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Greifswald Siedler wurden in Pommern privilegiert
Vorpommern Greifswald Siedler wurden in Pommern privilegiert
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09:42 05.04.2019
Im Strasburger Heimatmuseum wird die Erinnerung an die große französische Kolonie wach gehalten
Im Strasburger Heimatmuseum wird die Erinnerung an die große französische Kolonie wach gehalten Quelle: Oberdörfer Eckhard
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Stettin

Ohne Zuwanderung ist Pommern nicht dankbar. Das beginnt schon mit der Einwanderung deutscher Siedler im Mittelalter. Brandenburg-Preußen setzte auf neue Bürger, um das Land am Meer wirtschaftlich zu beleben, nachdem die Hollenzollern nach dem Dreißigjährigen bzw. dem Großen Nordischen Krieg im größten Teil Pommerns Landesherren geworden waren. Für den Greifswalder Joachim Neumann sind Vergleiche mit der heutigen Einwanderungspolitik durchaus angebracht. Zur Illustration übergab der Kopien einer Chronik der Stadt Stettin von 1849.

Um das teils verödete Stettin zu fördern, beschloss demnach König Friedrich Wilhelm I. (1688 bis 1740) die Gründung einer französischen Kolonie wie sie in anderen Städten seit den Zeiten des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688) bestanden. Er beauftragte die Geheimräte Duclos, la Grivielere und Sibrand. Sie nahmen 1721 mit dem Stettiner Magistrat nicht ganz einfache Verhandlungen auf. „Endlich bewilligte der Magistrat den Koloniebürgern eine zehnjährige Freiheit von den städtischen Abgaben und überließ denselben die seit der Belagerung wüst liegenden Hausstellen unentgeltlich. Dagegen mussten sie sich wegen der im Jahre 1713 abgebrannten Häuser mit den Besitzern einigen, für die Aufnahme in die Kaufmannschaft 30 Reichstaler, in ein Gewerk aber nur 1 Reichstaler bezahlen.“ Der König akzeptierte das nicht. Er gewährte weitestgehende Freiheiten für wegen ihres Glaubens in Frankreich verfolgte Hugenotten sowie Schweizer, Holländer, Pfälzer und andere, die mit den Franzosen eine Gemeinde bilden wollten. Auch billigte ihnen der König eine eigene Gerichtsbarkeit zu. „Denjenigen Kolonisten, welche Fabriken anlegen oder Seehandel treiben würden sollten noch besondere Privilegien ertheilt werden.“ Es gab auch Geld für die Sanierung und den Bau neuer Häuser. Der preußische Staat versuchte, bestimmte Gewerke zu stärken. Für die Zünfte der Tabakspinner (zogen die Tabakblätter auf Schnüre), Leinweber und Reiffschläger (Seiler) keine Aufnahmebeschränkungen. Der erste Stettiner Franzose war der Tabakspinner Jean Bouveron. Die Privilegien zogen viele Siedler an, aber es gab ebenso Streit mit den Ansässigen. Auch davon erzählt die Chronik. So weigerten sich Hausbesitzer, den Neulingen Wohnungen zu vermieten. Dass die eingesessenen Stettiner in der großen Mehrheit Lutheraner, die neuen Kolonisten aber Reformierte waren, führte ebenfalls zu Spannungen. 1741 lebten 91 Familien in der französischen Kolonie.

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