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Greifswald Prächtige Fassaden und viel DDR-Kunst in Greifswald
Vorpommern Greifswald Prächtige Fassaden und viel DDR-Kunst in Greifswald
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11:26 09.09.2019
Felix Schönrock vor dem Haus 25, das 1341/42 für den schwerreichen Heinrich II. von Lübeck gebaut wurde, eines der höchsten mittelalterlichen Häuser des Ostseeraums. Für die jetzige Fassade der 1860er Jahre zeichnen die Weißenborns verantwortlich, denen auch Ludwigsburg gehörte Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Am Tag des offenen Denkmals öffneten erneut Hausbesitzer, Kirchen, Universitäten ihre Gebäude. Besucher hatten die Qual der Wahl. Ein Schwerpunkt lag auf den Leistungen der DDR und dem, was noch erhalten ist.

Kenntnisreich erläuterte Greifswalds lebendes Hauslexikon Felix Schönrock die Entwicklung der Fassaden vom späten 18. ins beginnende 19. Jahrhundert. Peter Baltzer von Vahl, ein reicher Händler, baute vor über 200 Jahren mit der Steinbeckerstraße 15 und 35 Gebäude, die wegen ihrer Gestaltung zu den herausragenden Denkmälern der Stadt gehören. In den Fassaden ist auch der Wandel im Schaffen des Architekten Johann Gottfried Quistorp, des ersten Zeichenlehrers von Caspar David Friedrich, ablesbar.

Felix Schönrock erläutert die Fassaden in der Steinbeckerstraße Quelle: eob

Frisch saniert präsentiert sich die Steinbeckerstraße 15, einst Sitz des Kurators der Universität, der das Haus 1859 erwarb. Zuvor gehörte es Hofgerichtsdirektor von Möller, an den es Baltzer Peter von Vahl, in heutigem Sprachgebrauch ein Bauträger, verkauft hatte. Das in den 1790er Jahren errichtete Gebäude zeigt Gestaltungselemente des spätbarocken Zopfstils, ist aber schon der klaren Formensprache des Klassizismus verpflichtet. Dagegen dokumentiere die 1803/4 von Peter Baltzer von Vahl für den Bürgermeister Carl Gesterding errichtete Steinbeckerstraße 35 den vollständigen Wechsel Quistorps zur Formensprache des Klassizismus.

Dieses Haus in der Steinbeckerstraße war ursprünglich ein Speicher, das eigentliche Kaufmannshaus befindet sich auf dem Hof. Der Rat wollte in der Steinbeckerstraße keine Speicher, darum wurde das Gebäude durch diese Fassade „getarnt“. Quelle: eob
1914 erwarb Rudolf Karstadt das heutige Schuhverkaufshaus und ließ Umbauten vornehmen Quelle: eob
Das gerade sanierte Haus Steinbeckerstraße 14 Quelle: eob

Keramiken mit Zukunftsgewissheit

In der Hansestadt erinnern noch heute viele Arbeiten an die große Bedeutung, die die baubezogene Kunst in der DDR hatte. Ein prominentes Beispiel ist der stilisierte Plan Greifswalds, den Ilse Reinl (1927 bis 2019) gemeinsam mit Kollegen sowie Studenten des Caspar-David-Friedrich-Institutes vor 60 Jahren in der früheren Gerichtslaube des Rathauses fertigstellten.

Susanne Papenfuß erläutert den Stadtplan von Ilse Reinl Quelle: eob

Der Keramik-Stadtplan besteht aus 319 einzelnen Fliesen, ist knapp vier Meter breit und 2,60 bis 2,90 Meter hoch, erläuterte Susanne Papenfuß bei ihrer Führung. Die Darstellungen illustrieren die Zukunftsgewissheit. Zugleich ist der Plan ein Dokument, hier sind zum Beispiel der Beginn der Bauarbeiten für das alte Ostseeviertel, eine noch viel kleinere Stadtrandsiedlung, das Kleiderwerk und das Betonwerk Ladebow zu sehen.

Die beteiligten Künstler haben sich zum Teil selbst verewigt, berichtete Papenfuß. „Auf dem Motorrad sind Martin Franz und seine Verlobte dargestellt.“ Christine Musolf, die Familie Reinl seit ihrem Studium gut kannte, wunderte sich überhaupt nicht, dass Helmut Reinl auf der Leiter an einem Apfelbaum in der Obstbausiedlung dargestellt war. Dort wohnten die Künstler. Helmut Reinl sei ein begnadeter Gärtner gewesen, erzählt sie.

Beispiele baugebundener Kunst der 50er Jahre

Als ältestes architekturbezogenesKunstwerk aus der DDR gilt in Greifswald das zweiteilige Putzsgraffito an der früheren Agraringenieurschule in Ladebow.

Heinz Becker hat in den 1950er Jahren weitere Sgraffiti in der Schlaak- und der Mehringstraße geschaffen.

Helmut Maletzke gestaltete um 1953 auf der Grundlage einer Stadtansicht von 1650 eine Wand im Rathaus.

Eine Schatzkiste dekorativer Arbeiten ist der ab 1956 mathematisch-naturwissenschaftliche Komplex in der Jahnstraße. Außen ist das Sgraffito, das das Staatswappen mit Hammer Zirkel und Ährenkranz mit dem historischen Unisiegel verbindet ein interessantes Zeitdokument.

Etwas versteckt liegt eine Keramikplatte an der Musikschule in der Roßmühlenstraße am Gebäude der Musikschule. Dargestellt ist ein stilisiertes Greifswald bei der großen Sturmflut 1872, als Trümmer Wiecker Häuser bis nach Greifswald gespült wurden. Die Platte kennzeichnet die Fluthöhe.

Diese Keramik von Ilse Reinl erinnert an die Flut von 1872 Quelle: eob

Das Werk eines „Giganten der Kunst

Das monumentale Wandgemälde „Studenten in der sozialistischen Gesellschaft“ des Kunstprofessors Wolfgang Frankenstein (1918 bis 2010) in der denkmalgeschützten früheren Mensa am Wall gehört zu den bemerkenswertesten Beispielen für Kunst am Bau in Greifswald.

Kustos Thilo Habel erläutert das Wandgemälde „Studenten in der sozialistischen Gesellschaft“ von Wolfgang Frankenstein Quelle: eob

„Er war ein künstlerischer Gigant seiner Zeit“, so Unikustos Thilo Habel bei seiner Führung. Frankenstein war 1962 bis 1968 Professor in Greifswald. Habel verwies auf Bezüge zu Ovids Geschichte von Daphne und Apoll. Die rote Farbe sei ein Bezug auf die „Mutter aller Fresken-Zyklen“ in einer Villa in Pompeji.

In „Treffen ausländischer Studenten mit Werktätigen“, entwerfe Frankenstein seine Vision der Völkerfreundschaft. Ein Transparent ohne Inschrift ist zu sehen. Es hätte Solidarität mit Vietnam darauf stehen können. Das Gemälde entstand 1974 bis 1976. Der Putsch in Chile und der Vietnamkrieg hätten den Künstler sehr bewegt. Vorstellungen der Zeit spiegeln sich in dem Bild „Praktikum“ mit weiß gekleideten Mitgliedern der Intelligenz und blau gekleideten Arbeitern vor und in einer Industrieanlage.

Hier wird das studentische Praktikum illustriert Quelle: eob

Von Eckhard Oberdörfer

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