), Bereichsgeschäftsführerin Berufsbildungswerk, Michael Bartels, Geschäftsführer Pommersche Diakonie und Jens Tode, Bereichsgeschäftsführer Assistieren, gehören zum Führungsteam der Pommerschen Diakonie. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Die Pommersche Diakonie denkt christlich, handelt sozial und wirtschaftet erfolgreich. So hat sich der kirchliche Träger mit 1500 Mitarbeitern zum zweitgrößten Arbeitgeber in Greifswald gemausert. Er hilft Menschen mit Behinderung, nach Krankheiten oder im Alter ihren Platz im Leben zu finden. Um diese Aufgabe zu meistern, änderte er Ende 2018 die Struktur des Unternehmens. Seitdem überblickt eine gemeinsame Geschäftsführung alle Bereiche der Diakonie. Vorsteher ist Michael Bartels, seit 1998 auch Vorsteher des Pommerschen Diakonievereins.

Software, Einkauf und Qualitätskontrollen angeglichen

Das Unternehmen hätte den Schritt gehen müssen, weil die Dienstleistungen immer passgenauer auf den Einzelnen abgestimmt werden müssen. „Dafür brauchen wir fließende Übergänge zwischen den Bereichen“, sagt Bartels. Das hieße konkret Ausbildungs- und Arbeitsangebote für behinderte Menschen besser zu verzahnen. In der Verwaltung vereinheitliche man Softwaresysteme, gleicht das Qualitätsmanagement an und organisiert Firmeneinkäufe gemeinsam. Bisher stelle Bartels große Neugier bei den Mitarbeitern fest. Mehr Arbeitsaufwand sei mit der Umstellung nicht entstanden, sagt Stefanie Niemeyer, Bereichsleiterin im Berufsbildungswerk (BBW). „Die Kollegen sind gespannt und die Rückmeldungen positiv.“

Diakonie hat 5 Geschäftsbereiche

Unter dem Dach der Unternehmensgruppe versammeln sich das Berufsbildungswerk (BBW), die Norddeutsche Gesellschaft für Bildung und Soziales (NBS), der Pommersche Diakonieverein (mit den Bereichen Pflegen, Assistieren und Arbeiten), die Züssower Service und Catering GmbH sowie die Wirtschaftsakademie Nord mit je eigenen Leitern, die auch vor der Umstellung ihre Position innehatten. Hinzu kommt das Projekt „Bürgerhafen“ für zivilgesellschaftliches Engagement.

Auf dem Markt der Vielfalt in Greifswald zeigt die Pommersche Diakonie verschiedene Lebenswelten. Quelle: Christopher Gottschalk

Im Pommerschen Diakonieverein arbeitet mit 900 Menschen der Löwenanteil aller Angestellten. Zu ihm gehören Wohnstätten, ambulante Betreuungsangebote, Tages- und Pflegeheime und die Greifenwerkstatt für behinderte Menschen. 600 an der Zahl stellen vom Käse über Holzarbeiten Produkte her, reparieren Fahrräder, arbeiten in der Gastronomie oder in der Gärtnerei. In Greifswald gehört beispielsweise das Café Lichtblick am Markt dazu. Diese 600 Mitarbeiter sind jedoch keine Arbeitnehmer, sondern rechtlich gesehen arbeitnehmerähnlich. So bekommen sie z.B. Urlaub und Mutterschutz wie Arbeitnehmer. Gleichzeitig sind sie von manchen Pflichten befreit, müssen keine Leistung in einer bestimmten Zeit erbringen und genießen so besonderen Schutz. Den Mindestlohn bekommen sie allerdings auch nicht. Im Vordergrund steht die Integration in den Arbeitsmarkt und die Anleitung dieser Menschen.

BBW für Azubis von IHK ausgezeichnet

Im Berufsbildungswerk mit seinen 200 Angestellten bereiten sich in Greifswald Jugendliche aus der gesamten Republik auf ihre Ausbildung vor oder werden ausgebildet in über 40 Richtungen wie Maler, Handwerker, Lagerist oder Bäcker. 500 sind es derzeit, sagt Stefanie Niemeyer. Das BBW sei Dienstleister für die Arbeitsagentur, die Jugendlichen kämen über ihre Kostenträger ins BBW. Seit zehn Jahren zählt jedes Jahr mindestens ein Auszubildender aus dem BBW zu den besten seines Jahrgangs. Das war der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg Anfang 2019 eine Auszeichnung wert.

Der Umsatz der Diakonie lag im Geschäftsjahr 2017 bei 70 Millionen Euro. Größere Investitionen sind unter anderem geplant am Greifswalder Nexöplatz und am Hansering im Wohngebiet Hafenstraße im B-Plan 55, in Züssow, Stralsund, Lubmin und Ribnitz-Damgarten. Zuletzt wurde 2014 ein Pflegekomplex am Botanischen Garten eingeweiht.

Fachkräftemangel macht sich bemerkbar

Umsatzsteigerungen seien vor allem in der Pflege zu erwarten, weil mehr Menschen pflegebedürftig werden, sagt Michael Bartels. Hier werde zudem das Bundesteilhabegesetz wirken, das die neue Grundlage für Leistungen für Menschen mit Behinderungen ist. Mit dem Land müssen noch Personalschlüssel ausgehandelt werden. „Wir warten auf den Landesrahmenvertrag und entwickeln derzeit Beratungsangebote für die neuen Leistungen“, sagt Jens Tode. Das Gesundheitswesen ist umkämpft, nicht zuletzt um Fachkräfte. Es gebe kaum Bewerbungen, weil der Druck aus anderen Branchen größer geworden sei. Zwar besetzt die Pommersche Diakonie jährlich 10 Ausbildungsplätze, zahle über dem Mindestlohn, doch sei es schwer, pädagogische Fachkräfte wie Heilerzieher oder Sozialpädagogen zu finden. Derzzeit lernen 35 Azubis bei der Diakonie.

Diakonie hat 20 Standorte in Vorpommern

Die Pommersche Diakonie ist an 20 Standorten in Vorpommern vertreten, darunter Greifswald, Züssow, Stralsund, Bergen, Jarmen, Demmin, Grimmen, Griebenow, Groß Lehmhagen, Lubmin, Wolgast und Altentreptow. 2008 verlegte der Träger seinen Sitz von Züssow nach Greifswald, heute ist die Zentrale in der Rakower Straße. Von hier aus will die Diakonie weiter die Region Vorpommern prägen.

Wurzeln reichen ins 19. Jahrhundert zurück

1991 wurde der Pommersche Diakonieverein Züssow gegründet. Dessen Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück.

1945 begann die diakonische Arbeit in Züssow. 2008 wurde der Sitz nach Greifswald verlegt. Daneben ist der Verein in Züssow, Stralsund, Bergen, Jarmen, Demmin, Grimmen, Griebenow, Groß Lehmhagen, Lubmin, Wolgast und Altentreptow aktiv.

Seit 1991 wurden über 25 Millionen Euro investiert. Damals wurden noch 400 Beschäftigte gezählt, heute sind es 1500.

Mehr aus der Serie „Greifwalds größte Arbeitgeber: Johanna-Odebrecht-Stiftung beschäftigt 920 Mitarbeiter.

Christopher Gottschalk

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